Die seit ihrer Gründung 1983 profitable Highlight Communications AG, Pfäffikon, Schweiz, will mit dem frischen Kapital aus dem Börsengang konsequent die Wachstumschancen nutzen.

Unternehmenshistorie
Anfang der 80er Jahre war der Markt für den Verleih von Videos aufgrund der geringen Anzahl der TV-Sender in Europa ein Wachstumsmarkt par excellence. 1983 begann Highlight Communications deshalb mit dem Videolizenzhandel. 1986 wurde die Schweizer Videohandelskette Joe`s übernommen und zum Marktführer ausgebaut. Mit der steigenden Anzahl der Free-TV-Sender und dem Aufkommen des Pay-TV wurde dann bis 1990 die Verwertungskette um die TV-Rechte verlängert. In der Regel kauft Highlight die Verwertungsrechte für den deutschsprachigen Raum für Kino, Pay-TV, Free-TV und Video/DVD für 20-25 Jahre. Über eine komplette Verwertungskette zu verfügen hat sich in der Medienbranche zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil entwickelt, da sich zum einen Cross-Selling-Potentiale erschließen lassen und zum anderen die Einkaufsmacht größer wird.

Geschäftsbereich Kino
Seit 1989 brachte Highlight Communications 50 Filme ins Kino, für das laufende Jahr sind sechs Kinostarts geplant. Ziel des Unternehmens ist es, die Anzahl auf 8-10 pro Jahr zu erhöhen. Demnächst werden z.B. die Filme „Die Häupter meiner Lieben“ und „Star Force Soldier“ im Kino zu sehen sein. Schwerpunkt des Filmeinkaufs sind Unterhaltungsfilme, die ein hohes Ertragspotential aufweisen. Hohes Ertragspotential heißt, daß die Erträge aus der kompletten Verwertungskette um ein Vielfaches höher sein sollten als die Lizenzkosten. Filme mit teuren Starbesetzungen wie „Titanic“ weisen nur in drei von zehn Fällen günstige Kosten/Ertragsrelationen auf. Um interessante Filmrechte zu akzeptablen Preisen zu erwerben sind Kontakte, ein ausgeprägtes Gespür für Trends und Marktveränderungen notwendig, diese Eigenschaften verringern natürlich auch die Risiken eines Flops.

TV-Rechte
1998 dürfte Highlight Communications ca. 100 Mio. Zuschauer im Free-TV erreicht haben (siehe Tabelle). Die umfangreiche Library mit 700 Filmen bietet dem Unternehmen eine hohe Flexibilität. Ausgelöst durch den Kinoerfolg von z.B. „Scream“ entstand eine Nachfrage nach Horrorfilmen, die Highlight aus den vorhanden Rechten schnell decken konnte. Als Verwaltungsrat für den Bereich TV wurde der langjährige Programmdirektor des Privatsenders RTL, Marc Conrad, gewonnen, der über ein hohes Branchen Know-How verfügt.

Video/DVD
Der Bereich Video/DVD ist das „Brot und Butter“-Geschäft von Highlight Communications, das als wesentliches Standbein zum Umsatz des Unternehmens beiträgt. In Deutschland erfolgt der Vertrieb über den Videogroßhandel, in der Schweiz direkt über die Joe`s Filialen, die mit 140.000 Mitgliedern klarer Marktführer sind. DVD ist in diesem Bereich das Zauberwort, das für Wachstum sorgen soll, da dieses Medium neue Vertriebs- und Informationsmöglichkeiten bietet. Die eigenen Videotheken werden zudem als Vertriebsweg für Merchandising-Produkte genutzt.

Neue Medien
Die Mittel aus dem Börsengang sollen auch in den Bereich Neue Medien investiert werden. Darunter versteht Highlight Communications zum einen den zukunftsträchtigen Bereich e-Commerce, aber auch ein neuartiges Vertriebskonzept mit Namen ShopNet. An vier Standorten in der Schweiz sind aktuell vier Prototypen im Einsatz, die ungefähr die Größe einer Telefonzelle und bis zu 420 Produkte vorrätig haben. Dabei sollen in Zukunft auch Produkte via Internet bestellt und am nächsten ShopNet abgeholt werden können. Diese intelligenten Automaten sollen an möglichst vielen zentralen Orten aufgestellt werden und ermöglichen z.B. nach dem Besuch eines Filmes den sofortigen Kauf eines T-Shirts der Hauptdarsteller. Auch für den Verleih und die Rückgabe von Videos kann ShopNet genutzt werden und bietet neben einem neuen Vertriebsweg auch Kostenersparnisse gegenüber dem Betrieb einer Videothek sowie die Möglichkeit zum Business ohne einschränkende Ladenschlußzeiten.

Börsengang
Durch den Gang an den Neuen Markt will Highlight Communications sich die Mittel für die geplanten Investitionen beschaffen. Der Free Float soll bei ca. 25 % liegen, die Venture Capital-Tochter der ABN AMRO Bank wird 11 % halten, der Rest verteilt sich auf Gründer und Management. Der Einstieg der renommierten ABN AMRO sorgte für einen höheren Bekanntheits- und Bonitätsgrad. Zielsetzung von Highlight Communications ist es, zu einem Key-Player in allen Bereichen des Filmrechte-Einkaufs und deren Verwertung im deutschsprachigen Raum zu werden.

Geschäftszahlen und Bewertung
Im Geschäftsjahr 1998 erzielte Highlight Communications einen Umsatz von 43 Mio. SFr nach IAS Pro Forma und einen Gewinn von 0,8 Mio. SFr. Die bisherige Geschäftsentwicklung war konservativ finanziert, so verfügt Highlight Communications über eine Eigenkapitalquote von 79 % (30,4 Mio. SFr). Innerhalb von drei Jahren werden die Erstverwertungsrechte zu 85 % abgeschrieben. Dies führt zu einem geringeren Gewinnausweis, der Cash-Flow (1998: 7,5 Mio. SFr) zeigt aber die innere Ertragskraft des Unternehmens. Am ehesten kann Highlight Communications mit Kinowelt Medien verglichen werden, da beide Unternehmen über eine komplette Verwertungskette verfügen und konservativ abschreiben. Allerdings ist Kinowelt Medien um einiges größer (Umsatz 1998: 220 Mio. DM) und schon länger am Neuen Markt etabliert. Das aktuelle KGV 2000 der Kinowelt von ca. 68 wäre für Highlight Communications daher zu hoch gegriffen.

Fazit:
Mit Highlight Communications wird der Neue Markt um eine interessante Medienaktie bereichert, die zum einen über eine komplette, diversifizierte Verwertungskette und zum anderen mit ShopNet über eine innovative Vertriebsform verfügt. Die bisherige Geschäftspolitik war wohltuend konservativ und läßt auf die Vermeidung teurer Flops hoffen. Ohne über genauere Zahlen zum Börsengang zu verfügen, ist bis zu einem Emissions-KGV von 30 auf Basis des für das Jahr 2000 geschätzten Gewinns uneingeschränkt zur Zeichnung zu raten.

 

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Über den Autor

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