Die Formycon AG ist einer der führenden unabhängigen Entwickler von hochwertigen biopharmazeutischen Nachfolgeprodukten, den sogenannten Biosimilars. Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette der Biosimilar-Entwicklung von der Analytik bis zur klinischen Phase III und Zulassung ab. Eine besondere Expertise besitzt die Formycon AG im Bereich der Augenheilkunde.

GoingPublic: Herr Brockmeyer, bitte erläutern Sie uns das Geschäftsmodell der Formycon AG. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
Carsten Brockmeyer: Unsere Arzneimittel entwickeln wir vor allem für die Zulassung in den hoch regulierten Märkten, wie der EU und den USA. Dabei  positionieren wir uns als bevorzugter Partner für große Pharma- und Generikaunternehmen. Formycons Besonderheit liegt sicher in der großen Expertise unseres Teams. Es verfügt über eine besondere Erfahrung in allen Entwicklungsstufen – von der Marktanalyse, der Proteinanalytik und der Entwicklung der Herstellungsprozesse über die klinische Entwicklung bis zur Zulassung.

Warum gelten Biosimilars als „The Next Big Thing” der Pharmaindustrie?
Biosimilars sind in der Tat die Medikamente der Zukunft. Sie sind hoch qualitativ, effektiv und kosteneffizient. Als Nachfolgeprodukte von Biopharmazeutika, also sehr spezifischen und wirksamen, aber auch komplexen Arzneimitteln, sind Biosimilars eine noch recht junge Arzneimittelklasse mit einem hohen Nutzen für Patienten und Ärzte. Biosimilars bieten bei vergleichbarer Wirkung und Sicherheit wie die oftmals teuren Originalpräparate einen deutlichen Kostenvorteil. Das Umsatzpotenzial für die Biosimilar-Hersteller liegt zusammen genommen im Milliardenbereich. Da die Markteintrittshürden wesentlich höher sind als bei konventionellen Generika ist auch die Anzahl der Wettbewerber üblicherweise geringer.

Welche lukrativen Produktkandidaten befinden sich aktuell in Ihrem Portfolio? 
Derzeit haben wir drei Biosimilar-Produkte in präklinischen und teils fortgeschrittenen klinischen Phasen, wobei jedes dieser Produkte auf einen milliardenschweren Originatormarkt abzielt. Zwei von ihnen, FYB201 und FYB203, sind bereits an einen Partner, die Santo Holding GmbH, auslizenziert. Das am weitesten fortgeschrittene Produkt in unserer Pipeline ist FYB201, ein Biosimilar des ophthalmologischen Blockbusters Ranibizumab (Originalprodukt: Lucentis), der unter anderem zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration eingesetzt wird. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine der wesentlichen Ursachen für den Sehverlust bei Menschen über 60 Jahre in den entwickelten Ländern. FYB203 hingegen basiert auf dem Wirkstoff Aflibercept und ist ein Biosimilar-Kandidat für Eylea. Dieses Arzneimittel wird ebenfalls unter anderem zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration eingesetzt. Damit umfasst unsere Entwicklungspipeline die beiden umsatzstärksten Medikamente auf dem Gebiet der Ophthalmologie und verschafft uns hier eine sehr gute Position.

Formycon ist im Entry Standard der Deutschen Börse gelistet. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 200 Mio. EUR, der Aktienkurs hat im vergangenen Jahr um über 100% zugelegt. Wann erfolgt der Aufstieg in ein höheres Börsensegment?
Ein Segmentwechsel ist derzeit kein akutes Thema, wobei wir ja bereits auf freiwilliger Basis Informationen zu den Quartalsergebnissen veröffentlichen. Momentan konzentrieren wir uns allerdings sehr auf das Wachstum des Unternehmens und die Entwicklung unserer Produktkandidaten. Damit will ich aber nicht ausschließen, dass ein Segmentwechsel perspektivisch für uns interessant werden kann.

Was dürfen wir in Zukunft von der Formycon AG erwarten?
Wir sehen uns als unabhängiger Biosimilar-Entwickler hervorragend positioniert. Mit unseren drei Biosimilar-Kandidaten sind wir intensiv beschäftigt, haben aber bereits weitere Kandidaten identifiziert und werden Schritt für Schritt unsere Biosimilar-Pipeline erweitern. Durch das Erreichen wichtiger Meilensteine in den Projekten sollte deren Wert kontinuierlich zunehmen. Natürlich werden wir auch künftig über den Fortgang unserer Entwicklungen berichten. Hinzu kommt, dass wir die Auslizenzierung von FYB202 noch im  laufenden Jahr anstreben, wodurch sich unsere ohnehin gute finanzielle Situation weiter verbessern würde.

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