Versatel wurde vor zwei Jahren als Holdinggesellschaft gegründet und schloss später die Versatel West-Deutschland GmbH und die Tropolys Beteiligungs GmbH zusammen. Versatel West und Tropolys sind Anbieter von Breitbanddiensten, die schon vor der Zusammenlegung eine Reihe regionaler und Stadtnetzbetreiber erworben hatten. Mehrheitseigentümer von Versatel sind durch die Beteiligungsgesellschaft Apax Partners beratene Fonds, die via Börsengang einen Teilausstieg realisieren werden. Damit fiel die Entscheidung im Dual Track-Prozess gegen einen Weiterverkauf. Apax hatte im Herbst 2005 etwa 565 Mio. Euro für das Deutschlandgeschäft der niederländischen Versatel bezahlt.

Verbindung hergestellt
Die Frankfurter sind bei Breitbanddiensten wie schnellen DSL-Internet- und Festnetzzugängen deutschlandweit die Nummer 3 hinter Telekom und Arcor/Vodafone. Knapp 8 Mio. Haushalte in 11 Bundesländern und 170 deutschen Städten deckt Versatel dabei ab. Bei privaten DSL-Anschlüssen beträgt der Marktanteil ca. 17%. Den Erlös aus dem Börsengang will Versatel allgemein in den weiteren Ausbau des Breitbandgeschäfts stecken. Dazu zählen auch Akquisitionen deutscher Regional- und Stadtnetzbetreiber, so Vorstandsvorsitzender Peter Knauer zu den Zielen des Going Public. Allerdings: Weniger als die Hälfte des Emissionsvolumens (49%) stammt aus einer Kapitalerhöhung, das meiste fließt an Apax Partners. Der angestrebte Streubesitz des von Crédit Suisse, JP Morgan und Deutsche Bank begleiteten IPOs wird bei voller Zuteilung auch des Greenshoes ca. 65% betragen.

Versatel – Geschäfts- und Kennzahlen

2005

2006

2007e

2008e

Umsatz*

547,0

666,2

725,0

800,0

Nettoergebnis*

1,0

-51,6

40,0

60,0

EpS

0,02

-1,17

0,91

1,36

KGV min.**

neg.

31,9

21,3

KGV max.**

neg.

39,6

26,4

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: eigene Schätzungen GoingPublic Research
**) auf Basis der Preisspanne


Geschäfts- und Kennzahlen

Der konsolidierte Pro-forma-Umsatz (nach der Zusammenlegung) erreichte im letzten Jahr 666,2 Mio. Euro, was einer Steigerung von 22 % gegenüber 2005 entspricht. Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug 211,8 Mio.
Euro (+49 % ggü. Vorjahr, Pro-forma). Unterstellt man für 2007 ein moderates Wachstum von 10 bis 15%, so würde eine angestrebte Markkapitalisierung von max. 1,6 Mrd. Euro zuzüglich Verbindlichkeiten (Enterprise Value) dem etwa 9-fachen EBITDA-Multiple entsprechen. Die Deutsche Telekom kommt unter Berücksichtigung ihrer Verbindlichkeiten auf eine ähnliche Größenordnung, auch die französische NeufCegetel. Ein Emissionsdiscount im Vergleich zur europäischen Peer Group ist nicht vorhanden.

Auf Basis der Schätzungen von Seiten der Konsortialführer sowie eigener Recherchen ergibt sich für das laufende Jahr ein KGV von 32 bis 40, das auch im nächsten Jahr mit ca. 21 bis 26 nicht sonderlich attraktiver aussieht. Das ist teuer für ein Unternehmen, das 2005 ohne Gewinne blieb und im letzten Jahr sogar Verluste von über 50 Mio. Euro einfuhr. Hintergrund waren nicht nur Abschreibungen auf das Netz, sondern auch die hohen Zinszahlungen auf die Nettoverbindlichkeiten von fast 800 Mio. Euro. Dies allein machte 2006 ca. 65 Mio. Euro aus. So ist es kein Wunder, dass Versatel mit dem Emissionserlös auch zunächst einen Teil der Verbindlichkeiten zurückführen will – und muss.

Fazit
Schuldenabbau und allgemein gehaltene Ankündigungen kleinschrittiger Zukäufe in einem der Sättigung entgegenlaufenden Markt mit zunehmend hohem Wettbewerb wirken nicht sonderlich anziehend als Investitionsargument. Die Hälfte des Bruttoemissionserlöses geht an Apax, die sich dem Vernehmen nach auch nicht an den Kosten des Börsengangs beteiligen – immerhin eine mittlere zweistellige Millionensumme. Als Pluspunkt bliebe, dass Versatel rasch via Fast Track Status in den Auswahlindex des TecDax aufsteigen und damit von bestimmten Fonds gekauft würde. Anleger sollten summa summarum von einer Zeichnung oder späteren Investition absehen.

Falko Bozicevic

Versatel – Emissionsparameter
WKN

A0M 2ZK

Erstnotiz

27. April

Zeichnungsfrist

bis 26. April

Bookbuildingspanne

29 bis 36 Euro

MarketCap

1,28 bis 1,58 Mrd. Euro

Marktsegment

Amtlicher Markt (Prime Standard)

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

0,83 bis 1,03 Mrd. Euro

14 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung,

10,8 Mio. Aktien von Altaktionären (+3,7 Mio. Greenshoe)

Konsortium

JP Morgan, Crédit Suisse (Joint GC), Deutsche Bank

Free Float

max. 65 %

Internet

www.versatel.de