Spütz Wertpapier-Handelshaus fungiert als alleiniger Konsortialführer bei der Emission von Börse Inside (WKN 797 639). An den Markt gebracht werden 0,3 Mio. Stammaktien, von denen 0,2 Mio. aus einer Kapitalerhöhung und der übrige Teil, einschließlich eines Greenshoes von 0,03 Mio. Aktien, aus Altaktionärsbesitz stammen. Nach dem Börsengang wird der Free Float bei maximal 27,5 % liegen, vorausgesetzt, die Mehrzuteilungsoption würde tatsächlich voll ausgeübt werden.

Bevor Redaktions-Geschäftsführer Arno Ruesch den Börsenbriefverlag Börse Inside übernahm, war er schon seit 1993 mit dem „Emerging Markets Investor“ erfolgreich. Die beiden Verlage wurden wenig später unter einem Dach zusammengefaßt und die Produktpalette auf inzwischen neun Börsenbriefe erweitert. Mit diesen wird ein breites Spektrum von Interessenten angesprochen: Von Optionsscheinen über Fonds bis hin zu Emerging Markets ist alles vertreten.

Die geplante Ausweitung und Komplettierung des Produktangebots soll sich auch auf gezieltes Merchandising sowie den Einstieg in die Vermögensverwaltung erstrecken. Neben der Expansion ins deutschsprachige Ausland ist auch die Lizenzierung von US-Börsenbriefen beabsichtigt. Das erklärte Ziel von Börse Inside ist nicht weniger, als eine maßgebliche Rolle im europäischen Konzert der Börseninformationsdienste zu spielen. Viele kleinere Anbieter, die in der Boomphase 1999/2000 ihre Chance witterten, sind schon wieder von der Bildfläche verschwunden oder werden es in Kürze sein. Von diesem Ausleseprozeß möchte Börse Inside profitieren, indem man sich rechtzeitig eine Akquisitionswährung in Form von börsennotierten Aktien verschafft.

Die Entwicklung des Geschäfts von Börse Inside ist extrem stark mit der jeweiligen Börsenphase verknüpft. So bekam das Unternehmen die Baisse des Jahres 2001 mit einem Rückgang der Abo-Zahlen von 22.000 auf 15.000 deutlich zu spüren. Nichtsdestotrotz verfolgt Börse Inside ein überaus ehrgeiziges Vorhaben: Nach eigenen Angaben soll die Wachstumsdynamik „im zweistelligen Bereich gehalten und dabei gleichzeitig die Profitabilität gestärkt“ werden. Für das vergangene Jahr zumindest hatte sich diese Dynamik in die Gegenrichtung verkehrt (siehe Tabelle). Die Planungen von Börse Inside (im Verbund mit der Trigon Wertpapierhandelsbank) hält GoingPublic Research für reinen Zweckoptimismus. Für die ausgewiesenen Planzahlen wäre eine umgehende Wiederaufnahme der Jahrhundert-Hausse der späten 90er Jahre erforderlich. Angesichts der weiterhin wenig eindeutigen Börsenperspektiven ist völlig unklar, ob das laufende Jahr überhaupt ein Wachstum hervorbringen kann.

 

2000

2001e

2002e

Umsatz (Mio.)

4,2

3,1

5,2

EPS

0,50

0,26

0,85

(Quelle: Trigon Wertpapierhandelsbank; alle Angaben in Euro; 1,2 Mio. Aktien)

Fazit

Die Emissionsbewertung auf Basis der 2001er Zahlen – da die des laufenden Jahres extrem wackelig sind – weist ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 3 aus, was nicht nur in der aktuellen Börsenphase eindeutig zu hoch ist. Daß die Profitabilität trotz der geplanten Expansion inklusive erforderlicher Anschubinvestitionen beibehalten oder sogar gesteigert werden kann, muß ernsthaft bezweifelt werden. Das IPO ist eine Wette auf ein sich schnell besserndes Börsenklima. Angesichts der unübersehbaren Risiken rät GoingPublic von einer Zeichnung ab.

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