Bestes Beispiel dafür ist die cash medien AG, die ihre Aktien Mitte September an den Geregelten Markt brachte. Am oberen Ende der Bookbuildingspanne bei 11,40 Euro wurde der Emissionspreis festgesetzt. Auf diesem Niveau errechnete sich auf Basis der Erwartungen für 2002 noch ein Kurs/Umsatz-Verhältnis von etwa 11(!). Die Quittung erhielten die Verantwortlichen sofort: Der Kurs liegt mittlerweile bei 5,35 Euro.

Ebenfalls wenig sensibel zeigen sich die Konsortialbanken bei der Emission der CCR Logistics Systems. 45 Franchise-Nehmer des Münchner Entsorgungs- und Recycling-Spezialisten bilden ein bundesweites Netzwerk. Das Angebotsspektrum reicht von der Entsorgung über die Entwicklung von Qualitätsstandards bis hin zur Umsetzung verschiedenster Vorschriften wie Arbeitssicherheit und Gefahrengutverordnung. Das Unternehmen will den Umsatz von 9,25 Mio. Euro im Jahr 1998 auf beachtliche 26,71 Mio. Euro im Jahr 2000 steigern. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt aber nicht nur von CCR, sondern sehr stark auch vom Gesetzgeber ab, der die Prognosen durch neue Vorschriften schnell zunichte machen kann. Der Break-Even soll im nächsten Jahr überschritten, und ein Gewinn von 0,11 Euro/Aktie erreicht werden, woraus sich ein Emissions-KGV von stolzen 25,5 bis 30 errechnet. Da die Aktien am Prädikatsmarkt der Bayerischen Börse gehandelt werden sollen, dürfte das Medien- wie das Anlegerinteresse schwer zu stimulieren sein. Trotz der interessanten Branche und der vielversprechenden Geschäftsentwicklung scheinen die Risiken bei diesem Wert zu dominieren.

Auch die Aktien der TV-Produktions- und Distributionsgesellschaft TEAM Communications Group sollten nicht blind gezeichnet werden. Das Unternehmen wird bereits seit 1998 unter dem Kürzel „TMTV“ an der Nasdaq gehandelt.Ob TMTV genauso erfolgreich sein wird, wie sein Namensvetter, sei einmal dahin gestellt. Die Umsatz- und Ertragsprognose scheint jedenfalls wenig konservativ. So soll der Umsatz von 13,6 Mio. US-$ im Jahr 1998 auf 26,7 Mio.US-$ im Jahr 2001 steigen. Im selben Zeitraum wird von einer Gewinn-Versechsfachung auf 3 Mio. US-$ ausgegangen. Die Gefahr, daß diese ehrgeizigen Ziele durch höhere Produktionskosten oder rechtliche Probleme bei Lizenzverträgen nicht erreicht werden können, ist groß. Dies sollte, obschon das 2001er Emissions-KGV von 13 günstig erscheint, berücksichtigt werden.

Mit der Orad Hi-Tec Systems Ltd. befindet sich das nächste israelische Unternehmen auf dem Sprung an den Neuen Markt. Orad sieht sich als Weltmarktführer in den Bereichen virtuelle Studiotechnologien, virtual Advertising und Graphiksoftware für Sportveranstaltungen sowie Internetanwendungen. Der Umsatz soll von 12 Mio. Euro in 1999 auf 31,5 Mio. Euro im Jahr 2001 steigen soll. Für dieses Jahr wird noch mit einem Verlust von 0,15 Euro/Anteil gerechnet. Nach dem Break-Even soll 2001 ein Gewinn von 0,71 Euro je Anteil erwirtschaftet werden. Das Emissionsvolumen von 2,5 Mio. Aktien stammt komplett aus einer Kapitalerhöhung. Nur der Greenshoe von 375.000 Aktien wird von den Altaktionären gestellt. Das Emissions-KGV liegt mit 20 bis 25 – unter dem Aspekt des starken Wachstums und der technologischen Führerschaft – auf einem moderaten Niveau. Zudem erscheint die Tatsache, daß sich vor kurzem der Chip-Hersteller Intel mit 5 Mio. US-$ an Orad beteiligt hat, sehr interessant. Gemeinsam wollen die Firmen Internet-bezogene Technologien entwickeln. Trotz allem sollten für den Einstieg erste Kurse abgewartet werden. 

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