Werbung

Stabile Umsätze in schwierigem Umfeld
Die Produkte von Ströer hat jeder schon gesehen. Dabei ist es nicht die eigene Marke, die das 1990 gegründete Kölner Unternehmen in Szene setzt, sondern die ihrer Kunden, deren Anzeigen auf den Werbeplätzen von Ströer prangen. Das Angebot umfasst dabei alles, was unter „Out-of-Home Media“ fällt – von einfachen Plakatflächen bis hin zu interaktiven Werbemedien.

Im Geschäftsjahr 2009 erzielte Ströer einen Umsatz von 470 Mio. Euro, 2008 waren es noch 493 Mio. Euro. Damit konnte sich das Unternehmen in einem schwierigen Markt mit insgesamt sinkenden Werbeausgaben recht gut behaupten, zumal die Profitabilität stimmte: Das EBITDA lag in beiden Jahren bei 100 Mio. Euro. Ins Jahr 2010 startete Ströer mit einem Umsatzwachstum um über 5 % auf 105 Mio. Euro im ersten Quartal. Das EBITDA stieg im selben Zeitraum um 12 % auf 16,7 Mio. Euro.

Börsengang
275 Mio. Euro Emissionserlös will Ströer durch die Ausgabe neuer Aktien erzielen, deren Anzahl entsprechend festgelegt wird. Bei einem Emissionspreis von 20,50 Euro, der Mitte der Preisspanne von 17 bis 24 Euro, würden 13,4 Mio. Aktien emittiert. Dazu kommen rund 4 Mio. Aktien aus einer Umplatzierung und bis zu 2 Mio. Aktien, die im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption – ebenfalls aus einer Kapitalerhöhung – platziert werden können. Die Zeichnungsfrist läuft voraussichtlich noch bis zum 13. Juli. Die derzeitigen Gesellschafter, Gründer und Vorstand Udo Müller sowie Aufsichtsrat Dirk Ströer, Sohn des zweiten Gründers Heinz Ströer, planen im Zuge des Börsengangs keine Aktien abzugeben. Sie werden beim IPO vielmehr Aktien zeichnen, um sicherzustellen, dass sie weiterhin die Mehrheit am Unternehmen halten. Bis zu 100 Mio. Euro aus dem Börsengang fließen Finanzinvestor Cerberus zu, der damit eine 2004 erworbene Option auf 15 % der Unternehmensanteile einlöst. Abhängig vom Emissionspreis entspricht dies einem Volumen zwischen 70 und 100 Mio. Euro. Zusammen mit einer Mehrzuteilungsoption könnte sich das Emissionsvolumen damit auf bis zu 412 Mio. Euro belaufen. Als Konsortialbanken für den Börsengang sind J.P. Morgan und Morgan Stanley mandatiert.

Ströer Out-of-Home Media AG – Emissionsparameter
WKN

749 399

Erstnotiz

voraussichtlich 15. Juli

Zeichnungsfrist

voraussichtlich bis max. 13. Juli

Preis

17 bis 24 Euro

MarketCap

730 bis 940 Mio. Euro

Marktsegment

Prime Standard

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

347 bis 412 Mio. Euro

Konsortium

J.P. Morgan, Morgan Stanley

Free Float

ca. 42 %

Internet

www.stroeer.de


Das frische Kapital will Ströer zum Teil dafür einsetzen, die ebenfalls gerade erst bekannt gegebene Übernahme von News Outdoor Poland (Kaufpreis rund 26 Mio. Euro) und eine Anteilserhöhung von 50 auf 90 % beim türkischen Joint Venture Ströer Kentvizyon zu finanzieren (Kosten rund 55 Mio. Euro). Auch in Produktinnovationen, insbesondere bei der Digitalisierung von Werbeflächen, will Ströer das Kapital aus dem Börsengang investieren. Allerdings drückt das Unternehmen auch ein ordentlicher Schuldenberg von fast 500 Mio. Euro, dessen Zinslast den durchaus beachtlichen operativen Gewinn bislang fast durchweg überstieg.

