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Lack statt Metall

Beschichtungstechnik gehört zu den grundlegenden Anwendungen in praktisch allen Industrien, denn die Behandlung von Oberflächen ist vielfach unausweichlich. Einen großen Anteil im Beschichtungsgeschäft macht das Verchromen aus. Unterschieden wird in Hartverchromung (etwa von Zylindern in Motoren oder anderen beweglichen Teilen, die Reibung ausgesetzt sind) und Dekorverchromung. Insbesondere in den Bereichen Automotive, Maschinenbau und Sanitär/Haushalt/Möbel findet es Anwendung. Das Prinzip der Galvanotechnik, bereits 1780 vom italienischen Arzt Luigi Galvano beschrieben, beruht auf einem elektrochemischen Vorgang. Galvanotechnik ist energieintensiv und fordert hohen Aufwand im Umweltschutz. Auch die Gewinnung von Chrom selber ist bereits ausgesprochen aufwändig, da das Metall nur als Chromit oder Chromeisenstein gefördert werden kann und mehreren Extrahierungsschritten unterworfen werden muss.

Patent zugesagt

Ropal hat ein Verfahren entwickelt, Oberflächen so zu behandeln, dass sie optisch und haptisch wie Chrom anmuten, tatsächlich aber „nur“ lackiert sind. Die Produkteigenschaften sollen denen von Chrom mindestens ebenbürtig, bei Korrosionsschutz und Formbeständigkeit sogar überlegen sein. Die Kostenvorteile werden auf durchschnittliche 20% beziffert – eine Lernkurve sei aber zusätzlich möglich. Weitere Einsparungen seien möglich, denn das neue Verfahren erlaube die erstmalige oder mindestens erleichterte Beschichtung verschiedenster Untergründe, so dass in vielen Fällen günstige Materialien bei der Herstellung der zu beschichtenden Produkte gewählt werden können. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet, eine Patentzusage liegt auch bereits vor, die Erteilung in der 2. Jahreshälfte sei daher nur noch Formsache. Allerdings ist derzeit noch nicht 100%ig absehbar, für welche Länder innerhalb der EU das Patent gelten werde.

Mit der Lizenz zum Beschichten

Ropal Europe als Muttergesellschaft mit Sitz in Hamburg wurde erst im Februar 2008 gegründet. Sie steuert die beiden 100%igen Töchter Ropal AG Schweiz mit  Sitz in Zug und die Ropal Deutschland GmbH mit Sitz in Allendorf. Beim Betrieb in Allendorf handelt es sich um jene Lackiererei, bei der Technikvorstand Matthias Koch in die Lehre ging und die er später erwarb. Geschäftsmodell ist es, Lizenzen zur Nutzung des Verfahrens zu erteilen sowie die dazugehörigen Anlagen zu konstruieren und zu verkaufen, diese aber von Partnerunternehmen bauen zu lassen. Selbst als Lohnbeschichter will das Unternehmen nur im geringen Maße auftreten, dieses Geschäftsfeld aber auch nicht ganz aufgeben, um gewissermaßen in der Branche verhaftet zu bleiben und den Standort Allendorf als Technologie-Zentrum mit Praxisbezug zu etablieren. Über die Ropal AG in Zug soll der internationale Vertrieb organisiert werden.

Ropal Europe – Geschäfts- und Kennzahlen

2008e

2009e

2010e

2011e

Umsatz

9,0

22,8

30,4

37,3

Nettoergebnis

3,3

10,6

13,3

16,5

EpS

0,56

1,82

2,30

2,84

KGV**

13,3

4,1

3,3

2,6

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: VEM Research
**) auf Basis des Festpreises

