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Als weitere Medienfirma wagt der Kölner Buch- und Heftroman-Verlag den Sprung an die Börse. Bis zu 36 Mio. EUR sollen dem Unternehmen zufließen. Das Management will mit dem frischen Kapital vor allem sein digitales Geschäft ausbauen. Novum bei diesem Börsengang: Ähnlich dem bewährten Prozedere bei Mittelstandsanleihen können die Lübbe-Papiere auch direkt über die Deutsche Börse gezeichnet werden.

Börsengang
Die Bastei Lübbe AG bietet 3,3 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung plus 2 Mio. Stück aus einer Umplatzierung (inklusive Mehrzuteilungsoption) in einer Preisspanne zwischen 9 und 11 EUR an. Bis zu 58,3 Mio. EUR könnten dadurch eingenommen werden. Die Zeichnungsfrist dauert voraussichtlich vom 17. September bis 1. Oktober. Die Aktie soll am 8. Oktober erstmals im Prime Standard der Frankfurter Börse notieren – einen Tag also vor Start der Frankfurter Buchmesse. Der deutsche Verleger von Autoren wie Dan Brown und Ken Follett hat bereits Erfahrung am Kapitalmarkt – vor zwei Jahren wurde eine Anleihe mit einem Volumen von 30 Mio. EUR begeben. Erst vor wenigen Tagen hat Creditreform das Unternehmensrating von BBB erneut bestätigt. Bei aktuell 110% ist die Bastei-Lübbe-Anleihe eine der beliebtesten überhaupt.

Birgit und Stefan Lübbe; Foto: Olivier Favre
Birgit und Stefan Lübbe; Foto: Olivier Favre

Hauptgesellschafter der AG ist Namensgeber Stefan Lübbe, der direkt 52% der Anteile und über die Lübbe Beteiligungs-GmbH weitere 37% hält. „Wir beabsichtigen, 40 bis 50% unseres Jahresgewinns auszuschütten“, kündigt Finanzvorstand Thomas Schierack als Dividendenstrategie an. Nach dem IPO bleibt die Verlegerfamilie Hauptaktionär mit einem Anteil von ca. 58%. Der Streubesitz wird bei vollständiger Ausübung bei ziemlich genau 40% liegen. Den Börsengang begleiten die Close Brothers Seydler Bank als Sole Lead Manager und Conpair als Financial Advisor.

Hauptumsätze mit Büchern
Der 1953 gegründete Verlag ist mit Groschenheften („Jerry Cotton“, „Der Bergdoktor“) groß geworden. Neben Büchern werden Hörbücher, E-Books sowie digitale Produkte mit belletristischen und populärwissenschaftlichen Inhalten verkauft. Zum Verlagsprogramm gehören außerdem Geschenk-, Deko- und Merchandising-Artikel. Daneben werden noch Roman- und Rätselhefte vertrieben. Bücher sorgen jedoch heute mit 80% für den Großteil des Umsatzes, Roman- und Rätselhefte steuern nur noch 9% bei.

Im Geschäftsjahr 2012/13 (Abschluss: 31. März) stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 19% auf 98,3 Mio. EUR. Das EBIT verbesserte sich um 12% auf 12 Mio. EUR. Der Jahresüberschuss kletterte um 5% auf 7,9 Mio. EUR. Wegen zweier Zukäufe sowie der Rechtsformumwandlung in eine AG sind aktuelle und ältere Zahlen allerdings nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres schossen Umsatz und Ertrag bereits erheblich in die Höhe. Für die starken Zuwächse sorgte – natürlich einmal mehr – der neue Dan-Brown-Thriller „Inferno“.

Ihren Erfolgsautor zu verlieren sorgt das Management indes nicht: „Natürlich könnte ein Dan Brown, der nur noch Ein-Buch-Verträge macht, des Geldes wegen jederzeit den Verlag wechseln“, erläutert Pressechef Felix Rudloff. „Aber aufgrund unseres langjährigen Vertrauensverhältnisses sind wir zuversichtlich, dass er das nicht macht.“ Die Eigenkapitalquote lag zuletzt wie im Vorjahreszeitraum bei 24,1%. Allerdings wird sie sich durch das IPO – je nach Emissionspreis – auf einen Wert zwischen 40 und 50% erhöhen. Bei den Geschäftszahlen ist auch die konservative Buchführung ein Pluspunkt. „Es gibt stets eine Diskussion mit unseren Wirtschaftsprüfern, aber wir sind der Meinung, dass unsere konservative Abschreibungspraxis bei Autorenhonoraren die richtige ist“, betont Schierack. Bastei Lübbe beschäftigt derzeit 305 Mitarbeiter.

Ausbau des Digitalgeschäfts
Bastei Lübbe will in den nächsten Jahren weiter wachsen. „Der Börsengang bietet die Chance, in ein führendes Unternehmen mit Weltbestseller-Autoren wie Dan Brown, Ken Follett, Jeff Kinney, Rebecca Gablé, Kerstin Gier und Sarah Lark zu investieren“, erläutert Verleger Stefan Lübbe. „Wir haben in den letzten Jahren unsere Profitabilität kontinuierlich gesteigert. Wir sind auch im digitalen Bereich mit großer Innovationskraft und weltweit vertriebenen Eigenentwicklungen und Serien erfolgreich.“ Dadurch hat sich das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter erheblich geändert. „Wir haben jetzt auch Web-Spezialisten und App-Programmierer“, betont Schierack. Mit den Erlösen aus dem Börsengang soll in erster Linie das Geschäft mit digitalen Büchern ausgebaut werden. Für Tablets und E-Book-Lesegeräte werden derzeit eigene Roman-Serien entwickelt. „Die Jerry-Cotton-Heftchen liegen bei uns alle im Keller – mit Hilfe der Digitalisierung haben wir jetzt die Chance, diesen Fundus in alle Sprachen und in alle Welt zu vertreiben“, kündigt Pressechef Felix Rudloff an.