Prof. Dr. Heinrich Degenhart und Steve Janner, M.A., Professur für Finanzierung und Finanzwirtschaft, Leuphana Universität Lüneburg

Der deutsche Corporate-Bond-Markt ist seit Ende 2010 stark gewachsen. Bis Mitte 2012 stieg die Zahl der Unternehmen, die Anleihen ausgegeben haben, von 119 auf 183, davon waren 100 (2010: 78) mit Aktien börsennotiert. 42 (2010: 15) können als Daueremittenten klassifiziert werden, die mehr als zwei Anleihen in Umlauf haben. Entsprechend groß sollte inzwischen auch die Bedeutung der Kapitalmarktkommunikation der Anleiheemittenten sein.

Große Bedeutung der Kommunikation

Ein erstes, erfreuliches Ergebnis ist, dass die Befragten der Anleihekommunikation sowohl in der Emissionsphase als auch in der Folgezeit eine große Bedeutung beimessen. In der Emissionsphase bewerten Gelegenheitsemittenten die Kommunikation sogar höher als die Daueremittenten, in der Folgekommunikation dagegen – erwartungsgemäß – geringer. Die Bedeutung des Themas zeigt sich auch in der Höhe des Personalaufwands: Die Hälfte der Gelegenheitsemittenten setzt in der Emissionsphase mehr als zwei Vollz

eitkräfte für die Anleihekommunikation ein. Bei den Daueremittenten tun dies nur 45%. Auch in der Folgephase setzt ein Drittel der Gelegenheitsemittenten mehr als eine Vollzeitkraft für die Kommunikation ein, ein Drittel jedoch weniger als 0,25 Vollzeitkräfte. Hier zeigt sich nun doch noch ein deutlicher Nachholbedarf bei einem wesentlichen Teil der Gelegenheitsemittenten. Demgegenüber setzen 40% der Daueremittenten mehr als eine Vollzeitkraft für die Folgekommunikation ein, 95% mehr als 0,25 Vollzeitkräfte.

Für die Daueremittenten sind die mit Abstand wichtigsten Informationsadressaten der Anleihekommunikation institutionelle Anleger, Ratingagenturen und Sell-Side-Analysten. Bei den Gelegenheitsemittenten erreicht nur die Gruppe der institutionellen Anleger eine große Bedeutung. Danach folgen gleich die Kreditanalysten der Banken. Die Geringschätzung der üblichen Kapitalmarktadressaten bei Gelegenheitsemissionen zeigt sich noch deutlicher bei der Kenntnis über die „eigenen“ Anleiheanalysten. 40% der Befragten wissen nicht, ob Anleiheanalysten über das Unternehmen berichten. Bei den übrigen 60% sind es nach Angaben der Befragten im Durchschnitt 3,3 Analysten. Die entsprechenden Werte bei Daueremittenten liegen bei 95% Kenntnis und rund elf Analysten.

Viele Roadshows

Obwohl die Zahl der Informationsveranstaltungen mit Anleihebezug noch weit vom Aktienstandard der Kommunikation entfernt ist, kann über alle Befragten von einer beachtlichen Aktivität ausgegangen werden. Zum Beispiel führen die Unternehmen im Durchschnitt pro Jahr ein bis zwei Roadshows durch und besuchen mehr als eine Investorenkonferenz. Bei den Daueremittenten sind es sogar mehr als drei Roadshows, knapp drei Investorenkonferenzen, vier Telefonkonferenzen und knapp 20 One-on-Ones pro Jahr.

Die wichtigsten Kommunikationsinstrumente sind persönliche Einzelgespräche, Gruppengespräche/Konferenzen und die Beantwortung von Anfragen. Dabei sehen die Daueremittenten hier eine große bis sehr große, die Gelegenheitsemittenten eher eine mittlere bis große Bedeutung.

Klare Arbeitsteilung

Die Arbeitsteilung zwischen den Bereichen Investor Relations und Finanzen/Treasury ist aus Sicht der Befragten klar: In der Emissionsphase hat Finanzen/Treasury große bis sehr große Bedeutung und Investor Relations eher eine mittlere bis große, in der Folgephase ist das genau umgekehrt. Daneben spielen noch Public Relations/Kommunikation, Recht und Rechnungswesen eine nennenswerte Rolle bei der Anleihekommunikation.

Beim Einsatz spezieller Creditor-Relations-Beauftragter scheint es noch einen Nachholbedarf zu geben. 30% der Daueremittenten und 70% der Gelegenheitsemittenten haben keinen Creditor-Relations-Beauftragten im Investor-Relations-Team. Nur in rund zwei Drittel der Firmen mit einer eigenen IR-Abteilung fungiert Investor Relations auch als Ansprechpartner für Anleihen.

Fazit

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Anleihekommunikation im Kopf der Verantwortlichen angekommen ist. Viele Daueremittenten setzen Maßstäbe bei den Anwendungen. Bei den Gelegenheitsemittenten ist dagegen noch etwas zu tun. Die organisatorische Umsetzung der Anleihekommunikation zeigt einen generellen Nachholbedarf auf. Hier könnten sich Investor-Relations-Manager noch etwas stärker engagieren, um der in der Befragung zum Ausdruck gekommenen großen Bedeutung Rechnung zu tragen.


Zur Studie

An der Professur für Finanzierung und Finanzwirtschaft der Leuphana Universität Lüneburg wurde mit Unterstützung des DIRK e.V. unter allen nicht-finanziellen deutschen Anleiheemittenten eine Befragung zum Stand der Anleihekommunikation durchgeführt. Befragt wurden, soweit auffindbar, in der Reihenfolge Creditor-Relations-Beauftragte laut Website, Leiter Investor Relations laut Website oder die zuständige Person für Anleihen gemäß telefonischer Abfrage. Mit rund 40% Rücklaufquote und einer Verteilung nach Segmenten etwa entsprechend der Grundgesamtheit können die Befragungsergebnisse als repräsentativ angesehen werden.

Dieser Artikel ist erschienen im GoingPublic Magazin 12/2012.