Bildnachweis: Foto: TeamViewer.

TeamViewer ist eine Tech-Erfolgsgeschichte made in Germany. Im Herbst 2019
ging das Unternehmen an die Börse – und hat derzeit sogar Rückenwind
durch Corona.

GoingPublic Magazin: Der Aktienkurs ist seit dem IPO um mehr als 60% gestiegen, sind Sie mit ihrem Börsengang voll und ganz zufrieden?

Steil: Ja, natürlich. Jeder bei TeamViewer hat hart dafür gearbeitet. Das IPO war der nächste logische Schritt, um unser Geschäft weiterzuentwickeln. Damit haben wir uns vom Hidden Champion zum weithin sichtbaren Akteur entwickelt und die Markenbekanntheit enorm gesteigert. Auch als börsennotiertes Unternehmen wachsen wir weiterhin profitabel – das ist auch langfristig unser Ziel. Wir werden uns nicht auf dem Erfolg der Vergangenheit ausruhen. Gerade COVID-19 zeigt uns, wie wichtig die Digitalisierung und Vernetzung der Arbeitswelt ist – wofür wir relevante Lösungen bieten.

TeamViewer-CEO Oliver Steil sieht sein Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet - unabhängig von der Coronakrise.
TeamViewer-CEO Oliver Steil sieht sein Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet – unabhängig von der Coronakrise.

Welche Vorteile bietet der Börsengang dem Unternehmen und seinen Expansionsplänen?

Neben den positiven Effekten für die Bekanntheit unserer Marke bietet die Börse TeamViewer eine gesteigerte Flexibilität, um unser Wachstum voranzutreiben. Dazu gehört neben organischem Wachstum, dass wir uns nach sinnvollen Akquisitions-Möglichkeiten umsehen.

Welche Umsatz- und Ertragsziele wollen Sie in den nächsten Jahren erreichen?

Die Strategie von TeamViewer basiert auf langfristigen Megatrends der digitalen Transformation. Auf dieser Basis verfolgen wir drei strategische Wachstumsinitiativen: Wir wollen die Abdeckung unserer Kundensegmente – vom Kleinbetrieb bis zum globalen Konzern – ausbauen, die Zahl der Anwendungsfälle für unsere Software-Lösungen stetig erhöhen und unsere geografische Expansion vorantreiben. Gerade jetzt während der Corona-Krise bemerken viele Unternehmen, dass sie bei der Digitalisierung noch einiges nachzuholen haben, davon profitieren wir natürlich. Trotz der aktuellen Situation, die eine langfristige Prognose schwierig macht, haben wir für das Jahr 2020 unsere Ziele angehoben. Wir rechnen damit, dass wir fakturierte Umsätze, sogenannte Billings, von 450 Mio. EUR sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 56 % erwirtschaften.

Um ausreichend wachsen zu können, werden Start-ups oftmals auf die Potenziale des Kapitalmarktes verwiesen. Sehen Sie sich als typisches Beispiel für eine solche Strategie und was machen sie besser als andere Unternehmen?

Im Gegensatz zu vielen hoffnungsvollen Start-ups verfügt TeamViewer über ein bewährtes Geschäftsmodell, eine hohe Profitabilität und einen starken Cashflow. Wir haben eine Erfolgsgeschichte von 15 Jahren mit solidem Wachstum und einer Profitabilität vom ersten Tag an. Wir benötigen nicht ständig frisches Kapital, um unser Wachstum zu finanzieren. Gerade in der aktuellen Zeit wird klar, welche Risiken Wachstum auf Pump birgt – unabhängig vom Geschäftsmodell. Hier ähneln wir sicher eher dem deutschen Mittelständler als einem typischen Start-up.

Die COVID-19-Pandemie stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Viele haben massive Probleme und kämpfen gerade ums Überleben. Wie ist TeamViewer von der aktuellen Situation betroffen?

Auch wir haben umfangreiche Maßnahmen zum Schutz unserer Belegschaft ergriffen und arbeiten seit Mitte März mit unseren weltweit mehr als 900 Kolleginnen und Kollegen überwiegend von zu Hause aus. Das funktioniert bei uns erfreulicherweise weitestgehend reibungslos.  

Das Interview führte Thomas Müncher.

Oliver Steil ist seit Januar 2018 Chief Executive Officer (CEO) von TeamViewer. Zuvor leitete der 48-Jährige bei der Private-Equity-Firma Permira die von ihm aufgebaute Portfolio Group, die für Firmen weltweit Pläne zur Wertsteigerung entwickelt.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.