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Der Bullenmarkt des vergangenen Jahres hat auch die Life Science-Branche befeuert. Nach wie vor stehen die Leitbörsen in den Vereinigten Staaten, so dass nur ein Blick auf NASDAQ und American Stock Exchange (AMEX) ein valides Bild der Perfomance des vergangenen Jahres geben kann. Der AMEX Biotechnologie Index kletterte von Januar bis Dezember um 45,3%. Von 330 gelisteten Firmen konnten laut Thomson Reuters Fundamentals 257, das sind stolze 78%, im vergangenen Jahr mit positiven Renditen glänzen. Ein Blick ins Detail zeigt, bei insgesamt 135 Biotech-Aktien zogen die Kurse um 50% an, bei 68 Unternehmen verdoppelten sich die Kurse, 25 konnten Investoren mit einer Verdreifachung beglücken, neun vervierfachten und fünf verfünfachten sich sogar. Der Sieger des Jahres 2013 aber heißt Lannett Company. Der Generikahersteller konnte seinen Aktienkurs innerhalb nur eines Jahres versechsfachen, was schon fast an die Kursgewinne während der Börsenhype erinnert. Sogar noch besser erging es dem Nasdaq Biotech Index, der das Jahr mit einem satten Plus von 60% ausklingen ließ.  Auch die Biotech IPOs, in 2013 so gefragt wie lange nicht mehr, hatten einen nicht unerheblichen Anteil an den exzellenten Kursgewinnen der Indizes.

Vergleich-Biotech-Indizes
Performance der wichtigsten Indizes vom 02.01. bis 31.12.2013: Nasdaq Biotech > Amex Biotech > Nasdaq Composite > S&P 500 > Dow Jones. Quelle: Yahoo Finance

Kein Grund zur Euphorie
Natürlich stellt sich bei solch gigantischen Kursgewinnen die Frage, inwieweit Bewertungen dieses Ausmaßes tatsächlich fundamental begründet sind. Ohne genaue Kenntnis des jeweiligen Geschäftsmodells lässt sich das nicht sagen. Dass billiges Geld, wie es derzeit die Märkte überschwemmt und primär in die Aktienmärkte fließt, auch für die ausgezeichnete Performance im Life Science- und Healthcare-Sektor verantwortlich ist, lässt sich aber nicht leugnen. Wie immer an der Börse ist also Vorsicht geboten und vor übermäßiger Euphorie kann nur gewarnt werden, auch und vor allem in der Life Science-Branche. Ein gutes Beispiel für eine gesunde Portion Vorsicht zeigt der Fall Prosensa, ein 2013 IPO, das als gefallener Engel gilt. Die Niederländer, die eine lukrative Kooperation mit GlaxoSmithKline haben, konnten in einer Phase-III-Studie den Nutzen eines erfolgversprechenden Wirkstoffes nicht bestätigen, der Kurs fiel daraufhin ins Bodenlose.

2013 schlägt Super IPO-Jahr 2000
Klar ist, die großen Mengen an billigem Geld haben auch am IPO-Markt ihre Spuren hinterlassen und diesen befeuert wie zuletzt im Jahr 2000. Doch nicht nur die Anzahl der IPOs war spitze, auch die Performance der Börsen-Neulinge kann man ohne Übertreibung als exzellent bezeichnen – ein grandioses Jahr für Investoren mit dem richtigen Riecher. Laut Branchenspezialist Burill & Co. aus San Francisco vollzogen in 2013 weltweit mindestens 65 Life Science-Unternehmen den Sprung an die Börsen. 52 Firmen, die 7 Mrd. USD einsammelten, waren es alleine in den USA. Sämtliche Life Science-IPOs sammelten 7,5 Mrd. USD ein, das sind 254% mehr als noch im Jahr davor. 2012 waren es weltweit 38 und in den USA nur 16 Life Science-IPOs, die 2,1 Mrd. bzw. 1,1 Mrd. USD an Investorengelder einsammelten. Auf die insgesamt 47 Nasdaq Biotech IPOs entfielen 4,5 Mrd. USD – davon ging alleine eine Milliarde an das Monster-IPO Quintiles (Quelle: Burill & Co.).

Umfangreiches Wissen gefragt
Die exzellenten Zahlen sollen und dürfen aber keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass die Life Science-Branche neben besseren Renditen auch mit deutlich höheren Risiken korreliert ist als jede andere Branche. Chance ohne Risiko ist eine Utopie, der leider noch viel zu viele Investoren anhängen. Selbst umfangreiches Wissen in den Naturwissenschaften ist heute kein Garant für die richtige Aktien-Wahl, auch die Marktsitutation, politische Gegebenheiten sowie die globale Konkurrenz müssen bei der Wahl eines Investments berücksichtigt werden. Besonders gefährlich sind Entwicklungsrückschläge, die in den Life Sciences an der Tagesordnung sind. Bestätigen sich die Vorschusslorbeeren, die Investoren innovativen Unternehmen gerne zuerkennen, nicht, drohen nicht selten dramatische Kursverluste. Auch im vergangen Jahr gab es nicht nur Gewinner. Mindestens 84 Unternehmen waren, auf Grund negativer Forschungsergebnisse, von nicht unerheblichen Kursverlusten betroffen. Wie schnell sich eine positive Einschätzung in eine negativen verkehren kann, zeigt das Beispiel Celsion Pharmaceuticals, den größten Branchenverlierer im AMEX Biotech Index in 2013. Während das Unternehmen 2012 noch zu den am besten performdenden Papieren zählte, führte es Ende 2013 mit einem Minus von 89,4% (Burill & Co.) die Verliererliste des Biotech Index an.

Vom IPO zum Highflyer
Laut Bioassociate kommen die hellsten Sterne der diesjährigen IPOs aber nicht nur aus den USA. Die von Bioassociate bis Ende November berechneten Kursgewinne (siehe Tabelle) zeigen ein Plus von 118% für die israelische Alcobra Pharma und einen Zuwachs von 310% für die britische GW Pharmaceuticals. Am besten aber schnitt Schmerzmittelhersteller Insys Therapeutics ab, das wie GW Pharma bereits vermarktete Produkte besitzt. Insys startete im Mai mit einem Kurs von 8,50 USD und notierte im November bei 44,10 USD, ein Plus von 451%. Aktuell liegt der Preis für eine Insys-Aktie bei 53,84 USD, GW Pharma kostet heute 48,39 USD. Wie Insys so macht auch GW Therapeutics sein Geld mit hochwirksamen Schmerzmitteln, wie sie beispielsweise bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommen. Ein genauerer Blick auf die IPOs 2013 zeigt, ein Großteil der jungen Unternehmen hat sich auf den Bereich Krebstherapie spezialisiert. Dies steht in Einklang mit anderen Aktivitäten im Jahr 2013. So kamen auch die meisten Fusionen und Übernahmen im Therapiebereich Krebs zustande und auch die meisten Zulassungen sind mit Medikamenten gegen bösartige Tumore korreliert.

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Die vier Top Performer am Nasdaq Biotech Index in 2013. Rechte: Simone Hörrlein

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