Vom 18. bis zum 20. Oktober können die Aktien der Eurofins Scientific S.A. (WKN 910 251) gezeichnet werden. Die Bookbuilding-Spanne liegt bei 35 bis 40 Euro. Der endgültige Emissionspreis, der sich am Kurs der Eurofins-Aktie am Nouveau Marché zu diesem Zeitpunkt orientieren wird, soll am 25. Oktober veröffentlicht werden. Insgesamt werden bis zu 1,155 Mio. Aktien ausgegeben, von denen 1,1 Mio. aus einer Kapitalerhöhung stammen. Lediglich der Greenshoe in Höhe von 55.000 Aktien wird von den Altaktionären bereitgestellt. Neben dem Konsortialführer West/LB Panmure begleiten HSBC Trinkaus & Burkhardt und Crédit Lyonnais den Börsengang. Nach der Emission wird der Free Float unter Berücksichtigung der Mehrzuteilungsoption bei rund 47 % liegen.

Die 1987 gegründete Eurofins Scientific S.A. bietet Dienstleistungen im Bereich der Bioanalytik an. Mit rund 3.000 verschiedenen Methoden kann das Unternehmen Inhaltsstoffe in Pharmazeutika und Lebensmitteln identifizieren und deren Herkunft bestimmen. Dazu werden die durch die Analyse gewonnenen Ergebnisse mit Daten einer eigenen, umfangreichen Bibliothek verglichen. Kunden wie Lufthansa, Nestlé, Procter & Gamble, Novartis und Pfizer greifen auf das Angebot der Franzosen zurück, um die Qualität der eigenen Produkte sicherzustellen.

Der Weltmarkt für Lebensmittelanalysen hat ein Volumen von etwa 2,5 Mrd. US-$ und wächst nach Schätzungen von Frost & Sullivan mit rund 15 % jährlich. Dem Segment der Identifizierung genetisch modifizierter Organismen, sogenannter GMOs, billigt das Marktforschungs-Unternehmen Theta ein Wachstum von 63 % p.a. zu. Auf diesen attraktiven Bereich will sich Eurofins in Zukunft stärker ausrichten. Dies soll neben zahlreichen vorgesehenen Akquisitionen die für die nächsten fünf Jahre geplanten Wachstumsraten von 35 % beim Umsatz und 100 % beim Gewinn ermöglichen. Zu den zahlreichen Konkurrenten zählt auf dem bei Eurofins noch im Aufbau befindlichen Gebiet der GMO-Analyse auch die Freiburger GeneScan Europe AG.

Das zwar solide, aber mit einer Nettoumsatzrendite von 2,5 % margenschwache Geschäft der klassischen Lebensmittelanalyse weckt sicher weniger Phantasie für die Eurofins-Aktie als die Hoffnung auf ein schnelles Wachstum bei der Identifizierung genetisch modifizierter Organismen. Obwohl Eurofins den Forschungsvorsprung von GeneScan in diesem Bereich nach eigenen Angaben mittlerweile aufgeholt hat, muß sich das französische Unternehmen mit seiner Technologie erst noch gegen die Biochips aus Freiburg bewähren. Bei der Integration geplanter Unternehmenszukäufe lauern weitere Risiken. Anleger, die auf einen Erfolg der Unternehmensstrategie oder auch nur auf Zeichnungsgewinne vertrauen, haben in den letzten Wochen den Kurs der Eurofins-Aktie am im Vergleich zum Neuen Markt recht illiquiden Nouveau Marché von 15 auf mittlerweile über 38 Euro getrieben. Damit ist die Aktie bei von GoingPublic erwarteten Gewinnen von 0,17 Euro je Aktie in 2001 mit einem KGV von über 200 bewertet.

Selbst bei Wachstumsraten von 100 % beim Gewinn ist dies eindeutig zu teuer. Daher bleibt GoingPublic bei der in der Oktober-Ausgabe des GoingPublic Magazins geäußerten Empfehlung, die Aktie nicht zu zeichnen. Anleger, die im Vorfeld bereits in Frankreich gekauft haben, sollten Gewinne mitnehmen.

Eine ausführliche Analyse des Unternehmens finden Sie auch im GoingPublic Magazin 10/00, S. 34.

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