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Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbH

 

Gerade für Starts-ups spielen Gründerzentren eine wichtige Rolle. Aber auch für größere Unternehmen bieten sie großes interdisziplinäres Verknüpfungspotenzial. Im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erklärt der Geschäftsführer des BioPark Regensburg, Dr. Thomas Diefenthal, wie die Wertschöpfungskette innerhalb des Zentrums erfolgreich genutzt werden kann und warum die Nähe zur Universität wichtig ist.

GoingPublic: Herr Dr. Diefenthal, welche Rolle spielen Gründerzentren bei der Entwicklung von jungen Healthcare-/Life-Science-Unternehmen?

Diefenthal: Im Healthcare-Bereich geht es immer um Produktentwicklungen, wofür Labore benötigt werden. Solche Räumlichkeiten sind im normalen Immobiliengewerbe nicht leicht zu finden, da z.B. Lüftungs-, Kühltechnik und Reinstwasser- bzw. Abwassertechnik dementsprechend vorhanden sein muss. Gründerzentren bieten die nötige Infrastruktur zu günstigen Preisen an.

GoingPublic: Wie wichtig ist die enge Anbindung zu Forschungseinrichtungen für die Entwicklung junger Unternehmen?

Diefenthal: Unser BioPark befindet sich direkt auf dem Campus der Universität Regensburg. Laut Erfahrungsberichten der Arbeitsgruppe BioParks im ADT Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren sind Zentren, die sich direkt auf dem Campus einer Hochschule bzw. in unmittelbarer Nähe dazu befinden, erfolgreicher als Zentren, die weiter weg, z.B. in einem Gewerbegebiet, sind.

GoingPublic: Woran liegt das?

Diefenthal: Zum einen ist natürlich die Personalsuche viel einfacher, da man direkt an der Hochschule Personal akquirieren kann. Es kann vorkommen, dass Mitarbeiter sowohl an der Universität als auch im Gründerzentrum tätig sind. Zum anderen kann man die bereits vorhandene Infrastruktur nutzen: Von der Möglichkeit der Sondermüllentsorgungen über die Bibliothek bis hin zur Mensa ist alles vorhanden. Außerdem kann man Großgeräte, die man für die Forschung bzw. Produktentwicklung benötigt, mitbenutzen und muss sie nicht extra anschaffen.

GoingPublic: Welche Besonderheiten kennzeichnen die Region Regensburg in diesem Bereich?

Diefenthal: Die BioRegion Regensburg ist eine kleine Region. Wir haben Ende der 90er Jahre angefangen und relativ früh auf eine Fokussierung auf einen bestimmten Bereich verzichtet. Wir haben es vorgezogen, uns interdisziplinär aufzustellen. Diese breite Aufstellung ist als Chance zu sehen, weil man so relativ schnell querdenken kann.

GoingPublic: Anfangs war der BioPark stark auf Biotechunternehmen ausgerichtet. Warum wurde das Spektrum auf Life Sciences erweitert?

Diefenthal: Das Ziel hierbei war, die Wertschöpfungskette voll auszunutzen. Ein Beispiel hierfür wären Mikrotitterplatten für Zellkulturen in der Diagnostik, für die eine Firma bei uns im Park die Sensoren entwickelt hat. Diese ist nicht in erster Linie ein Biotechunternehmen, zählt jedoch zu den Suppliern für diese Branche und benötigt Labore. Im Healthcare-Bereich gibt es sehr viele interdisziplinäre Schnittstellen zur Metall- Glas-, Textil- und Plastikindustrie, die auf den ersten Blick nichts mit Biotechnologie zu tun haben.

GoingPublic: In welchen Branchen sehen Sie die größten Chancen?

Diefenthal: Wir setzen auf eine breite Kompetenz in Biotechnologie, Medizintechnik, Pharma, Analytik und Diagnostik. Dies bildet die komplette Wertschöpfungskette ab: von der Idee eines neuen Medikaments bis zur Applikation in der Apotheke. Die einzelnen Bereiche brauchen einander, daher kann man nicht richtig sagen, wer die besseren Chancen hat.

GoingPublic: Herr Dr. Diefenthal, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Maximiliane Worch.