Schon der Gedanke an den Besuch beim Zahnarzt und das Sirren des Bohrers verursacht bei vielen eine Gänsehaut. Das könnte sich jedoch ändern, wenn sich die Entwicklungen der Elexxion AG durchsetzen. Das Unternehmen aus Radolfzell am Bodensee entwickelt und produziert spezielle Dental-Laser-Systeme und nimmt in dem noch kleinen Markt schon vier Jahre nach der Gründung eine führende Position ein. Ein Viertel aller neuen Laser in Deutschlands Zahnarztpraxen stammt aus dem Hause Elexxion, und mit den Mitteln aus dem Börsengang soll nun der Markt forciert angegangen werden.

Problematik
Obwohl der Einsatz von Diodenlasern schonender für den Patienten ist und auch bessere Ergebnisse liefert, arbeiten nämlich erst 10 % der Zahnärzte mit dem neuen System. Viele zeigen sich noch sehr skeptisch, nachdem sie in den 90er Jahren schon einmal auf die vollmundigen Versprechungen in die Möglichkeiten des Lasers vertraut haben, die damals jedoch noch nicht erfüllt werden konnten. Heute ist die Technologie zwar deutlich weiterentwickelt und eröffnet völlig neue Anwendungsfelder, es muss aber noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Durchbruch mit Kombinationslaser
Das damalige Hauptproblem, dass nicht alle Indikationen mit der gleichen Wellenlänge behandelt werden können, haben die Tüftler vom Bodensee durch die Kombination eines Diodenlasers mit einem so genannten Er:YAG-Laser gelöst. Der „elexxion delos“ kann nun sowohl bei Hartgewebe (Zähne) wie auch bei Weichgewebe (Zahnfleisch) eingesetzt werden – und dies mit großem Erfolg: So gelingt es bei einer Zahnfleischentzündung mit der konventionellen Behandlung oftmals nicht, die Keime komplett abzutöten, während dies durch den Einsatz eines Diodenlasers umfassend geschieht und so eine neuerliche Entzündung vermieden werden kann. Zudem ist der Laser schonender für das Gewebe und es fließt weniger Blut. Auch der vibrierende und deshalb sehr unangenehme Bohrer lässt sich mit der neuen Technologie durch eine weitgehend schmerzfreie Laserbehandlung ersetzen.

Geschäftszahlen Elexxion

2005

2006e

2007e

Umsatz*

1,9

3,0

4,5

Nettoerg.*

-0,37

-0,15

0,40

EpS

-0,11

-0,04

0,11

KGV max.**

neg.

neg.

48,1

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: eigene Schätzungen

**) auf Basis der geschätzten Bookbuilding-Spanne


Marktdurchdringung als zentrales Thema
Mit ihren Lasern erzielten die Radolfzeller im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,9 Mio. Euro und waren damit klar der Marktführer in dem sektormäßig noch kleinen Bereich. Mit den Mitteln aus dem Börsengang soll nach den Jahren der Entwicklung nun die Marktdurchdringung im Mittelpunkt stehen und der Markt in Deutschland und Europa verstärkt angegangen werden. Nach der Zulassung durch die FDA ist auch der Markteintritt in den USA geplant, doch dies erst mittelfristig, wie Vorstandsvorsitzender Olaf Schäfer gegenüber dem GoingPublic Magazin erläutert. Zurzeit ist Elexxion in sieben europäischen Ländern vertreten, der Exportanteil beläuft sich auf knapp 50 %, aber mit stark steigender Tendenz. Eine Bewertung von Elexxion anhand von Kennzahlen erscheint schwierig, wenn man berücksichtigt, dass sich der Einsatz der Mittel aus dem Börsengang erst in Jahren niederschlagen dürfte. Das optische hohe 2007er KGV von mehr als 40 ist daher für sich allein nicht aussagekräftig.

Fazit
Im Rahmen des öffentlichen Angebots werden ausschließlich Aktien aus einer Kapitalerhöhung ausgegeben, lediglich der (prozentual kleine) Greenshoe stammt von Altaktionären. Der Markt ist erst zu einem Bruchteil erschlossen, und die Systeme dürften sich großer Nachfrage erfreuen, wenn sie erst einmal weiter an Bekanntheit gewonnen haben und sich die Tauglichkeit in Zahnarztpraxen herumgesprochen hat. Zudem eröffnen sich ständig neue Anwendungsmöglichkeiten für die Lasertechnologie, die vielleicht irgendwann all die unangenehmen Geräte in den Praxen ersetzen kann. Die vorbörslichen Taxen deuten an, dass sich keine Zeichnungsgewinne ergeben werden. Obwohl wir Elexxion für interessant halten, raten wir daher vorsichtshalber von einer Zeichnung ab. Bei Interesse dürfte man zu ähnlichen Kursen wie dem Ausgabepreis – sicherlich am unteren Ende der Preisspanne – über die Börse kaufen können.

Matthias Wahler

Elexxion – Emissionsparameter

WKN

A0K FKH

Erstnotiz

31. Okt

Zeichnungsfrist

20. bis 26. Oktober

Bookbuildingspanne

4 bis 5,50 Euro

MarketCap

14 bis 19,3 Mio. Euro

Marktsegment

Open Market (Entry Standard)

Em.volumen

0,8 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung;

0,12 Mio. Aktien von Altaktionären;

3,7 bis 5,1 Mio. Euro

Konsortium

VEM Aktienbank

Free Float

26,3%

Internet

www.elexxion.de

Über den Autor

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