Neue Wege in der antiviralen Therapie: Atriva Therapeutics GmbH erhält die zweite Tranche der Seed-Finanzierung von insgesamt drei Mio. EUR von niederländischen, deutschen und kanadischen Investoren, angeführt durch die Stichting Participatie Atriva sowie dem High-Tech Gründerfonds (HTGF). Zuvor hatte der Hauptkandidat ATR-002, Atrivas antiviraler MEK-Inhibitor gegen die Virusgrippe, einen wichtigen präklinischen Meilenstein erreicht hat und damit den Weg zur klinischen Entwicklungsphase geebnet.

Behandlung zielt auf zelluläre Faktoren

Die MEK-Inhibitoren des Unternehmens ermöglichen die Entwicklung der ersten sicheren und wirksamen Behandlungsmethode gegen Influenza, die auf zelluläre Faktoren und nicht auf das Virus selbst abzielt.

Atriva konzentriert sich auf die Verwendung klinisch erprobter und optimierter Wirkstoffe aus anderen Indikationen und zielt auf die Behandlung schwerer Virusinfektionen wie Influenza, Hanta und RSV ab. Die Vermehrung vieler RNA-Viren hängt bei Menschen von einem spezifischen zellulären Signalweg ab. Wissenschaftler bei Atriva haben in präklinischen Studien herausgefunden, dass dieser Signalweg durch MEK-Inhibitoren effektiv blockiert und dadurch die Virusvermehrung gehemmt werden kann.

ATR-002 durchläuft beschleunigte Entwicklung

Der aussichtsreiche Kandidat ATR-002 gegen die Virusgrippe bei Risikopatienten durchläuft einen beschleunigten Entwicklungsgang. Unter der Leitung von Prof. Oliver Planz (CSO) wurde ein wichtiger präklinischer Meilenstein in der Entwicklung erreicht: die Bereitstellung einer optimierten Arzneiform sowie die Bestätigung der Substanz als Kandidat. Die jetzt erhaltenen Finanzmittel sollen es dem Unternehmen ermöglichen, im ersten Halbjahr 2018 in die klinische Entwicklung zu gehen und gegen Ende 2019 den klinischen Wirknachweis zu erbringen.

Globales Marktpotenzial: Über 2,8 Mrd. EUR im Jahr 2020

Das Potenzial für eine wirksame Behandlung der akuten Virusgrippe bei Risikopatienten mit Grunderkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder der Lunge wird allein in den USA, EU und Japan auf über 12 Mio. Patienten im Jahr geschätzt. Neuraminidase-inhibitoren als bisher allein verfügbare Grippetherapeutika sind für diese große Patientengruppe nicht zugelassen, da bisher die Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden konnte. Vor diesem Hintergrund wird das globale Marktpotenzial für die neuen MEK-Inhibitoren auf über 2,8 Mrd. EUR im Jahr 2020 geschätzt, ohne Berücksichtigung von Sondereffekten wie die Vorratskäufe bei Auftreten von Pandemien.

Atriva wurde 2015 gegründet und hat seinen Sitz in Tübingen. Fünf breit angelegte Patentfamilien zur Anwendung von MEK-Inhibitoren als antivirale Therapeutika wurden seitdem in die Firma eingebracht. Die Schutzrechte gewähren eine potentielle Marktexklusivität für die MEK-Schlüsseltechnologien der Firma bis mindestens 2035. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen zum Sieger des bundesweiten Scienc4live-Konzeptphasenwettbewerbs gekürt.

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