Unternehmen und Marktumfeld
Kinghero produziert und vertreibt Freizeit- und Geschäftskleidung auf dem chinesischen Markt. Das Modeunternehmen ist derzeit in 17 von 22 Provinzen des Landes mit Verkaufsstätten vertreten. Dazu zählen jeweils über 100 Monomarken-Läden und Shop-in-Shops. Als Zielgruppe werden Berufstätige mit einem (für chinesische Verhältnisse) mittlerem Einkommen von umgerechnet 300 EUR ins Auge gefasst – das macht angesichts der Größe Chinas mal eben 400 Mio. potentielle Kunden, Tendenz steigend. Diese „Yuppies“ (Young Urban Professionals) sind typischerweise zwischen 28 und 45 Jahre alt.

Die 1986 vom heutigen CEO Zhang gegründete Kinghero hat sich so in ihrem Heimatland bereits einen sehr guten Markennamen mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen. Die zunehmende Stadtbevölkerung Chinas sorgt für rasantes Wachstum auch der Textilbranche und immer kürzer werdende Produktlebenszyklen. Das spielt einer Kinghero, die ihre Kollektionen nur on-demand produziert – und daher keine Lagerkosten hat – in die Hände. Mit durchschnittlich nur 100 Tagen Produkteinführungszeit liegt Kinghero deutlich besser als der chinesische Branchendurchschnitt von 180 Tagen.

Börsengang
Bis zu 38,3 Mio. EUR an Emissionserlös könnte Kinghero einsammeln. Im Rahmen des öffentlichen Angebots bieten die Chinesen 1,8 Mio. Aktien vollständig aus einer Kapitalerhöhung und zusätzliche 0,27 Mio. Aktien als Greenshoe an, letztere aus dem Besitz von Gründer und CEO Zhang. Die Altaktionäre haben sich zu einer Lock-up-Frist von zwölf Monaten verpflichtet. Nach dem IPO läge der Streubesitz bei max. 29,4 %. Der Börsengang wird von der BankM und der Silvia Quandt & Cie. AG als Joint Lead Managers begleitet, Zeichnungsmöglichkeiten gibt es darüber hinaus bei diversen Direktbanken.

Mittelverwendung und Ziele
Kinghero hat die voraussichtlichen Emissionserlöse sehr konkret verplant: Rund 17,5 Mio. EUR sollen in den Aufbau von mehr als 30 sogenannten Flagship Stores (in Eigenregie betriebene Verkaufscenter) in China fließen, 2,5 Mio. EUR in die Übernahme von zwei Fabriken sowie jeweils 5 Mio. EUR in das Vertriebsnetz und die Steigerung der Produktionskapazitäten. Eine Expansion nach Europa ist ausdrücklich nicht vorgesehen.

Kinghero – Geschäfts- und Kennzahlen

2009

2010e

2011e

2012e

Umsatz*

48,9

71,7

91,3

116,4

Nettoergebnis*

10,7

14,4

17,6

21,6

EpS

1,51

2,04

2,49

3,06

KGV min.

9,6

7,1

5,8

4,7

KGV max.

12,2

9,1

7,4

6,0

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GBC, BankM


Zahlen
Auf den Punkt gebracht: Kinghero ist enorm profitabel, schuldenfrei und wachstumsstark. Die EBIT-Marge (2009) lag zuletzt bei 27 %, das liegt 5 Prozentpunkte vor der Nummer 2 der Branche, H&M. Markenmäßig lässt sich Kinghero am besten mit Zara und der erwähnten H&M vergleichen. Börsennotierte Modeunternehmen gibt es zuhauf, und bei praktisch allen Kennzahlen schneidet Kinghero überdurchschnittlich ab. Für Details zu den Peergroups müssen wir der Kürze halber an dieser Stelle auf den im Internet zum Download verfügbaren Research-Report der BankM verweisen. In den vergangenen drei Jahren lag das durchschnittliche Umsatzwachstum bei 42 %, was angesichts der Expansionspläne auch die nächsten drei Jahre aufrecht erhalten werden dürfte (sh. Tabelle).

