Erster Handelstag im Amtlichen Handel der Frankfurter Wertpapierbörse ist voraussichtlich der 20. November. Während die Zeichnungsfrist für Privatanleger am 16. November endet, gewährt der neuformierte „Logistikkonzern“ den institutionellen Investoren eine Überlegungsfrist bis inklusive 17. November. Privatanleger kommen dafür in den Genuß eines Abschlages von 0,50 Euro auf den Emissionspreis, sofern die Order bis zum 10. November vorliegt. Ähnlich der Telekom-Emission gilt darüber hinaus folgende Regelung: Wer seine Aktien bis mindestens 30. November 2002 hält, bekommt im Verhältnis 1 zu 15 Bonusaktien zugeteilt.

Begleitet wird die Emission von der Deutschen Bank sowie UBS Warburg (Joint Lead). Darüber hinaus sind folgende Konsortialbanken für den deutschen Markt zuständig: HypoVereinsbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank, DG Bank, Dresdner Bank, Postbank EasyTrade sowie die WestLB. Die Mindestorder beträgt 50 Aktien. Kunden der Postbank-Gruppe, die am 5. September 2000 Kunden waren und bis einschließlich 19. Oktober ein Depot bei der Postbank EasyTrade AG eröffnet haben, erhalten dabei eine bevorrechtigte Zuteilung. Gleichzeitig können Anleger in sieben europäischen Ländern die Post-Aktie zeichnen (Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Spanien).

Ingesamt sollen 278,2 Millionen Aktien plaziert werden. Dies entspricht einem Volumen von bis zu 6,4 Mrd. Euro. Bei Ausübung des Greenshoes von zusätzlich 41,73 Mio. Aktien im Volumen von knapp 1 Mrd. Euro liegt der Free Float bei 29 %. Der Börsenwert des „Gelben Riesen“ liegt am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne bei rund 26 Mrd. Euro. Die Aktien stammen komplett aus einer Umplazierung der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die sich zu 80 % im Besitz des Bundes befindet. Für die Emission der nächsten Tranche wurde noch kein Zeitplan genannt.

Die Deutsche Post wagt sich in einem freundlichen Branchenumfeld an die Börse. Allerdings hinkt der Vergleich mit den Logistikern am Neuen Markt deutlich. Cash Cow der vier Bereiche Brief, Express, Logistik und Finanzen ist noch immer – dank Monopolstellung – der Briefbereich. Bei 35 % Umsatzanteil wurden hier im ersten Halbjahr 2000 rund 77 % der Gewinne erzielt. Diese „Lizenz zum Gelddrucken“ erlischt allerdings Ende 2002. Bedenklich stimmt hier die Aussage von Post-Vorstand Dr. Klaus Zumwinkel auf der Emissions-Pressekonferenz, daß auch im Jahr 2002 noch 50 % der Gewinne aus diesem Bereich kommen sollen. Diese dürften in den Folgejahren dahinschmelzen wie Eis in der Sonne.

Deutlich weiter ist die Deutsche Post dagegen mit der Internationalisierung. So wurden im ersten Halbjahr 28 % der Umsätze im Ausland getätigt (1. HJ 1999: 14 %). Zum Ziel, der weltweit führende Logistikkonzern mit integrierten Brief-, Express-, Logistik- und Finanzdienstleistungen zu werden, ist es noch ein weiter Weg…

Der Konzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 22,363 Mrd. Euro, wobei ein Jahresüberschuß von 1,117 Mrd. Euro erzielt wurde. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden bei einem Umsatz von 15,739 Mrd. Euro nach Steuern 1,139 Mrd. Euro erwirtschaftet. Die Umsatzrendite (bezogen auf das EBITDA) stieg im ersten Halbjahr auf 8,9 %, während im ersten Halbjahr 1999 nur 5,8 % des Umsatzes verdient wurden. Die hohen Wachstumsraten sind jedoch in erster Linie auf Zukäufe zurückzuführen. Bei einem erwarteten 2001er Gewinn je Aktie von rund 1,30 Euro ist die Aktie mit einem Emissions-KGV von 14 bis 18 bewertet. Die bereits börsennotierte niederländische TNT Post Groep ist etwa mit dem 20fachen 2001er Gewinn bewertet.

GoingPublic empfiehlt, die „Aktie Gelb“ zu zeichnen. Allerdings sollten Anleger die Entwicklung genau im Auge behalten.

Ausführliche Informationen zum Börsengang der Deutschen Post finden Sie im „IPO-Special – Deutsche Post AG“ sowie in einem Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Klaus Zumwinkel. Eine erneute Analyse zur Deutschen Post erhalten Sie nochmals kurz vor Ende der Frühzeichnungsphase (10. November).

 

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