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Die 415.000 zu platzierenden Aktien stammen vollständig aus einer Kapitalerhöhung. Ein Bankenkonsortium gibt es nicht, es handelt sich um eine Eigenemission. Die Papiere sollen planmäßig frühestens am 14. Juli im Open Market debütieren. Zu beachten ist, dass die Zeichnungsphase aufgrund des verwendeten Modus auch vorzeitig geschlossen werden kann.

Geschäft der Solarpraxis
Solarpraxis ging Anfang 2000 aus der Umwandlung der Neubert & Remmers OHG in eine Aktiengesellschaft unter Hinzunahme von Holger Bedurke als weiterem Aktionär hervor. Die Gesellschaft verfügt über mehrere Geschäftsfelder im Bereich Erneuerbarer Energien. So ist Solarpraxis im Geschäftsfeld Ingenieur- und Kommunikations-Dienstleistungen für Industrie und Handwerk tätig. Das Leistungsspektrum umfasst Produktentwicklung, Solargutachten, technische Fachseminare zur Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und Biomasse sowie Kommunikationsdienstleistungen. Im Geschäftsfeld Fachkongresse fungiert Solarpraxis als Veranstalter von Foren wie „SOL ARPRAXIS“, „WÄRMEPUMPE“ und „BIOENERGIE“. Schließlich verfügt die Gesellschaft noch über einen Fachverlag, in dem mehrere Fachpublikation wie z.B. „Solares Bauen“ veröffentlicht werden.

Wachstumssprung 2007 erwartet
Im letzten Jahr legte der Umsatz geringfügig um knapp 7 % auf 1,95 Mio. Euro zu, der Jahresüberschuss um 20 % auf 0,2 Mio. Euro. Auch für das laufende Jahr wird nicht mit großen Zuwächsen gerechnet: 2,15 Mio. Euro Umsatz und ein gleichbleibendes Ergebnis, das durch die Kosten des Börsengangs sogar leicht gemindert wird. Erst 2007, dann mit den finanziellen Möglichkeiten des Schrittes aufs Parkett, erwartet Solarpraxis eine signifikante Umsatz- und Ertragsverbesserung, die bei den Erlösen auf mehr als eine Verdopplung hinaus laufen soll. Der Emissionserlös von 2,9 Mio. Euro soll allgemein für „weiteres dynamisches Wachstum des wissensbasierten Dienstleisters“ verwendet werden. Positiv anzumerken ist, dass sich Solarpraxis in den letzten drei Jahren jeglicher Bankverbindlichkeiten entledigt hat. Die Eigenkapitalquote betrug zuletzt solide 52,4 %.

2005

2006e

2007e

2008e

Umsatz*

2,08

2,15

4,9

8,0

EBIT*

0,23

0,22

0,43

0,66

JÜ*

0,2

0,18

0,26

0,4

EpS

0,16

0,14

0,21

0,32

KGV

43,8

50,0

33,3

21,9

Quelle: Unternehmensangaben, Kayenburg; *) Mio. Euro

Vergleich und Bewertung
Mit Solarpraxis vergleichbare Unternehmen sind aufgrund des branchenübergreifenden Geschäftsmodells schwer zu finden. Der hohe Spezialisierungsgrad auf Erneuerbaren Energien in der Kombination mit ingenieurwissenschaftlichem Know­how hat zwar etwas von einem Alleinstellungsmerkmal. Peer Group-Vergleiche, die sich außerhalb der Regenerative Energien-Branche auch bei Unternehmen aus dem Software-Sektor („Wissensmanagement“) oder bei Ingenieurdienstleistern bedienen, sind im Falle von Solarpraxis unserer Einschätzung nach jedoch unangebracht. Ein Bewertungsaufschlag lässt sich daraus nicht ableiten. Das 2007er KGV von über 33 ist hoch, und erst recht, wenn man die geringe Größe von Solarpraxis bedenkt (Marktkapitalisierung post-IPO: 8,7 Mio. Euro). Negativ fällt außerdem der hohe Inlandsumsatzanteil von fünf Sechsteln auf. In einem Land mit solch hohen regulatorischen Einflussnahmen wie Deutschland besteht jederzeit die Gefahr, dass die Politik die Spielregeln ändert, was Solarpraxis entsprechend zu spüren bekommen könnte.

Solarpraxis – Emissionsparameter

WKN

549 547

Zeichnungsfrist

22.6. bis vorauss. 14.7.

Festpreis

7 Euro

Erstnotiz

ab 14.7.

MarketCap

8,7 Mio. Euro

Marktsegment

 Open Market

Volumen

2,9 Mio. Euro

Konsortium

Eigenemission

Free Float

ca. 51 %

Fazit
Solarpraxis verfügt in der Branche über anerkannte Marken. Dies allein reicht jedoch nicht aus, um eine zum Börsengang derart hohe Bewertung zu rechtfertigen, zumal Aktionäre bis mindestens 2007 auf einen echten Wachstumssprung, der natürlich mit den Mitteln eben jenes Börsengangs erfolgen soll, warten müssen. Bei einem Unternehmen dieser geringen Größe wäre stattdessen ein ordentlicher Emissionsabschlag angezeigt gewesen. Anleger sollten sich bei diesem Börsengang abstinent verhalten, zumal der deutsche Kurszettel bereits über mehr als ein Dutzend etablierter Solarunternehmen verfügt.

Falko Bozicevic