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Die erwartete Anzahl liegt damit deutlich über dem Niveau des ablaufenden Jahres: 2007 blieb mit 44 IPOs am deutschen Kapitalmarkt erheblich unter dem Vorjahresniveau (76). Auch das Emissionsvolumen erreichte mit 7,35 Mrd. Euro nicht den 2006er Wert (7,59 Mrd. Euro), trotz mehrerer großer Emissionen. Eben diese Börsengänge fielen besonders negativ auf: Fünf der sechs größten liegen unter ihrem Ausgabepreis. Auch die Gesamtperformance der IPOs war 2007 klar negativ. Die große Frage lautet nun: Was wird uns das Jahr 2008 bringen?

Emissionsvolumen und Anzahl 2007 rückläufig

Emittenten und Investoren hatten es im ablaufenden Jahr schwerer als 2006. Rege Emissionsaktivität war nur zwischen März und Mitte Juli zu beobachten. In diesem Zeitfenster ging die Mehrheit der 2007er IPOs über die Bühne. Der heftige Einbruch an den Aktienmärkten im Zuge der Subprimekrise ab Ende Juli brachte das IPO-Geschäft dann für über zwei Monate völlig zum Erliegen. Erst Ende September fanden wieder IPOs statt, allerdings häuften sich im vierten Quartal Absagen und Pannen. Die von uns befragten Akteure sehen denn auch die erhöhte Volatilität an den Börsen als wichtigsten Grund für den Rückgang (Wichtigkeit:1,8; auf einer Skala von 1 für besonders wichtig bis 6 für unwichtig). Dahinter folgen allerdings hausgemachte Gründe des IPO-Marktes: So hätten zu hohe Ausgabepreise auf die Stimmung gedrückt (2,6). Auch Enttäuschungen der Vergangenheit wirkten nach (2,7).

Die Kleinen waren besser (oder weniger schlecht)

Die Kursperformance der IPOs im Sekundärmarkt war 2007 nachhaltig negativ. Bis zum Stichtag am 7. Dezember verloren die Börsenneulinge durchschnittlich (einfacher, nicht volumengewichteter Durchschnitt) fast 10% (siehe auch Marktanalyse S. 22). Dabei fällt auf, dass die größeren Börsengänge im Regulierten Markt in dieser Beziehung hinter jene im Entry Standard zurückgefallen sind. Dies fällt besonders ins Gewicht, da mehr große Börsengänge als im Vorjahr das Geschehen dominierten. Fünf der sechs größten IPOs verbuchten, wie Tab. 2 zeigt, jedoch Kursverluste in zweistellig prozentualer Höhe. Nur HHLA fällt positiv aus der Reihe. Der Hafenbetreiber war in diesem Jahr der größte Börsengang nach Marktkapitalisierung und der zweitgrößte nach Emissionsvolumen. In dieser Kategorie steht Tognum als größter Börsengang seit dem Jahr 2000 auf Platz eins.

1,2 Mrd. Euro kumulierter Wertverlust

Mit einer überraschend positiven Kursentwicklung hat sich inzwischen centrotherm auf Platz 4 der größten IPOs nach Börsenwert geschoben. Der Solardienstleister wurde von der Deutschen Börse bereits per Fast-Entry-Regel in den TecDAX-30 aufgenommen, wo auch Debütant Versatel vertreten ist. Tognum stieg im September in den MDAX auf, HHLA dürfte in absehbarer Zeit folgen. Weitere 2007er Börsendebütanten wurden in den SDAX aufgenommen, namentlich Gerresheimer, alstria office, Wacker Construction und Homag. Dies kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass vor allem die Großen für einen erheblichen Wertverlust aller IPOs verantwortlich zeichnen. So verloren alle 44 neuen Unternehmen seit ihrer Erstnotiz unter dem Strich 1,2 Mrd. Euro an Marktkapitalisierung, zuletzt repräsentierten sie noch einen Gesamtwert von 15,16 Mrd. Euro.

Beste Performance seit IPO: Twintec

Vortreffliche Zuwächse, aber auch schauderhafte Einbrüche erlebten die Anleger vorwiegend mit kleineren Unternehmen: Unangefochtener Sieger ist Twintec mit fast 94% Wertzuwachs. In der Spitze, Mitte Juli, lag der Rußpartikelfilterhersteller sogar 150% über seinem Ausgabepreis. Zum Weinen zumute war einem dagegen bei Anycom. Die Firma hatte mit ihren Bluetoothgeräten bisher keinen Erfolg, vom Startkapital ist heute nicht mehr viel übrig (-92,3%). Besonders erfreulich waren allerdings auch zwei größere Emissionen: wiederum centrotherm (+72,4%) und der chinesische Müllverbrenner ZhongDe (+42,1%). Zu den großen Enttäuschungen zählte dagegen der Biogasanlagenbauer EnviTec. Nach einem hoffnungsvollen Start ist die Aktie heute nur noch die Hälfte wert.

