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Nachdem der Börsengang Ende März nach Ablauf der Zeichnungsfrist wegen des schlechten Marktumfeldes und der unbefriedigenden Nachfrage bei der damaligen Preisspanne von 10 bis 15 Euro verschoben worden ist, werden jetzt insgesamt 2 Mio. Inhaber-Stückaktien aus einer Kapitalerhöhung plaziert. Dazu kommt ein Greenshoe von 0,7 Mio. Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Zum Konsortium gehören neben der Commerzbank (Lead) auch die Bankgesellschaft Berlin und Concord Effekten. Nach Ausübung der Mehrzuteilungsoption wird der Streubesitz bei ca. 34 % liegen.

Derzeit vermarktet PULSION mit rund 100 Mitarbeitern drei Produkte: den PiCCO-Monitor zur Überwachung der Herz-Kreislauffunktion von Intensivpatienten, die zum Einsatz von PiCCO notwendigen Sterilkatheter und die chemische Substanz ICG zur Darstellung von Blutgefäßen. Die Produkte sind durch Patente oder im Fall von ICG durch einen niedrigen Abgabepreis vor Konkurrenten gut geschützt.

Ein wesentliches Ziel des Unternehmens ist es, durch die Plazierung möglichst vieler PiCCO-Geräte an den weltweit rund 300.000 Intensivbetten eine starke Basis für den Verkauf der margenstarken Sterilkatheter zu schaffen. Gegenüber der bisherigen Standardmethode ist die PULSION-Technologie kostengünstiger anzuwenden und weniger belastend für den Patienten.

Daneben hat Agilent Technologies, der Weltmarktführer für Patientenüberwachungsanlagen, in Lizenz ein PiCCO-Modul entwickelt, das in die neue Generation der Agilent-Monitore eingebaut wird. Auch die weltweit bereits aufgestellten 130.000 „alten“ Agilent-Geräte können damit nachgerüstet werden. Nach Schätzungen von GoingPublic liegt der Preis für das Modul bei ungefähr 4.000 bis 6.000 Euro. Die Markteinführung erfolgte im dritten Quartal 2000. Ende Februar 2001 bekam Agilent die Zulassung für den US-Markt.

Nachdem die Planzahlen im vergangenen Geschäftsjahr um 10 % übertroffen worden sind, plant PULSION 2001 einen Umsatz von 11,9 Mio. Euro und einen Jahresfehlbetrag von 4,9 Mio. Euro. Bei jährlichen Steigerungsraten von über 90 % will das Unternehmen 2003 einen Umsatz von 55,5 Mio. Euro (2002: 27,9 Mio. Euro) und einen Jahresüberschuß von 10,3 Mio. Euro (2002: 1,5 Mio. Euro) erreichen. 40 % der Erlöse sollen dann aus den USA kommen. GoingPublic-Research rechnet in den nächsten drei Jahren mit folgenden Geschäftszahlen:

 

2000

2001e

2002e

2003e

 

Ums. (Mio.)

6,4

12

27

53

KUV´03e: 1,5*

EPS

-1,12

-0,63

0,23

1,39

KGV´03e: 7,2*

(Quelle: GoingPublic-Research; alle Angaben in Euro; *auf Basis der mittleren Preisspanne)

Die Herabsetzung der Bookbuilding-Spanne von 10 bis 15 Euro auf 7 bis 10 Euro soll den Investoren einen zusätzlichen Zeichnungsanreiz bieten. Allerdings entgehen dem Unternehmen dadurch am oberen Ende der Spanne rund ein Drittel oder 14 Mio. Euro des ursprünglich geplanten Emissionserlöses. Aus diesem Grund rechnet GoingPublic mit einem verlangsamten Umsatzwachstum. Außerdem wurde seit dem ersten IPO-Versuch im März der Finanzvorstand von PULSION ausgetauscht und im Konsortium die Bayerische Landesbank durch Concord Effekten ersetzt. Ob das nach wie vor unsichere Marktumfeld solchen Aktionismus honoriert, erscheint fraglich. Deshalb rät GoingPublic trotz der optisch günstigen Bewertung nicht mehr zur Zeichnung. Statt dessen sollte genau beobachtet werden, ob PULSION seine überlegene Technologie und das margenstarke Geschäftsmodell tatsächlich in erfolgreiche Geschäftszahlen umsetzen kann.