Die in den USA  gelistete Biotechfirma erwartet mit den zuletzt abgeschlossenen Kooperationen den internationalen Durchbruch für ihre Wirkstoffklasse der Antikaline. Firmenchef Stephen S. Yoder erläutert im Interview die nächsten Schritte.

Plattform Life Sciences: Herr Yoder, ist die Allianz mit AstraZeneca für Pieris das Meisterstück im Bestreben, den Bekanntheitsgrad unter internationalen Investoren zu vergrößern?

Der Deal mit AstraZeneca und die zuvor bekanntgebenene Kooperation mit Servier haben zweifellos die Entwicklung des Aktienkurses positiv beeinflusst. Zugleich bringen die beiden Allianzen mit AstaZeneca und Servier für uns keine Einschränkungen mit sich, um weitere Kooperationen in der Immunonkologie oder bei Atemwegserkrankungen zu unterzeichnen. Abgesehen davon sehen wir in naher Zukunft unsere oberste Priorität darin, diese zwei wichtigen Partnerschaften und zugleich unsere eigenen Produkte voranzubringen.

Wann beginnen Sie mit den klinischen Studien für PRS-343, den am weitesten fortgeschrittenen Kandidaten in der Immunonkologie?

Wir erwarten damit noch in der ersten Jahreshälfte 2017, also in Kürze zu beginnen.

Könnten Sie kurz für alle Personen, die Pieris noch nicht kennen, das Neuartige am therapeutischen Ansatz mit Antikalinen erläutern?

Antikalin-Moleküle haben Eigenschaften gezeigt, die anderen  Medikamentenklassen überlegen sind. Der Schlüssel einer solchen Wertschöpfung ist ihre Anordnung in Darreichungen, wo andere Arzneimittelformen wie Antikörper zu kurz greifen. Antikaline haben kleinere Strukturen als Antikörper, sind sehr stabil, löslich und haben als Grundlage ein in der Lunge ansässiges Proteinfragment, das Tear Lipocalin. Damit gehen wir zum einen Atemwegserkrankungen an. In der Immunonkologie können Antikaline als multispezifische Fusionsproteine bei verschiedenen innovativen Ansätzen angewendet werden. Zum Beispiel, um tumorspezifische T-Zellen in Tumornähe zu schleusen, genauer gesagt in das Mikroumfeld von Tumoren. Auf diese Weise umgehen wir einige der Toxizitäten, wie sie in gesunden Geweben bei peripherer Aktivierung von T-Zellen auftreten. Wir denken, dass es noch weitere Einsatzgebiete gibt, konzentrieren uns aber auf diese zwei Krankheitsfelder, um eine eigene robuste Pipeline aufzubauen.

Wie hat sich die Investorenbasis nach dem Abschluss der zwei Deals verändert?

Solange Fonds ihre Portfolios nicht offenlegen, ist es ohne Erkenntnisse aus erster Hand schwierig nachzuverfolgen wer am Ende größere Volumina von unseren Aktien gekauft hat. Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass das Interesse an Pieris deutlich zugenommen hat. Das wissen wir nicht nur durch die stark zugenommenen Handelsvolumina, sondern auch anhand unserer Gespräche mit zahlreichen Fondsgesellschaften, die in Gesundheitsfirmen investieren.

Und was sind die wichtigsten Zeile für 2017?

Zwei Forschungsallianzen in dieser Größenordnungen in einer solch relativ kurzen Zeitspanne ins Laufen zu bringen ist alles andere als Routine für eine Gesellschaft von unserer Größe und in unserem Entwicklungsstadium. Für uns ist 2017 deshalb ein Jahr des Übergangs und wie bereits ausgeführt, wird die Entwicklung dieser beiden Partnerschaften im Verbund mit Fortschritten in unserer eigenen Pipeline das Hauptziel für den weiteren Jahresverlauf sein. Und natürlich arbeiten wir weiter daran, unsere Wahrnehmung in der Branche und an den Kapitalmärkten weiter zu vergrößern.

Die Fragen stellte Stefan Riedel.

 

Zur Person

Stephen S. Yoder ist seit Januar 2010 Vorstandsvorsitzender der in Freising bei München gegründeten Biotechnologiefirma Pieris, die inzwischen ihren Hauptsitz in Boston hat und seit Juli 2015 an der New Yorker Börse gelistet ist. Der studierte Molekularbiologe und Jurist leitete zuvor von 2003 bis 2010 die Rechtsabteilung bei MorphoSys in Martinsried.

Über den Autor

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