Ranking der Konsortialführer

Erfolgreichste Bank war 2007 die Citigroup (siehe Tab. 4). Die deutsche Emissionsabteilung des größten US-Finanzinstituts bewies bei der Auswahl ein glückliches Händchen: Mit HHLA und centrotherm setzte man auf zwei Überflieger aus Trendbranchen. Dahinter folgte die deutsche Investmentbank equinet. Im vergangenen Jahr noch mit der IPO-Zitrone ausgezeichnet, landete man nun mit Twintec und Daldrup gleich zwei Hits, weniger erfreulich war dagegen KTG Agrar. Geringe Kursgewinne gab es im Schnitt auch für die Börsengänge von Sal. Oppenheim. Alle anderen Konsortialführer liegen dagegen im Minus. Mit jeweils minus 40% landen Dresdner Kleinwort und die WestLB mit verunglückten IPO-Debütanten auf den hintersten Plätzen.

Welcher Experte lag für 2007 richtig? Sal. Oppenheim!

Wie in den Vorjahren wurden auch 2006 wesentliche Akteure des IPO-Marktes vom GoingPublic Magazin zu ihren Erwartungen für 2007 befragt. Damals wurden im Schnitt 68 IPOs in allen Segmenten (bei einer sehr weiten Spanne von 45 bis 90) erwartet, was einen nur leichten Rückgang bedeutet hätte. Folgerichtig lagen aus heutiger Sicht die eher konservativen Schätzer richtig. Die beste Prognose lieferte dabei Sal. Oppenheim. Die Banker lagen mit prognostizierten 40 IPOs insgesamt und 20 im Open Market/Entry Standard der Realität am nächsten. Im Regulierten Markt tippten nur die WestLB und Network Corporate Finance noch besser (23). Die WestLB ist bewies damit erneut einen guten Spürsinn: Schon 2006 lag das Institut mit seiner Prognose am besten. Die Anzahl der Listings sagte dagegen VEM richtig vorher – wie schon im Vorjahr. Mit einer sich klar gegenüber den anderen Teilnehmern abgrenzenden und mutigen Schätzung von 140 trafen die Münchner erneut ins Schwarze.

Ausblick 2008: Wieder mehr IPOs

Doch nun sind die Propheten vorsichtiger geworden: Mit durchschnittlich 55 (Median: 55) Aktienneuemissionen liegt die Zielgröße für 2008 deutlich niedriger als jene für 2007. Das sind allerdings immer noch 25% mehr IPOs, als 2007 tatsächlich erreicht wurden. Das Emissionsvolumen sehen die Experten ebenfalls über dem 2007er Niveau. Sie erwarten rund 8 Mrd. Euro. Der Median liegt hier allerdings bei 7 Mrd. Euro. Da die Höhe des Volumens de facto von wenigen großen Emissionen abhängt – Tognum, HHLA und Gerresheimer standen 2007 für mehr als die Hälfte der Erlöse –, ist eine Vorhersage jedoch stark spekulativ. Insofern wäre es durchaus möglich, dass bei mehr Börsengängen weniger Erlöse eingespielt werden – wie es der Median aller Einzelprognosen suggeriert. Die Zahl der Listings schätzen die Befragten auf 82 bis 146 und damit endlich höher als bei den viel zu niedrigen Vorjahreswerten.

Bezogen auf den regulierten Markt ist die Agentur Kirchhoff am zuversichtlichsten: Die Hamburger rechnen mit 35 IPOs im Prime und General Standard sowie einem Emissionsvolumen von rund 10 Mrd. Euro. IPOntix hat die höchste Schätzung für den Entry Standard/Open Market abgegeben, man rechnet mit 50 Börsengängen. Was die reinen Listings angeht, kommt das höchste Gebot diesmal von quirin mit 180. In Sachen IPOs sind die Berliner aber Skeptiker Nummer 1: Man erwartet einen Rückgang auf nur noch 35. Zurückhaltend bleibt auch Sal. Oppenheim. Der Prognosegewinner des ablaufenden Jahres rechnet in etwa mit so vielen IPOs wie 2007, nämlich 42, aber bei einem deutlich geringeren Emissionsvolumen von 6 Mrd. Euro.
Zur optimistischen Einschätzung der meisten Akteure passt, dass sie ein grundsätzlich gutes Börsenjahr voraus sehen. Das gilt sowohl für Aktien, Rohstoffe und den Euro, weniger aber für Immobilien-AGs (siehe Tab. 5). Ein Pferdefuß bleibt: Bei unserem DAX-Tippspiel gehen die Befragten nur von einem Endstand 2008 von durchschnittlich 8.321 Punkten aus (Median: 8.400). Wie eine deutlich geringere DAX-Gesamtperformance als in den Vorjahren mit einer höheren IPO-Zahl zusammenpasst, bleibt eine offene Frage, die das kommende Jahr beantworten muss

Die Prognose des GoingPublic Magazins

Zugegeben: Unsere eigene letzte Prognose traf ebenfalls nicht überall ins Schwarze. Anzahl und Volumen schätzten wir zu optimistisch ein. Hintergrund: Die Immobilienbranche entwickelte sich dürftig, so dass hier wesentliche IPOs und auch Emissionsvolumen fehlten. Bei den Listings lagen wir aber wesentlich besser als die damals befragten Akteure.

