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Das Unternehmen
Die Wurzeln der 1984 durch die heutigen beiden Vorstände Volker Pape und Dr. Martin Heuser gegründeten Viscom AG, Hannover, liegen im Bereich der Bildverarbeitung. Hieraus hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte ein Anbieter von automatischen optischen und röntgentechnischen Inspektionssystemen für die Elektronikindustrie entwickelt. Mit einem Marktanteil von ca. 13 % nimmt man in Europa unter den optischen Systemen den Spitzenplatz ein. Auf dem Weltmarkt konkurriert die Gesellschaft mit hierzulande nur wenig bekannten Konzernen wie der japanischen Omron. Die Systeme von Viscom kommen u.a. im Automobil-, Telekommunikations- und Medizintechniksektor zum Einsatz. Dabei spielt neben der Kosteneffizienz das Thema Sicherheit eine entscheidende Rolle. Denn die Funktionen, welche von Viscom-Produkten übernommen werden, ersetzen vielfach die Qualitätssicherung durch den Menschen. Das menschliche Auge kann Fehler in einzelnen Bauteilen nicht zuverlässig erkennen, was gerade bei Airbag- und ESP-Systemen oder Materialen für den Flugzeugbau fatale Konsequenzen haben könnte. Zudem erlauben die röntgenbasierten Geräte sogar die zuverlässige Kontrolle verdeckter Bauelemente. Auf der Kundenliste der Niedersachsen finden sich folglich auch Namen wie DaimlerChrysler, VW, EADS und Bosch wieder.

Hohe Gewinnmargen und Wachstumsraten
Viscom kann auf eine Zeitreihe hohen organischen Umsatzwachstums zurückblicken. Die CAGR erreicht über die letzten zwei Jahrzehnte einen Wert von 21 %. Für den Zeitraum 2003 bis 2005 dokumentiert ein durchschnittlicher Zuwachs um 28 % eine nochmals gesteigerte Dynamik, die auf den Gewinn von Marktanteilen und die Auflösung eines nach dem Jahr 2000 einsetzenden Investitionsstaus zurückzuführen ist. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Viscom einen Umsatz von 50,5 Mio. Euro bei einem operativen Gewinn von 11,5 Mio. Euro. Wie der Vorstand im Hintergrundgespräch mit dem GoingPublic Magazin erläuterte, rechnet er auch zukünftig trotz erhöhter Investitionen mit stabilen EBIT-Margen von mindestens 20 %. Die Analysten von equinet kalkulieren für die Jahre 2006 und 2007 mit einem Umsatz- und Gewinnplus von jeweils 16 %.

Transaktionsstruktur
Im Rahmen des IPO werden bis zu 2,9 Mio. Euro Aktien zur Zeichnung angeboten. Hiervon entfallen 2,3 Mio. auf eine Kapitalerhöhung. 600.000 Papiere stammen aus dem Besitz der beiden Vorstände Dr. Martin Heuser und Volker Pape. Darin sind auch 350.000 Aktien als Greenshoe enthalten. Die mit rund 20 % geringe Abgabequote von Altaktionären ist erfreulich, besonders im Vergleich zu anderen Neuemissionen der letzten Monate. Das Management hat in eine Lock-up-Frist von einem Jahr eingewilligt. Der Free Float wird sich nach Ausübung des Greenshoe auf 32 % belaufen, die übrigen Anteile hält das Management.

Mittelverwendung
Die weltweite Elektronikproduktion wird laut einer Studie von Custer Consulting von aktuell 1.400 auf 1.900 Mrd. US-$ bis zum Jahr 2009 anwachsen. In diesem Bereich möchte Viscom verstärkt Kunden gewinnen. Dazu soll vor allem die Präsenz in Asien und den USA mit neuen Applikationszentren und Vertriebsbüros ausgebaut werden. Der Vorstand erhofft sich gerade aus diesen Regionen starke Wachstumsimpulse für das eigene Unternehmen, die aktuell nur mit 30 % zum Konzernumsatz beitragen. Ein Teil der IPO-Erlöse wird in Zukunftsinvestitionen wie die 3D-Computer-Tomographie und die Prüftechnik für die Halbleiterindustrie fließen. Besonders die sensible Wafer-Fertigung verlangt nach einer Kontrolle feinster Strukturen. Auch gezielte Unternehmensakquisitionen schließt das Management nicht aus.

Fazit:
Viscom gehört zu den technologisch führenden Anbietern bei automatischen Inspektionssystemen, was sich in entsprechend üppigen Margen niederschlägt. Der renommierte Kundenstamm und die langjährige Erfahrung des Managements rechtfertigen auch einen Ausgabekurs am oberen Ende der zu erwartenden Bookbuilding-Spanne (KGV 2007: 14,8, KUV 2007: 2,5), zumal das Viscom-Management mit den Investitionen in Zukunftstechnologien eine glaubhafte Equity Story anzubieten hat. Allerdings sollten zeichnungsinteressierte Anleger nicht die Branchenzyklik unterschätzen, die bei einem Ausbau der Halbleiteraktivitäten durchaus noch zunehmen kann. Ein steigender Wettbewerbsdruck durch finanzkräftige Konzerne wie Agilent und Omron birgt zusätzliche Risiken. Insgesamt einscheint ein Investment in die Viscom-Aktie aussichtsreich.

Marcus Wessel


Viscom AG – Geschäftsentwicklung

  2005 2006e 2007e
Umsatz 50,5 58,6 67,9
EBIT 11,6 13,3 15,4
Jahresüberschuß 7,5 9,6 11,2
EpS 1,11 1,06 1,25

Angaben in Mio. Euro, EpS in Euro
Quelle: equinet

Viscom AG – Emissionsparameter

WKN 784 686
Emissions-Pressekonferenz 2. Mai
Erstnotiz 10. Mai
Zeichnungsfrist 2. bis 9. Mai
Bookbuilding-Spanne 17,20 bis 18,50 Euro
MarketCap 155 bis 167 Mio. Euro
Marktsegment Amtlicher Markt (Prime Standard)
Volumen Bis zu 2,9 Mio. Aktien, inkl. 350.000 Aktien Greenshoe, davon 2,3 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung, 600.000 von Altaktionären.
Konsortium equinet (Lead), Nord/LB (Co-Lead),comdirect Bank (Selling Agent)
Free Float 32,2 % (nach Greenshoe)

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