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Dreigliedriges Geschäftsmodell
Das im Jahr 1987 durch den heutigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Manz als GmbH gegründete Unternehmen entwickelt und fertigt Systeme für die Automatisierung und Qualitätssicherung von Produktionsprozessen. Der Geschäftsbereich systems.solar profitiert von der derzeit boomenden Nachfrage nach neuen Kapazitäten zur Solarzellenproduktion. Für Manz ist es dabei unerheblich, ob sich letztlich das Silizium- oder Dünnschichtverfahren durchsetzt: Die Schwaben bieten für beide Technologien die entsprechenden Komponenten an. Im durchaus zyklischen LCD-Geschäft verstärkt sich der Trend zu steigenden Display-Größen, genannt Substrate, die nicht mehr manuell gehandelt werden können und deshalb eine Automatisierung erforderlich machen. Auch hier kommen Manz-Lösungen vermehrt zum Einsatz. Abgerundet wird das Geschäftsmodell durch den Verkauf von OEM-Systemen und den Komponentenhandel. Manz kann hier seine Erfahrung aus den Bereichen Solar- und LCD-Automatisierung einer Zweitverwertung zuführen und zugleich größere Einkaufsvolumina stemmen, was angesichts hoher F&E-Aufwendungen (6 % des Umsatzes) ein cleverer Schachzug ist.

Profitabler Wachstumspfad
Seit seiner Gründung arbeitet Manz durchgehend profitabel. Über die letzten drei Jahre gelang es, die EBIT-Marge um zwei Prozentpunkte auf 11 % zu verbessern. Das Wachstumstempo hat sich dabei zuletzt sogar beschleunigt. So verbesserte sich der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2006 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 29 % auf ca. 20 Mio. Euro, das EBIT erreichte einen Wert von 2,4 Mio. Euro. Manz startete mit einem Rekordauftragsbestand von 25,3 Mio. Euro in das dritte Quartal, so dass die Abarbeitung weit bis ins Jahr 2007 reichen wird. Hierfür waren hauptsächlich erteilte Großaufträge aus dem Solarbereich verantwortlich.

Manz Automation AG – Geschäftsentwicklung

 

2005

2006e

2007e

Umsatz

29,3

36,3

46,1

EBIT

3,3

4,3

5,7

Jahresüberschuss

1,7

2,2

3,2

EpS

0,52

0,68

0,98

KGV max.*

42,3

32,4

22,4

Angaben bis auf EpS in Mio. Euro; Quelle: LBBW
*) am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne

Mittelverwendung
Mehr als drei Viertel der eingesammelten Gelder von maximal 21,5 Mio. Euro stammen aus einer Kapitalerhöhung, der Umplatzierungsanteil ist erfreulicherweise entsprechend gering ausgefallen. Wie Firmengründer Dieter Manz im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erläuterte, werden die Mittel aus dem Börsengang zu einem wesentlichen Teil in die technologische Weiterentwicklung der eigenen Systeme investiert. Es ist vorgesehen, im Solarbereich entlang der Prozesskette neue Lösungen anzubieten und auf diese Weise mit der Branche zu wachsen – nach Möglichkeit natürlich stärker als diese. Parallel wird der Aufbau eines vierten Geschäftsbereichs mit dem Fokus auf die Life Science-Industrie vorangetrieben. Auch ein Ausbau der Vertriebs- und Servicestandorte, vornehmlich in Asien, steht auf der Agenda. CEO Dieter Manz ließ bereits durchblicken, dass zur Realisierung der umfangreichen Expansionsbestrebungen weitere Kapitalmaßnahmen wahrscheinlich seien.

Stärken & Schwächen
Die kommunizierte Wachstumsstrategie erscheint stimmig, wobei Anleger die Zyklizität des LCD-Sektors beachten müssen. Studien konstatieren bereits wieder eine mögliche Abschwächung der Investitionen in diesem Bereich. Auch der starke Bedarf an Fachkräften kann mitunter nicht ganz leicht befriedigt werden. Beim Börsengang selbst ist zu monieren, dass sich die Altaktionäre, sprich: vor allem Gründer und Vorstandsvorsitzender Dieter Manz, lediglich zu einem „Soft-Lock-up“ von 12 Monaten verpflichtet haben, d.h. dass sie Aktien unter Zustimmung der Konsortialbank auch innerhalb der Lock-up-Frist veräußern dürfen. Dieter Manz bleibt nach dem Börsengang weiterhin Mehrheitsaktionär, dann noch mit 59 % nach zuvor 80 %. Der Streubesitz läge nach Ausübung der Mehrzuteilungsoption bei ziemlich exakt 30 %.

Bewertung
Konsortialbank LBBW konstatierte einen Fair Value von ca. 60 Mio. Euro vor dem Börsengang (also vor der Kapitalerhöhung). In einer ersten Peer Group wurde dabei Manz Automation mit diversen Solarunternehmen verglichen, in einer zweiten Peer Group mit Gesellschaften aus dem Sektor Automation & Maschinenbau. Der am besten mit Manz vergleichbare Konzern ist derweil Roth & Rau als einziger börsennotierter Hersteller von Photovoltaik-Equipment in Deutschland. LBBW bescheinigt Roth & Rau jedoch eine deutliche Unterbewertung, womit sich die Gesellschaft als bestes Vergleichsunternehmen für eine Manz-Bewertung disqualifiziere – so kann man es natürlich auch auslegen.

Fazit
Manz Automation hat sich über die letzten zwei Jahrzehnte mit seiner klaren Branchenausrichtung in attraktiven Nischen positionieren können. Das Management versteht es, technisches Know-how erfolgreich in neue Bereiche zu transferieren. So basieren die Systeme für die Dünnschichttechnik auf Lösungen aus dem LCD-Geschäftsfeld. Qualität hat zwar ihren Preis, allerdings hätte bei der Wahl der Bookbuilding-Spanne der Zeichnungsanreiz durchaus höher ausfallen können, wie auch die vorbörslichen Kurse andeuten, die auf keinerlei Zeichnungsgewinne schließen lassen. Das GoingPublic Magazin rät insgesamt nicht zu einer Zeichnung.

Marcus Wessel, Falko Bozicevic

Manz Automation AG – Emissionsparameter

WKN A0J Q5U
Erstnotiz 25. September
Zeichnungsfrist 18. bis 20. September
Bookbuildingspanne 19 bis 22 Euro
MarketCap 61,9 bis 71,6 Mio. Euro
Marktsegment Open Market (Entry Standard)
Emiss.volumen

bis zu 0,78 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung,

84.000 von Altaktionären; Greenshoe 113.500 Aktien

Konsortium LBBW
Free Float 30 % nach IPO und Greenshoe