Fazit
Kinghero hinterlässt einen „schicken“ Eindruck. Die Equity Story kommt gleich ganz anders herüber als bei Tom Tailor, die ihren Emissionserlös in die Schuldentilgung leiten musste. Mit einer Eigenkapitalquote von 75%, hohen operativen Margen und intakten Wachstumsaussichten fällt es schwer, einen ins Gewicht fallenden Malus auszumachen, abgesehen von den üblichen Verdächtigen wie die Abhängigkeit von einzelnen Vorstandsmitgliedern, einem gewissen Wechselkursrisiko (Exportquote ca. 40 %) und der allgemeinen Gefahr, mit Kollektionen auch mal den Geschmack nicht treffen zu können. Angesichts der deutlich einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnisse dürften all diese „Risiken“ hinreichend Berücksichtigung gefunden haben. Wir gehen daher von einer langfristig positiven Performance aus und empfehlen eine Zeichnung. Schade lediglich, dass sich das Management trotz der guten Gewinne nicht dazu durchringen konnte, sich klar zu einer Dividendenpolitik zu bekennen.

Falko Bozicevic

 

Kinghero – Emissionsparameter
WKN

A0X FMW

Erstnotiz

voraussichtlich 6. August

Zeichnungsfrist

27 Juli bis 4. August

Preis

14,50 bis 18,50 Euro

MarketCap

102 bis 130 Mio. Euro

Marktsegment

Entry Standard

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

max. 1,8 Mio. Aktien Kapitalerhöhung,

zzgl. max. 0,27 Mio. Greenshoe

Emissionsvolumen 26,1 bis 38,3 Mio. Euro

Konsortium

BankM, Silvia Quandt & Cie.; div. Direktbanken

Free Float

max. 29,4 %

Internet

www.kinghero.de

 

„Der Börsengang in Deutschland hat eine enorme Bedeutung für uns“

Interview mit Xiaopping Zhao-Moll, Head of IR/PR, Kinghero

GoingPublic: Frau Zhao-Moll, weshalb haben Sie sich gerade jetzt zu einem Börsengang entschieden?
Zhao-Moll: Wir bereiten den Börsengang seit zwei Jahren vor. Dieser Schritt hat gerade jetzt eine enorme Bedeutung für die weitere strategische Entwicklung des Unternehmens. Unser Ansehen bei Geschäftspartnern und Kunden in China steigt durch diesen Börsengang erheblich an und wir können uns so von kleineren lokalen Wettbewerbern absetzen und unsere stürmische Expansionsstrategie fortführen.

GoingPublic: Und weshalb hier in Deutschland – wäre z.B. Hongkong im wahrsten Sinne nicht „nahe liegender“ gewesen?
Zhao-Moll: Deutschland hat eine sehr gute Reputation in China und bietet einen effizienten Kapitalmarktzugang für kleine und mittelgroße Unternehmen. Gerade aus unserer Provinz Fujian hat es in den letzten Jahren einige erfolgreiche Börsengänge von Unternehmen wie Asian Bamboo, Vtion und Joyou in Deutschland gegeben. Des Weiteren profitiert unsere Marke von der Tatsache, dass wir eine deutsche Holding haben und so auch der europäische Akzent im Markenimage von Kinghero gestärkt wird.

GoingPublic: Mit welchen börsennotierten Modeherstellern sehen Sie sich denn am besten verglichen?
Zhao-Moll: Aufgrund unserer Marktpositionierung in China sind wir am ehesten mit H&M und Zara zu vergleichen. Wir sind – wie diese Unternehmen – im mittleren Preissegment mit einem hohen „Fashion Degree“ positioniert. Und wie Zara sind wir sehr stark vertikal integriert, was die hohe Anpassungsgeschwindigkeit unserer Kollektionen an die spezifischen Trends im chinesischen Markt ermöglicht. Während diese Unternehmen aber europäische Mode an Chinesen verkaufen, stellen wir chinesische Mode mit einem europäischen Flair her und treffen so genau den Geschmack der selbstbewussten und stark wachsenden chinesischen Mittelschicht.

Das Interview führte Falko Bozicevic.