Finanzierungskosten und Bewertung
Im ersten Quartal 2010 verbuchte Ströer trotz des gestiegenen EBITDA nach Abzug von Zinsen und Steuern einen Jahresfehlbetrag von 9,5 Mio. Euro. Allerdings ist das erste Quartal für Ströer traditionell das schlechteste; im ersten Quartal 2009 hatte der Verlust noch 17 Mio. Euro betragen. Im Gesamtjahr 2009 fielen insgesamt knapp 50 Mio. Euro an Finanzierungskosten an. Ein Ziel im Zuge des Börsengangs ist es so auch, die Nettoverschuldung vom jetzt 5,3-fachen EBITDA auf einen Faktor von 2,5 zu drücken. 150 Mio. Euro aus dem Emissionserlös sollen deshalb in die Schuldentilgung fließen.

Mit Blick auf die Bewertung gewährt Ströer auch am oberen Ende der Preisspanne einen Emissionsdiscount: Die Aktie kostet dann weniger als das 9-fache EBITDA und wäre damit niedriger als der französische Konkurrent JCDecaux bewertet – für ein IPO allerdings sehr hoch. Interessierte Anleger werden allerdings nur mit Potenzial bei der Wertentwicklung gelockt – nicht jedoch mit Dividende. Außer in den Schuldenabbau sollen Gewinne zunächst ausschließlich in die Wachstumsfinanzierung fließen, betonte Vorstandschef Udo Müller auf der IPO-Pressekonferenz. „In Deutschland sehen wir eine Menge Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere im Bereich der digitalen Werbeträger“, fügt Finanzvorstand Alfried Bührdel gegenüber dem GoingPublic Magazin hinzu. „Dennoch wollen wir auch unsere Verschuldung senken, um darüber hinaus den finanziellen Spielraum zu erhöhen.“

Die Außenwerbung erwies sich zwar zuletzt innerhalb eines schrumpfenden Werbemarkts als halbwegs stabil, zumindest in Deutschland gibt es für Marktführer Ströer allerdings kaum Weiterentwicklungschancen. Deshalb sieht das Unternehmen Potential eher in Innovationen und insbesondere auf Auslandsmärkten, wie auch die jüngsten Transaktionen in der Türkei und Polen zeigen. In der Prognose für 2010 sind beide Tochterunternehmen schon voll konsolidiert, wodurch sich das starke Umsatzwachstum erklärt. Die Profitabilität dürfte aber weiterhin auf überschaubarem Niveau bleiben.

Ströer Out-of-Home Media AG – Geschäfts- und Kennzahlen

2008

2009

2010e

Umsatz*

493

470

560

Nettoergebnis*

-15,0

1,1

4,0

EpS

neg.

0,02

0,09

KGV min.

n. ber.

n. ber.

KGV max.

n. ber.

n. ber.

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: eigene Schätzungen GoingPublic Research


Fazit

Anders als bei den exitgetriebenen Börsengängen dieses Jahres wie Kabel Deutschland, Brenntag oder Tom Tailor ist bei Ströer der Schuldenabbau nicht der alleinige Anlass für das IPO. Aufgrund der hohen Zinslast musste der Schritt an den Kapitalmarkt aber früher oder später kommen. Der Außenwerber will das Kapital jedoch auch in externes und organisches Wachstum sowie in Produktinnovationen stecken. Die Branche ist zwar nicht gerade spannend und der Werbemarkt bewegt sich allenfalls seitwärts, Ströer ist als gefestigter und spezialisierter Marktführer allerdings durchaus zukunftsfähig aufgestellt. Mit einem Platzierungsvolumen bis zu 400 Mio. Euro oder sogar knapp darüber wäre Ströer nach Kabel Deutschland und Brenntag das drittgrößte hiesige IPO – und das bislang einzige Familienunternehmen, das in diesem Jahr den Schritt an die Börse wagt. Aufgrund des volatilen Werbemarktes und der auch nach dem IPO noch beträchtlichen Schulden ist eine Zeichnung – wenn überhaupt – nur risikoorientierten Investoren zu empfehlen, für die aber auch ein späterer Einstieg in Frage käme, sollte der Börsengang klappen.

Oliver Bönig