Ein Blick zurück
Die in Birkenwerder bei Berlin ansässige Francotyp-Postalia (FP) entstand 1983 aus dem Zusammenschluss der beiden traditionsreichen Unternehmen Francotyp und Postalia, deren Gründung bereits rund 80 respektive 70 Jahre zurückliegt. Nachdem die Röchling-Gruppe im vergangenen Frühjahr den Ausstieg suchte, übernahmen das Management (15 %) und die beiden Private Equity-Gesellschaften Quadriga Capital (70 %) und Stockwell (15 %) das Aktienpaket. Zur Finanzierung des Kaufpreises wurde ein Kredit über 90 Mio. Euro aufgenommen und ein Gesellschafterdarlehen eingerichtet.

Frankieren, Kuvertieren, Organisieren
FP zählt zu den führenden international tätigen Herstellern von Frankier- und Kuvertiermaschinen. Bei den Frankiermaschinen kann FP in Deutschland auf einen Marktanteil von 45 % gemessen an der Zahl der installierten Einheiten verweisen, weltweit nehmen die Brandenburger mit ca. 260.000 im Einsatz befindlichen Systemen die dritte Position ein (Marktanteil: 9,1 %). Daneben bietet das Unternehmen in seinem After Sales-Bereich verschiedene Dienstleistungen rund um die eigenen Produkte und den Post-Verkehr an. Dazu zählen u.a. die Vermietung von Geräten, den Verkauf von Verbrauchsmaterialen sowie der Kundendienst und das Ersatzteilgeschäft. Mittlerweile entfallen auf diese zumeist wiederkehrenden und damit gut planbaren Umsätze knapp zwei Drittel der gesamten Erlöse.

Der Brief hat einen Feind und der heißt: Email
Weil immer mehr Korrespondenz auf elektronischem Wege über die Bühne geht, büßen die klassischen Kommunikationswege an Bedeutung ein. Im sogenannten „C-Segment“ – darunter fallen Unternehmen mit einem Aufkommen von über 2.000 Briefen Ausgangspost am Tag – macht sich der Trend zur Email in rückläufigen Umsätzen bemerkbar. FP konzentriert sich nicht zuletzt deshalb auf Kunden mit niedrigen bis mittlerem Postaufkommen der A- und B-Segmente (bis zu 2.000 Briefe pro Tag). Besonders das A-Segment verspricht trotz der skizzierten widrigen Bedingungen noch Wachstum.

Akquisitionen in angrenzende Geschäftsfelder
Teil der Unternehmensstrategie ist es, Aktivitäten rund um das Postdienstleistungsgeschäft zuzukaufen. Erst diesen Monat ging man zwei neue Beteiligungen an der Düsseldorfer freesort und der Berliner iab GmbH ein, deren Kaufpreise über die Erlöse aus dem IPO refinanziert werden sollen. freesort betreibt derzeit an vier Standorten in Deutschland Sortierzentren, die in den ersten neun Monaten 2006 über 27 Mio. Briefe weitergeleitet haben. iab hat sich dagegen als Spezialist für Outsourcing- und Hybrid-Mail-Lösungen positioniert. Hinter letzterem verbirgt sich ein System, bei dem die Kunden elektronisch ihre Briefe in das iab-Netzwerk einstellen können, die dann über eine Clearingstelle an die jeweiligen Hybrid-Netzpartner verschickt werden. In der Nähe des Empfängers werden die Sendungen dann ausgedruckt und kuvertiert. Beide Unternehmen befinden sich noch in der Investitionsphase.

Geschäftszahlen Francotyp-Postalia

2005

2006e

2007e

Umsatz*

136,4

143,0

156,0

Nettoerg.*

-0,7

2,5

6,8

EpS

-0,06

0,17

0,46

KGV max.**

n. ber.

132,3

48,6

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: Eigene Schätzungen
**) auf Basis der Bookbuilding-Spanne


Private Equity macht Kasse
Noch bis zum 29. November können Investoren innerhalb der Preisspanne von 18,00 bis 22,50 Euro Zeichnungsaufträge erteilen. Im vorbörslichen Geschäft verläuft der Handel jedoch bislang äußerst schleppend. Die Taxen bewegen sich unterhalb von 18 Euro. Eine Senkung der Preisspanne könnte vonnöten sein, auch wenn dies bis dato noch dementiert wurde. Abgesehen davon, dass das IPO-Klima trotz haussierender Märkte alles andere als optimal ist, scheint in diesem konkreten Fall auch die Struktur der Transaktion alles andere als zu überzeugen. Die bis zu 8,5 Mio. angebotenen Aktien stammen zu einem überwiegenden Teil aus dem Besitz der beiden Private Equity-Gesellschaften. Allein Quadriga will bis zu 4 Mio. Anteile abstoßen. Zudem trennen sich auch die drei Vorstände von einem Teil ihrer jeweils 5%-igen Aktienpakete. Nur 2,7 Mio. Stücke und damit rund 30 % des maximalen Emissionsvolumens entfallen auf eine Kapitalerhöhung. Würde der Greenshoe nicht platziert – wonach es augenblicklich auch nicht aussieht – fiele die Quote mit 36 % nur unwesentlich höher aus. Der Börsengang hat für die Gesellschafter aber noch einen weiteren angenehmen „Nebeneffekt“. Sie sollen ihr eigentlich bis Ende 2013 gewährtes Gesellschafterdarlehen über ca. 14 Mio. Euro vorzeitig zurückbezahlt bekommen.

Fazit
Mit dem Verweis auf die starke Marktstellung besonders bei Frankiermaschinen und steigenden operativen Margen von zuletzt 21,5 % (auf EBITDA-Basis) versucht das Management, die eigene Equity-Story so gut es geht zu verkaufen. Die anstehende vollständige Liberalisierung des deutschen Briefmarktes sollte einem Unternehmen wie FP am Kapitalmarkt eigentlich Rückenwind verleihen, de facto trifft für den Börsengang aber das Gegenteil zu. Die hohe Abgabequote der Alteigentümer überzeugt nicht gerade, ebenso die nicht unerhebliche Nettoverschuldung von rund 65 Mio. Euro. Daher empfiehlt es sich auf Basis der aktuellen Preisvorstellungen von einer Zeichnung Abstand zu nehmen.

Marcus Wessel

Francotyp-Postalia – Emissionsparameter
WKN

FPH 900

Erstnotiz

30. Nov

Zeichnungsfrist

15. bis 29. November

Bookbuildingspanne

18,00 bis 22,50 Euro

MarketCap

116 bis 140 Mio. Euro

Marktsegment

Amtlicher Handel (Prime Standard)

Emissionsvolumen

bis zu  8,51 Mio. Aktien,

 davon 2,7 Mio. aus Kap.erh.,

5,8 Mio. von Altaktionären

inkl. 1,11 Mio. Greenshoe

153,2 bis 191,5 Mio. Euro

Konsortium

Cazenove (Lead), Commerzbank (Co-Lead)

Free Float

max. 57,9 %

Internet

www.francotyp.com