Reine Kapitalerhöhung

Zum Börsengang werden bis zu 800.000 nennwertlose Aktien zum Festpreis von 7,50 Euro angeboten. Die Beteiligungsgesellschaften, die Ropal bislang finanziert haben, geben keine Stücke ab und haben auf 75% ihres Aktienbestandes Lock-up-Fristen akzeptiert. Mehr als 40 % der Aktien nach IPO sind den Solarunternehmern Jörn Reinecke und Gerd-Jürgen Pohl zuzurechnen, 35 % hält eine diskrete Beteiligungsgesellschaft mit Namen INBAG und Sitz im Kanton Zug. Nach IPO wird es bis zu 5,8 Mio. Aktien geben, woraus sich beim Festpreis von 7,50 Euro ein Unternehmenswert von 43,5 Mio. Euro errechnet. Mit dem Emissionserlös soll der Vertrieb ausgebaut, ein Kompetenzteam zur Weiterentwicklung der Technik zusammengestellt werden sowie Investitionen in die Anlagen in Allendorf finanziert werden. Die Investition in neue Musterungsanlagen ist akut, um das mittelfristige Wachstum zu sichern – die Marktanteile, sofern sich die Ropal-Technik durchsetzt, werden jetzt verteilt.

Erste Projekte laufen an

Projekte mit namhaften Partnern sollen noch in diesem Jahr anlaufen. Als erste Anwendung sind Türbeschläge und -klinken mit der Hoppe AG sowie Membrane mit dem Automobilzulieferer Valeo vereinbart. Das Unternehmen geht davon aus, weitere Projekte noch in diesem Jahr zu akquirieren, zuvorderst in den Bereichen Sanitär und Möbel. Damit sollen Umsätze in Höhe von 9 Mio. Euro in diesem Jahr erzielt werden. Wenn die Startprojekte erfolgreich laufen und sich die Produkte im Alltagsbetrieb bewähren, geht Ropal von deutlich steigenden Erlösen in den kommenden Jahren aus. Wie bei jedem Geschäftsmodell, das in der Hauptsache auf Lizenzerteilungen beruht, würde der Gewinn stark überproportional  zulegen. Die Analysten von VEM Research haben nach der DCF-Methode und einem Peer-Group-Vergleich einen fairen Wert von 105 Mio. Euro errechnet, was einen Kurs von 18,10 Euro pro Aktie ergäbe. Der Discount von 60% zeigt einerseits das hohe Risiko des Investments und andererseits die ungemütliche Kapitalmarktverfassung. Allerdings habe sich Ropal bewusst gegen andere Finanzierungsformen entschieden, so Vorstand Klaus Mairhöfer gegenüber dem GoingPublic Magazin.

Fazit

So lange die mit der neuen Technologie beschichteten Produkte nicht ihre Praxistauglichkeit und Serienfertigung bewiesen haben, ist ein Investment sehr risikoreich. Ist die Technik wirklich das Killer-Verfahren, als das es das Management einstuft, steht dem Unternehmen ein geradezu gigantischer Markt von grob veranschlagten 2 Mrd. Euro pro Jahr in Deutschland offen. Ein kleiner Marktanteil von wenigen Prozenten, so Mairhöfer weiter, sei da doch wirklich nicht zuviel erwartet. Dabei ist die Schnelligkeit, in der sich das Verfahren gegebenenfalls durchsetzt, letztlich zweitrangig. Da qualitätsbewusste Markenhersteller das neue Verfahren ausgiebig testen werden, ist in den ersten Jahren eventuell erst ein langsameres Wachstum als veranschlagt zu erwarten, das sich dann aber später im Schneeball-Verfahren stark beschleunigen könnte. Treten Probleme mit den Produkten auf, dürfte sich das Thema indes erledigen. Eine Zeichnung kommt also nur für Anleger in Frage, die die immensen Chancen sehen, sich aber auch des Risikos bis hin zum Totalverlust bewusst sind.

Stefan Preuß

Ropal Europa – Emissionsparameter
WKN

A0S MMA

Erstnotiz

25. April

Zeichnungsfrist

16. bis 23. April

Festpreis

7,50 Euro

MarketCap

43,5 Mio. Euro

Marktsegment

Entry Standard

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

0,8 Mio. Aktien aus Kap.erhöhung,

Volumen 6 Mio. Euro

Konsortium

VEM Aktienbank

Free Float

max. 13,8 %

Internet

www.ropal.eu