Im kommenden Jahr sehen wir keine klare Branchendominanz. Neben weiteren zahlreichen eher kleineren Technologie-IPOs dürften aber vor allem die Branchen Erneuerbare Energien und Immobilien wieder gewisse Schwerpunktsektoren werden. Größter Börsengang wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Evonik, mit dem wir trotz aller Unkenrufe fest rechnen. Skeptischer sind wir für die Deutsche Bahn – die politischen Querelen verheißen hier (noch) nichts Gutes. Als weitere Groß-IPOs warten MAN Roland, die HSH Nordbank oder Talanx in der Pipeline. Bei der Anzahl rechnen wir in etwa mit einer Emissionstätigkeit auf Vorjahresniveau, auch das Emissionsvolumen dürfte maximal den Wert von 2007 erreichen. Dieses hängt aber sehr stark an den erwähnten Groß-IPOs. Zwei Entwicklungen scheinen darüber hinaus absehbar: So dürften noch mehr Unternehmen aus China an die Frankfurter Börse kommen – Sal. Oppenheim erwartet sechs bis acht. Außerdem werden Private Equity-Gesellschaften für ihre Beteiligungen die Börse verstärkt als Exitkanal nutzen.

Der große Unsicherheitsfaktor bleibt die Wirtschaftssituation in den USA mitsamt ihrer keinesfalls gelösten Subprimeblase. Das Gros der Hypotheken mit variablen Zinsen steht nämlich erst im Jahr 2008 zur Umschichtung an, sodass man heute leider noch nicht den Boden des Fasses absehen kann. Und wie wir zur Genüge wissen, ist ein freundliches Börsenumfeld das A und O eines gleichfalls freundlichen Primärmarktes. Diejenigen Immobilien-IPOs übrigens, die uns bei unserer 2007er Prognose aufgrund ihrer Abwesenheit einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten, dürften – zumindest grob – nunmehr 2008 anstehen. Aufgrund der Unternehmenssteuerreform ist der eigentliche Startschuss für den deutschen REIT das Jahr 2008. Unter dem Strich bleiben wir jedoch betont skeptischer als das Gros der Befragten: Das Jahr 2007 hat einige bislang nicht abgeschlossene Baustellen hinterlassen.

Peter Mair, Falko Bozicevic

Prognose des GoingPublic Magazins für das Jahr 2008

1. Anzahl: Wir erwarten 2008 nur in etwa so viele IPOs wie im ablaufenden Jahr. Das wäre eine Spanne von knapp 40 bis gut 50.

2. Das Emissionsvolumen ist zum großen Teil spekulativ. Für das Jahr 2007 waren zum Zeitpunkt unseres Ausblicks weder Tognum noch HHLA absehbar. Dennoch: Ein wesentlich höheres Volumen als im Jahr 2007 erwarten wir nicht. Zwar stehen große IPOs in der Pipeline bereit: Talanx, HSH Nordbank, Kion. Doch deren Zeitpläne sind mehr als ungewiss. Für unsere Prognose setzen wir voraus, dass Evonik mindestens in der Größenordnung von Tognum kommt, die Deutsche Bahn wäre der Joker, mit einer Wahrscheinlichkeit unter 50%.

3. Listings: Zusätzlich werden bis zu 160 weitere Unternehmen ohne Neuemission den Weg an eine deutsche Börse finden.

4. Immobilien kommen zurück, da für die REIT-Aktiengesellschaften der eigentliche Startschuss erst 2008 ist – Totgesagte leben bekanntlich länger!

5. Unterschiedliche Entwicklung von Großen und Kleinen: Dieser Trend dürfte anhalten. In Zeiten nervöser Märkte ist Liquidität Trumpf, und große Titel bedeuten Liquidität. Kleinere Unternehmen müssen in dieser Beziehung mit Bewertungsabschlägen rechnen.

6. Die Gesamtperformance der IPOs wird sich 2008 verbessern, hier verstanden relativ zum Gesamtmarkt. Alles andere nämlich würde bedeuten, dass aus dem Jahr 2007 keine Lehren gezogen würden.

7. Aus China, Russland & CIS werden wir 2008 verstärkten Zulauf sehen. Es war der Sache nur hilfreich, dass Unternehmen wie zuletzt GCPC oder Asien Bamboo nicht per se zum Selbstläufer wurden. Nach dem erfolgreichen Debüt von ZhongDe waren die Erwartungen allseits bereits übertrieben hoch.

8. Unsere Prognose wird zur Makulatur, wenn die hohe Volatilität wie im zweiten Halbjahr 2007 anhält. Stabilere Verhältnisse am Kapitalmarkt sind seit jeher Voraussetzung für eine gute Primärmarktkonjunktur.