Die Transaktion
Plaziert werden bis zu 160.000 Stückaktien, davon stammen 123.000 Stück aus dem Besitz von Management und Mitarbeitern, 27.000 Stück aus einer Kapitalerhöhung. 10.000 Stück, die ebenfalls von Altaktionären kommen, stehen als Greenshoe zu Verfügung. Geordert werden können die Aktien sowohl bei Concord Effekten direkt als auch bei der comdirect bank sowie der DAB bank. Die MarketCap läge auf Basis der Preisspanne bei 19 bis 21 Mio. Euro, der Free Float bei 23 %.

Umfangreiches Nischenangebot
Spezialisiert ist ifa systems auf integrierte Softwarelösungen für Augenärzte und -kliniken. Dabei ermöglicht das Leistungsspektrum der Software mit über 40 Programmodulen nicht nur die Abrechnung mit Privatpatienten und Krankenkassen sowie das Praxis- und Klinikmanagement, sondern u.a. auch den Datenaustausch mit Berufskollegen, die Zusammenarbeit von Spezialisten, das Medizinmarketing und die Unterstützung bildgebender Verfahren der Hersteller augenarztspezifischer Instrumente. Angeboten werden zudem die dazugehörigen IT-Dienstleistungen inklusive der notwendigen Hardwareinfrastruktur sowie die benötigten Schulungen. Für die Zurverfügungstellung und Installation der Software bzw. einzelner Module berechnet ifa systems eine einmalige Gebühr. Während diese Zuflüsse im wesentlichen vom Neugeschäft abhängig sind, sorgen die periodischen Lizenzzahlungen (Runtime-Lizenzen), mit denen momentan ca. 80 % der gesamten Fixkosten abgedeckt werden können, für eine überaus hohe Planbarkeit der Ertragssituation. Dabei ist zu berücksichtigen, daß eine Kündigung der Lizenzen mit hohen Umstellungskosten beim Erwerber verbunden ist. Derzeit nutzen europaweit ca. 1.700 Anwender mit rund 6.000 installierten Arbeitsplatzlizenzen im Arzt- und Klinikbereich die Software der Gesellschaft.

Bewegte Historie mit „Aufs und Abs“
So kontinuierlich aufwärts wie in den vergangenen Jahren ging es mit dem Unternehmen bzw. seinen Vorgängergesellschaften allerdings nicht immer. Bereits 1984 gegründet und seit 1992 Marktführer bei Praxis-EDV für Augenärzte mußte die damalige ifa GmbH im Oktober 2001 Konkurs anmelden. Grund war der hohe Abschreibungsbedarf bei zwei „Internettöchtern“, die wohl insbesondere unter dem Eindruck des boomenden Neuen Marktes gegründet wurden und dem Unternehmen ursprünglich schon viel eher zu einem erfolgreichen Börsengang verhelfen sollten. Im Anschluß an die Insolvenz der GmbH gründeten Management und Mitarbeiter schließlich die heutige ifa systems AG und erwarben über diese Sachwerte und Softwarelizenzen von der insolventen Vorgängergesellschaft. Auf diese Weise war es möglich, das profitable Kerngeschäft in neuer Rechtsform weiterzuführen.

Überdurchschnittliche Transparenz
Für einen Freiverkehrswert äußerst anlegerfreundlich zeigt sich ifa systems bei der Bereitstellung von Unternehmensinformationen. So hat sich der Börsenkandidat freiwillig zu höherer Publizität verpflichtet als im Freiverkehr gefordert, so z.B. zur Erstellung eines Unternehmensprofils sowie zur Führung eines Unternehmenskalenders. Zudem will die Gesellschaft innerhalb von sechs Monaten nach Geschäftsjahresende testierte Jahresabschlüsse vorlegen und eine „Quasi-Ad-hoc-Pflicht“ erfüllen. Vertrauen in das eigene Unternehmen signalisiert die Lock-up-Periode von 24 Monaten, die nicht nur für die Organe der Gesellschaft, sondern auch für fast alle Mitarbeiter gilt.

Fazit:
Dem Unternehmen fließen durch die Kapitalerhöhung lediglich 820.000 Euro zu. Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, daß das Unternehmen frei von Fremdkapital ist und profitabel arbeitet. Positiv stimmen die freiwillige Transparenz, der Track Record sowie gut planbare Erträge aus den Runtime-Lizenzen. Am oberen Ende der Preisspanne ist die Aktie mit einem KGV von 15,7 fair, aber nicht günstig bewertet. Aufgrund des geringen Angebots und der positiven Resonanz auf der Emissions-Pressekonferenz dürfte das IPO erfolgreich verlaufen. Mittel- bis langfristig wird die Entwicklung der Aktie dagegen maßgeblich davon abhängen, ob es dem Management gelingt, das hierzulande überaus erfolgreiche Geschäftsmodell auch auf ausländische Märkte zu übertragen – und zwar ohne dabei kostenintensive Experimente zu wagen.

Dr. Martin Ahlers

Über den Autor

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