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Sessile, also marine Schwämme, existieren seit Jahrmillionen. Und das, obwohl sie nicht vor Fraß oder Überwuchs flüchten können. Maßgeblich verantwortlich dafür sind Bromtyrosine mit ihren antitumoralen, antibiotischen und antiviralen Wirkungen. Das junge Unternehmen BromMarin, eine Ausgründung der TU Bergakademie Freiberg, hat daraus eine Vision entwickelt: Das Unternehmen will die Mechanismen, die Schwämmen das Überleben sichern, für die Menschheit nutzbar machen.

GoingPublic: Herr Ehrlich, bitte erläutern Sie das Geschäftsmodell der BromMarin GmbH.
BromMarin stellt Naturstoffe aus Meeresschwämmen für die Forschung im industriellen und akademischen Pharmabereich zur Verfügung. Außerdem gewinnen wir erstmalig das Chitingerüst des Schwammes, welches im Tissue Engineering und der Biomedizin Anwendung findet. Wir wollen die Ressource Meeresschwamm bestmöglich nutzen, daher auch die Mission: „Squeeze the sponge‘s full potential.“

Marine Biotechnologie im Erzgebirge: Wie passt das zusammen?
Sehr gut. So versteht sich die TU Bergakademie Freiberg als „Die Ressourcen-Universität“ und besitzt eine entsprechende Kompetenz entlang der Wertschöpfungskette. Unser Rohstoff ist zwar maritimen Ursprungs, für die weitere Verarbeitung benötigen wir jedoch genau dieses Wissen, das hier am Rande des Erzgebirges vorhanden ist. Sicherlich müssen wir auch gelegentlich reisen, um in den Zentren der marinen Biotechnologie präsent zu sein. Aber die Alleinstellung in unserer Region ist dafür umso wertvoller.

Die marine, „blaue“ Biotechnologie steht (noch) ein wenig im Schatten der roten, grünen oder weißen Biotechnologie. Zu Recht?
Rohstoffquellen an Land für die Medizin, Landwirtschaft oder Industrie sind erst einmal intuitiver als aus dem Meer. Von daher ist der Vorsprung gegenüber der blauen Biotech, die bisher nur 1% der gesamten Biotech-Branche ausmacht, auch verständlich. Wenn Sie sich jedoch das Potential des Meeres vor Augen führen, werden wir hier bald eine Änderung erleben. Mehr als 70% der Erdoberfläche sind mit Meer bedeckt. Die biologische Vielfalt im Meer ist groß und die Evolution im Meer ist der an Land Milliarden Jahre voraus. Daher ergibt sich auch eine breite Palette an Anwendungen von Ernährung bis Kosmetik oder wie in unserem Fall in den Bereichen Pharmazie und Werkstoffentwicklung.

BromMarin: Meeresschwämme bergen großes Potenzial für Anwendungen in Pharmazie und Werkstoffentwicklungen. BromMarin GmbH
BromMarin: Meeresschwämme bergen großes Potenzial für Anwendungen in Pharmazie und Werkstoffentwicklungen. BromMarin GmbH

 Wie steht es um das Thema „Finanzierung“? Ist Venture Capital ein aktuelles Thema für BromMarin?
Definitiv. Wir stellen aktuell ein Investorenkonsortium zusammen und planen bis Ende Juli die Verhandlungen abzuschließen. BromMarin soll in vier bis fünf Jahren europäischer Marktführer bei der Bereitstellung von nachhaltigen marinen Schwammwirkstoffen für die Pharmaforschung werden, dafür müssen wir die Finanzierung sicherstellen. Wir sind hier guter Dinge und offen für weitere Gespräche.

Ein Ausblick: Was sind die nächsten Meilensteine der BromMarin GmbH?
Aus unserer Pilot-Schwammzuchtanlage im Mittelmeer werden wir noch in diesem Jahr eine Anlage im Großmaßstab entwickeln. Weitere Schwammwirkstoffe werden folgen und unser 3D-Chitingerüst soll mit Hilfe eines Kooperationspartners für biomedizinische Anwendungen erstellt werden. Große Ziele für ein kleines Team, die uns jeden Tag motivieren.

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