Breit aufgestellt
„Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“, fragt der Möbelgigant IKEA in einem Werbeslogan. Herzstück des Konzerns ist der Möbelproduzent Swedwood. Und dieser wiederum arbeitet mit Maschinen von Homag, so dass letztlich ein deutsches Unternehmen für den entsprechenden Wohlfühlfaktor sorgt. Die IKEA-Tochter zählt auch zu den größten Kunden von Homag. Die Gefahr einer Abhängigkeit bestehe aber nicht. „Kein Kunde macht mehr als 3 % unseres Umsatzvolumens aus“, stellt Vorstand Joachim Brenk gegenüber dem GoingPublic Magazin klar. Homag ist weltweit tätig und liefert an Kunden aus über 100 Ländern. Auch im Produktbereich sind die Schwaben breit aufgestellt. Von der Beratung für einzelne Maschinen bis hin zu einer ganzen Fabrik bietet die Firma alles aus einer Hand. Dabei stellt die Möbelfertigung das Kerngeschäft dar, das durch die Bereiche Bauelemente und Holzhausfertigung ergänzt wird.

Zweistellige Wachstumsraten
Noch aber hat die Wertschöpfungskette weiße Flecken. „Mit dem Geld aus dem Börsengang können wir die Prozesskette vervollständigen“, so Brenk. Damit das IPO auch klappt, hat Homag für das nötige Fundament gesorgt: 2006 legte der Umsatz um ein Fünftel zu, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sogar um 56 %. Unterm Strich verdiente der Holzbearbeitungsspezialist im vergangenen Jahr 22,2 Mio. Euro.

Besser als der Markt
Auch der Start ins neue Jahr ist geglückt. Im Auftaktquartal stieg der Umsatz um 23 %, das EBITDA wurde mehr als verdoppelt. Die operative Marge erreichte 14,2 %. Brenk bremst jedoch die Euphorie: „Das erste Quartal war außergewöhnlich gut. Das zweite Quartal wird aufgrund von Sondereffekten nicht ganz so gut wie das erste.“ Im Gesamtjahr will der Manager dennoch gut abscheiden: „Wir werden 2007 stärker wachsen als der relevante Markt.“ Experten gehen von einem Marktwachstum von 5 % aus. Homag plant, den Nettoemissionserlös von 35 bis 40 Mio. Euro für die Erweiterung der Produktpalette durch Akquisitionen und die Integration von spezialisierten Herstellerbetrieben, für den Aus- und Aufbau von regionalen Produktionskapazitäten im US-Dollar-Raum und für den Aus- und Aufbau des weltweiten Vertriebs- und Servicenetzwerks zu verwenden. 40 Mio. Euro sind jedoch nicht viel für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz, der in diesem Jahr die Schwelle von 800 Mio. Euro erreichen dürfte – dies ist rundgerechnet der Free Cashflow eines Jahres.

Homag – Geschäfts- und Kennzahlen

2006

2007e

2008e

2009e

Umsatz*

736,5

800,0

850,0

880,0

Nettoergebnis*

20,2

30,0

36,0

43,0

Gew. je Aktie

1,29

1,91

2,29

2,74

KGV min.**

22,5

15,2

12,6

10,6

KGV max.**

27,2

18,3

15,3

12,8

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quellen: Unternehmensangaben, eigene Schätzungen

**) auf Basis der Preisspanne von 29 bis 35 Euro


Bewertung
Mit einem geschätzten Marktanteil von 23 % ist Homag weltweit führend. Damit rangieren die Schwaben vor Konkurrenten wie der italienischen Biesse. Mit dieser muss sich Homag nicht nur im operativen Geschäft messen, auch an der Börse wird u.a. Biesse zum Vergleich herangezogen. Aktuell sind die Italiener mit dem 1,5fachen des für 2007 erwarteten Umsatzes bewertet. Auf Basis der Bookbuildingspanne kommt Homag maximal auf ein KUV von 0,7, weniger als die Hälfte also. Biesse ist deutlich profitabler, allerdings liegt deren KGV 2008 von knapp 17 klar über dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe von ca. 12. Mit 15,3 am oberen Ende zeigt Homag hierbei ebenfalls einen Aufschlag. Summa summarum ist die Prämie gegenüber dem Durchschnitt der Peer Group angebracht, da Homag einerseits vom laufenden Effizienzsteigerungsprogramm und andererseits von geplanten Produktionsinvestitionen profitieren wird. Beides sollte sich ab 2008 aufwärts in den Zahlen und Margen niederschlagen.

Fazit
Die Emissionsbewertung von Homag lässt noch Raum eine positive Kursentwicklung. Die vorbörslichen Taxen von 33 bis 35 Euro deuten derweil nicht auf Zeichnungsgewinne hin, sollte von den Konsortialführern eine Platzierung in der oberen Hälfte gewählt werden. Daher rät das GoingPublic Magazin nur bis zur Mitte der Bookbuildingspanne, also ca. 32 Euro, zu einer Zeichnung.

Christian Ingerl, Falko Bozicevic

Homag – Emissionsparameter
WKN

529 720

Erstnotiz

13. Juli

Zeichnungsfrist

bis 12. Juli

Bookbuildingspanne

29 bis 35 Euro

MarketCap

455 bis 549 Mio. Euro

Marktsegment

Amtlicher Handel (Prime Standard)

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

1,1 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung,

4,87 Mio. Aktien von Altaktionären plus 0,9 Mio. Greenshoe

Emissionsvolumen 200 bis 241,4 Mio. Euro

Konsortium

Dresdner Kleinwort, JP Morgan; Cazenove, LBBW

Free Float

max. 44 %

Internet

www.homag.de