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Der internationale Handelskonflikt ging die vergangenen Tage in eine neue Runde, und wahrscheinlich nicht die letzte – mit noch etwas härteren Bandagen. US-Präsident Trump glaubt oder gibt vor zu glauben, mehr Asse als etwa seine (chinesischen) Handelspartner im Ärmel zu haben. Schließlich importieren die USA weit mehr Güter aus China als umgekehrt. Die Reaktion der Chinesen auf die jüngste Trump-Drohung, praktisch sämtliche Importe aus dem Reich der Mitte mit Zöllen belegen zu wollen, folgte prompt: Die heimische Währung Yuan wurde auf den tiefsten Stand seit elf Jahren abgeschwächt – was den Effekt vieler Trump-Tarife praktisch annulliert. Nichtsdestotrotz müssen sich US-Bürger klar darüber werden, dass sich das Aufplustern ihres gewählten Repräsentanten unweigerlich in ihrer Brieftasche niederschlagen wird – inklusive höheren Ausgaben für Healthcare. Von Falko Bozicevic

Richtig ist, dass amerikanische Unternehmen kaum über Produktionsstätten in China verfügen. Auch wird die chinesische Regierung in punkto Besteuerung und Erforschung effektiver Therapien im Healthcare-Bereich mit am letzten den Rotstift ansetzen. Chinesische Pharma- oder generell Healthcare-Firmen wiederum produzieren v.a. für den riesigen Binnenmarkt – wir reden vom bevölkerungsreichsten Land der Erde. Oder wenigstens für den lokalen Markt, und der ist in diesem Zusammenhang ASEAN. Chinesische Firmen sind mithin kaum betroffen.

Nationale Gesundheitsausgaben USA (Quelle: CMS, NHSG, Daten für 2017)

Wie eingangs erwähnt, importieren die USA allerdings rund viermal mehr aus China als umgekehrt. Die pure Masse macht’s aber: Chirurgische Geräte, auch Röntgengeräte oder Computer-Tomographen, etc. die in Teilen oder als Ganzes aus China eingeführt werden, werden im Einkauf teurer. Zu etwa 30% betrifft es medizinische Geräte und 80% Rohmaterialien aus China, die in den USA für Arzneien benötigt werden, beispielsweise für so wichtige wie Insulin, Geburtenkontrolle, Sera. Dies wird zwangsläufig die Verkaufspreise erhöhen – keine gute Nachricht also für das ohnehin schon stark belastete US-Gesundheitssystem. Und natürlich keine gute Nachricht für den Endkunden.

So unelastisch wie die Rhetorik

Beispiel Pfizer: egal ob Demokraten oder Trump – dem US-Pharmariesen scheint es stets gut zu gehen (OnVista)

Die Gesundheitsbranche ist jedoch wenig konjunkturabhängig – Krankheiten oder deren Behandlungen lassen sich nicht einfach vertagen. Im Fachjargon heißt dies ‘unelastisch’ in der Nachfrage, oder um ein Filmzitat anzuführen: Gestorben wird immer. Oder weniger drastisch: Behandelt werden muss immer.

Für Unternehmen, und um die geht es ja an den Kapitalmärkten, muss sich daher nicht zwangsläufig eine Änderung ergeben. Im Gegenteil: Über einem Wahlsieg der Demokraten bei den nächsten Wahlen würde das rhetorisch scharf geschwungene Schwert von Einsparungen in der Gesundheitsbranche schweben – Leser erinnern sich vielleicht noch an ‘Obama-Care’. Dass das US-Healthcare-System notorisch ineffizient ist, und damit letztlich teurer als nötig, ist keine neue analytische Feststellung. Eine Reform ist überfällig. Allerdings haben alle noch im Hinterkopf, dass Vorgänger Obama dafür zwei Amtszeiten benötigte und am Ende für diesen kleinen historischen Schritt gar in Unmut fiel – über Parteigrenzen hinweg. Nachfolger Trump hält sich mit Reformbemühungen gar nicht erst auf.

Ausblick

Die Frage ist sicherlich, welches das kleinere Übel für die (US-)Kapitalmärkte wäre: ein Wahlsieg der Demokraten oder der Elefant im Porzellanladen. Es dürfte nicht verwundern, dass wesentliche US-Healthcare- und Pharma-Unternehmen mehrheitlich auf Trump setzen. Beim Endverbraucher besitzt traditionell die Brieftasche ein Mitwahlrecht – allerdings werden US-Bürger durch die öffentlich polemisch geführte Diskussion dermaßen verunsichert oder gar in die Irre geführt, dass von einem rationalen Abstimmungsverhalten nicht mal annähernd ausgegangen werden kann. Nicht alles von Trump muss man zudem auf die Goldwaage legen: Er weiß natürlich, dass er auch nicht überreizen darf – jedes pompöse Brustgetrommele bringt ihm innenpolitisch Pluspunkte, und seien die ‘Erfolge’ noch so umstritten oder gar kontraproduktiv.

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)