Bildnachweis: BIO Deutschland / Andreas Grasser.

Zum erstmalig ausgetragenen „Investors Day“ am Vortag der Deutschen Biotechnologietage kamen im Kongresscentrum Würzburg über 130 Investoren- und Unternehmensvertreter zusammen. Die englischsprachige Veranstaltung wurde vom Verband BIO Deutschland organisiert, mit Unterstützung der GoingPublic Media AG.

Zahlreiche Experten aus Wirtschaft und Finanzwelt nutzten das angebotene Partneringprogramm für persönliche Gespräche und zum Ausbau geschäftlicher Kontakte. In verschiedenen Panels wurden aktuelle Finanzierungstrends und Herausforderungen der Life Sciences diskutiert. In drei Pitch Sessions konnten darüber hinaus zwölf Life Sciences-Firmen aus verschiedenen Segmenten ihre Geschäftsideen präsentieren.

Nach der Eröffnung durch Jan Schmidt-Brand von der Heidelberg Pharma, erläuterte Joseph Oakenfold von der Deutschen Bank die aktuellen Entwicklungen in der US-amerikanischen Life Science-Finanzierung. Er unterstrich noch einmal deutlich die im Unterschied zum europäischen und deutschen Vergleich gewaltigen Finanzierungssummen, die Biotech-Firmen in den USA zur Verfügung stehen, vor allem bedingt durch die große Anzahl spezialisierter Life Science-Investoren im Venture Capital-Bereich.

Zu große Lücke zwischen den VC-Märkten

Ähnlich äußerten sich auch die Teilnehmer des ersten Panels „State of the Industry“, moderiert von Dentons-Experte Peter Homberg. So monierte Creathor-Geschäftsführer Karlheinz Schmelig die immer noch große Lücke zwischen den VC-Märkten Deutschland und USA, obwohl die Zahlen hierzulande zuletzt durchaus beeindruckend waren. Sebastian Grabert, Deutschland-Repräsentant der Mehrländerbörse Euronext wies darauf hin, dass es bei nicht wenigen CEOs der deutschen Life Science-Sztene nicht nur mentale Vorbehalte gegen einen potenziellen Börsengang gäbe, viel wissen demnach auch nicht, welche übergreifenden Formalitäten und Herausforderungen mit einem IPO verbunden wären.

Sascha Berger von TVM Capital Life Science hinterfragte die Notwendigkeit eines Life Science-Börsengangs in Europa oder gar in Deutschland. Wenn ein funktionierendes Netzwerk zu Kapitalgebern in den USA und deren Geldflüsse bestehe, warum dann ein IPO an der Frankfurter Börse? Alle Teilnehmer, darunter auch Nooman Haque von der Sillicon Valley Bank und Klaus Kremoser von Phenex Pharmaceuticals, waren sich darüber hinaus einig, dass ein IPO keinesfalls einen klassischen Exit darstelle. So seien etwa die VC-Geber weiterhin in das Unternehmen involviert, allein schon um nötige und zuweilen langwierige Formalitäten abzuwickeln. Und schließlich sei auch ein Börsengang primär eine Kapitalbeschaffungsmaßnahme.

Initiativen bleiben ungehört / Besser im Ausland investieren?

Im zweiten Panel am Nachmittag „What’s ‚hot‘ in Bio?“, moderiert von Prof. Dirk Honold von der Technischen Hochschule Nürnberg, wurden noch einmal die Hürden gerade für deutsche Biotech-Unternehmen in Sachen Finanzierung und Regulierung angemahnt. Dies mache es wichtigen ausländischen Kapitalgebern schwer, in Deutschland zu finanzieren. Mehrmals, so Prof. Honold, seien Versuche und Initiativen, etwa seitens des Branchenverbandes BIO Deutschland, gegenüber Vertretern der Bundesregierung in Berlin ungehört geblieben. Und so käme es vor, dass auch deutsche Investoren lieber in ausländische Biotech-Start-ups investieren, etwa in den Niederlanden, wo steuerliche Erleichterungen beispielsweise wesentlich selbstverständlicher seien.

Abgerundet wurde der Tag durch drei Pitch Sessions, im Rahmen derer Start-ups aus den Bereichen Diagnostic, Health-IT und Therapy Development ihre Geschäftsideen vorstellen konnten.

Über den Autor

Holger Garbs ist seit 2008 als freier Redakteur für die GoingPublic Media AG tätig. Er schreibt für die Plattform LifeSciences und das VentureCapital Magazin.