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Scheinbar unbeeindruckt von den Startproblemen bei CropEnergies und Verbio steht mit Petrotec ein weiterer Biosprit-Produzent in den Startlöchern. Die Aktien können noch bis zum 3. November in einer Spanne von 17 bis 22 Euro gezeichnet werden.

Altes neu aufbereitet
Unternehmensgründer und -chef Roger Böing wirbt mit einer Besonderheit um die Gunst der Anleger. Petrotec stellt Biodiesel überwiegend aus Altspeisefetten her. 1998 begann das Unternehmen damit, ein eigenes Verfahren zu entwickeln. Zwei Jahre später baute der IPO-Kandidat seine erste Produktionsanlage. „Unsere Wettbewerbsvorteile machen Petrotec reif für die Börse“, schwärmt Roger Böing. Der Firmenlenker spielt auf die Rohstoffkosten an. Nach seinen Angaben ist Altspeisefett im Einkauf um bis zu 50% günstiger als das von der Konkurrenz benutzte Rapsöl. Öl und Fett holt sich Petrotec direkt an der „Quelle“. Ein bedeutender Lieferant ist McDonald’s. Fast-Food-Restaurants aus acht deutschen Bundesländern und Frankreich kippen den verbrauchten Inhalt ihrer Friteusen in von Petrotec aufgestellte, spezielle Sammelbehälter.

Zur Aufholjagd geblasen
Noch ist die Gesellschaft ein verhältnismäßig kleiner Spieler, jedoch in einem stark wachsenden Markt. Petrotec verfügt derzeit über eine Jahreskapazität von 85.000 Tonnen Biodiesel. Zum Vergleich: Die zum amerikanischen Agrarkonzern Archer Daniels Midland zählende Ölmühle Hamburg dürfte 2007 mehr als eine halbe Million Tonnen produzieren. Doch Petrotec-Chef Böing bläst zur Aufholjagd: Bis 2009 möchte er die Kapazität auf 485.000 Tonnen schrauben. Um die Expansion stemmen zu können, braucht der Vorstand einen erfolgreichen Börsengang. Mit frischen Kapital soll zunächst eine zweite Produktionsanlage in Deutschland entstehen. Als nächsten Schritt plant Petrotec die Auslandsexpansion. Dabei nimmt er Großbritannien und die USA ins Visier.

2005

2006e

2007e

2008e

Umsatz*

40,4

54,6

83,8

150,6

Nettoerg.*

0,0

-1,6

-1,6

12,2

EpS

0,00

-0,15

-0,15

1,16

KGV max.**

neg.

neg.

18,9

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: UBS
**) auf Basis der Bookbuilding-Spanne


Bewertung und Vergleich
Analysten des Konsortialführers UBS erwarten, dass Petrotec den Umsatz in den kommenden Jahren knapp versiebenfacht. 2009 soll vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mehr als ein Viertel der Erlöse übrig bleiben, nach 18% vor einem Jahr. Unterm Strich stehen vorerst aber rote Zahlen. Laut Emissionsstudie soll Petrotec erst 2008 den Breakeven schaffen, von daher muss man schon weit in die Zukunft schauen: Auf Basis der Bookbuilding-Spanne wird Petrotec am oberen Ende mit dem 19-fachen 2008er Gewinns bewertet. Das ist reichlich teuer, vor allem im Vergleich zu bereits börsennotierten Produzenten. Die deutlich größere Verbio – die neben Biodiesel auch Bioethanol herstellt und sich zudem längst im Produktionsstadium befindet – musste im Zuge der Reduzierung ihrer Bookbuilding-Spanne potentiellen Investoren schon ein 2007er KGV von unter 15 bieten, um ihre Aktien zu platzieren. CropEnergies dagegen, die ebenfalls erst noch nachhaltig profitabel werden muss, sackte kurz nach Börsenstart (Ausgabe ebenfalls am unteren Ende der Preisspanne) um bis zu 20% durch. Vor diesem Hintergrund ist die gewählte Emissionsbewertung von Petrotec als sehr ambitioniert einzustufen.

Fazit
Petrotec verfügt mit seiner speziellen Fertigungstechnik über einen Kostenvorteil. Nichtsdestotrotz muss das Unternehmen erst beweisen, dass man die Produktionskapazitäten tatsächlich innerhalb von drei Jahren um nicht weniger als den Faktor 5 wird steigern können. Regulatorische Änderungen der Rahmenbedingungen für Biodiesel sind bei den Risikofaktoren ebenfalls ganz oben auf der Liste zu nennen und nicht zuletzt die aufkommende Konkurrenz: Nicht nur Petrotec verfolgt massive Expansionspläne. Das Börsenumfeld ist für die Branche längst nicht so aufnahmefähig wie noch zu Pionierzeiten, als EOP Biodiesel und Biopetrol an die Börse kamen. Daher hat ein Investment in die neue Biodiesel-Aktie nicht gerade Eile: Das GoingPublic Magazin empfiehlt, zunächst den Fortgang der Platzierung abzuwarten (Zeichnungsgewinne deuten sich bis dato nicht an) und bei Interesse einen späteren Kauf über die Börse zu bevorzugen. Doch auch das sollte risikobewussten Investoren vorbehalten bleiben.

Wolfgang Hagl

Petrotec – Emissionsparameter
WKN

PET 111

Erstnotiz

voraussichtlich 6. November

Zeichnungsfrist

30.10. bis 3.11.

Bookbuildingspanne

17 bis 22 Euro

MarketCap

179 bis 231 Mio. Euro

Marktsegment

Amtlicher Markt (Prime Standard)

Em.volumen

5,5 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung,

825.000 Aktien von Altaktionären als Greenshoe

108 bis 139 Mio. Euro

Konsortium

UBS, Sal. Oppenheim, Bayerische Landesbank

Free Float

ca. 60% (nach Greenshoe)

Internet

www.petrotec.de