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Das Unternehmen
Nach einer langen unternehmerischen Irrfahrt versuchen die derzeitigen Inhaber der LHS AG ein erneutes Listing, diesmal im Prime Standard der Frankfurter Börse. Bereits 1997 wurde, neben einer Notiz an der amerikanischen Nasdaq, eine Emission am Neuen Markt durchgeführt. Im Zuge der Börseneuphorie übernahm die Sema Group im Jahr 2000 zu Höchstkursen den Highflyer des Neuen Marktes, wurde aber ein Jahr später selbst von Schlumberger aufgekauft. Nach einer Desinvestitionsphase wurden die LHS-Aktivitäten 2004 an ein Konsortium aus der Beteiligungsgesellschaft General Atlantic und dem ehemaligen Gründer Hartmut Lademacher weiterveräußert. Der Verkaufspreis von LHS schwankte während dieser Transaktionen zwischen sage und schreibe 50 Mio. und 5,6 Mrd. US-$. Diesmal wird das Unternehmen bei einer Zeichnungsspanne von 9 bis 11 Euro mit ungefähr 150 Mio. Euro bewertet. Ein Teil des Emissionserlöses wird zur Ablösung eines Gesellschafter-Darlehens in Höhe von 24 Mio. Euro benutzt, der Rest soll für weitere geschäftspolitische Maßnahmen verwendet werden. Bereits im Vorfeld mussten Zugeständnisse gemacht werden, denn der ursprünglich avisierte Emissionserlös von bis zu 160 Mio. Euro erwies sich als unrealistisch. Jetzt ist es nur noch rund die Hälfte, sofern der Börsengang gelingt.

Die Fachkompetenz der Altaktionäre ist Fluch und Segen zugleich; einerseits ist die Kompetenz sicherlich überdurchschnittlich vorhanden, andererseits ist der Versuch eines so hoch als möglich gestalteten Exits nicht von der Hand zu weisen. Da hilft auch die 6-monatige Lock-up-Frist nicht. Klaus Esser als Mitglied des General Atlantic-Teams sowie Hartmut Lademacher als Gründer der LHS, ehemaliger Vorstandsvorsitzender und jetziger Aufsichtsratschef wird man gerne Fachkenntnisse bescheinigen, aber sicher auch das Gefühl für ein optimales Timing bei einem Ausstieg.

Markt und Wachstum
Der Anbieter von Software für Abrechnungen und Kundenverwaltungssysteme für Telekommunikationsdienste sieht sein Wachstumspotential in den noch nicht vollständig entwickelten Märkten wie Asien, Afrika und dem Nahen Osten. Zudem soll das Produkt-Portfolio weiterentwickelt und der Service verbessert werden. Da der weltweite Markt nach unabhängigen Studien in den nächsten Jahren um ca. 8 % p.a. zulegen soll, ist deutliches Wachstum durchaus möglich. Andererseits tritt die LHS gegen starke Konkurrenz wie Oracle an, die ihrerseits erst im Juni 2006 den direkten Konkurrenten Portal Software übernommen hatte.

2005

2006e

2007e

2008e

Umsatz*

46,6

74,6

89,5

107,4

Jahresüberschuss*

-0,85

2,5

5,0

7,5

EpS

-0,06

0,17

0,34

0,52

KGV**

k.A.

63,8

31,9

21,3

*) in Mio. Euro; eigene Schätzungen
**) auf Basis der Bookbuilding-Spanne


Geschäftszahlen
LHS erzielte im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz in Höhe von 46,6 Mio. Euro, im ersten Halbjahr 2006 waren es bereits 29,1 Mio. Euro, dies bedeutet eine Steigerung über 63 % im Jahresvergleich. Das angepasste Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg von minus 3,2 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2005 auf plus 3,5 Mio. Euro in den ersten sechs Monaten 2006. Der Gewinn nach Steuern betrug hierbei 0,9 Mio. Euro.

Fazit
Auch wenn der Markt, in dem LHS tätig ist, in den nächsten Jahren noch wachsen dürfte und die Positionierung recht viel versprechend zu sein scheint, ist die Aktie selbst bei einem Emissionskurs am unteren Ende der Zeichnungsspanne von 9 Euro ambitioniert bewertet. Einer Chance auf langfristige Kursgewinne stehen kurz- bis mittelfristig die hohe Bewertung sowie ein Rückschlagspotential bei den Wachstumserwartungen gegenüber. Auch bei LHS deuten die vorbörslichen Kurstaxen nicht gerade auf überschwängliches Interesse von Investoren hin. Anleger sollten nicht zeichnen, sondern statt dessen den Börsenstart abwarten.

LHS AG – Emissionsparameter
WKN LHS 400
Erstnotiz 20.Okt
Zeichnungsfrist 16. bis 19. Okt
Bookbuildingspanne 9 bis 11 Euro
Marktkapitalisierung 130,9 bis 160,0 Mio. Euro
Marktsegment Prime Standard
Emissionsvolumen 65 bis 80 Mio. Euro
Konsortium WestLB, Cazenove, Sal. Oppenheim
Free Float ca. 50 %
Internet www.lhsgroup.com

Falko Bozicevic, Andreas Köchling