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Early Mover in den Weiten der norddeutschen Tiefebene
Bereits Anfang der 90er Jahre arbeitete Alleingesellschafter Christoph Martens intensiv an wirtschaftlich effizienten Biogasanlagen. Auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in der niedersächsischen Gemeinde Rockstedt entwickelte der junge Ingenieur Lösungen zur Biogasnutzung. Aus dieser Leidenschaft entstand MT-Energie, aktuell neben der börsennotierten EnviTec AG das führende Unternehmen der Biogastechnologie in Deutschland. Heute arbeiten 400 Menschen bei MT-Energie, Tendenz steigend, denn die Internationalisierung des Geschäfts ist in vollem Gange.

Im Geschäftsjahr 2009 steigerte das Unternehmen den Umsatz deutlich auf mehr als 80 Mio. EUR, und im laufenden Jahr dürfte die Grenze von 130 Mio. EUR überschritten werden. „Die starke Nachfrage nach effizienter Biogastechnologie hält auch im Geschäftsjahr 2010 an, so dass mit einer weiteren klaren Steigerung des Umsatzes zu rechnen ist“, lässt das Unternehmen wissen. „Bisher wurde das Wachstum aus dem Cashflow beziehungsweise mit der Begleitung unserer Hausbanken finanziert.“ So gab es nach Auffassung von Torben Brunckhorst, kaufmännischer Geschäftsführer, trotz des stürmischen Wachstums bislang keinen zwingenden Grund für ein IPO.

An Möglichkeiten hatte es nicht gemangelt: „In der Zeit nach 2007 gab es im Zuge der ersten Börsengänge im Bereich der erneuerbaren Energien auch entsprechende Offerten, uns auf diesem Weg zu begleiten. Wir haben uns seinerzeit jedoch dagegen entschieden, da wir die unternehmerische Entscheidungsgewalt zur weiteren Entwicklung des Unternehmens in einem stark boomenden Markt nicht verlieren wollten. Darüber hinaus waren die inneren Strukturen, deren Fortentwicklung allein schon aufgrund des Wachstums eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt, für einen Börsengang nicht geeignet. Dies hätte abseits des eigentlichen Kerngeschäfts eine erhebliche Belastung für das Unternehmen bedeutet.“

Börsengang: aufgeschoben, aber nicht endgültig aufgehoben
Einen künftigen Börsengang schließt Brunckhorst keineswegs aus. „Aus heutiger Sicht, nach fünf Jahren starken Wachstums, ist MT-Energie organisatorisch mit einer gefestigten Unternehmens- und Führungsorganisation gut aufgestellt für die künftigen Aufgaben.“ Unter diesen Voraussetzungen sei ein Börsengang eine Option für ein extremes Wachstumsszenario, etwa bei stark steigender Nachfrage in zahlreichen Auslandsmärkten gleichzeitig, das „sich ohne Zuführung von erheblichen Eigenkapitalmitteln nicht finanzieren ließe“.

Bis dato sind die Niedersachsen zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg. „Der Vorteil eines nicht börsennotierten Unternehmens besteht insbesondere darin, die notwendigen strategischen Entscheidungen mit einem mittel- bis langfristigen Horizont treffen zu können, auch wenn diese gegebenenfalls zu Lasten der kurzfristigen Ergebnisse gehen können. Der oft eingeschränkte Blickwinkel auf Quartale oder einzelne Großprojekte kann zu gravierenden Fehlentwicklungen in einem jungen Unternehmen führen,“ befindet Brunckhorst. Weitere Vorteile sieht er in der Entwicklung der Unternehmenskultur hinsichtlich der Personalführung sowie im Aufbau von langfristigen und vertrauensvollen Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Zudem würde das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Kundenklientel ein inhabergeführtes Unternehmen eindeutig bevorzugen.

Auf der anderen Seite wäre ein Börsengang nach Auffassung des Unternehmens nicht nur zur Kapitalbeschaffung sinnvoll, sondern gerade im Ausland auch unter dem Gesichtspunkt der Bekanntheit der Marke: „Ein Nachteil, nicht börsennotiert zu sein, ist sicherlich beim Thema Außenwirkung zu sehen. Ein Börsengang bringt eine erhebliche Wahrnehmung der Öffentlichkeit mit sich. Während wir uns auf dem Inlandsmarkt einen hervorragenden Bekanntheitsgrad erarbeitet haben, wäre im Rahmen der internationalen Expansion eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung durch eine Börsennotierung sicherlich hilfreich.“

Technologie aus einer Hand und als in sich geschlossene Lösung
Einstweilen widmet sich MT-Energie der Weiterentwicklung der Technologie, die auf einem zweistufigen, kontinuierlich laufenden Verfahren basiert, das einen höheren Gasertrag bewirkt. Als Substrate eignen sich grundsätzlich alle organischen Stoffe. Dies sind in erster Linie Wirtschaftsdünger oder nachwachsende Rohstoffe aus landwirtschaftlichen Betrieben, aber auch Abfallstoffe aus der Nahrungsmittelindustrie. Im Idealfall arbeitet eine Biogasanlage mit einem effizienten Wärmekonzept, da diese Verknüpfung den Gesamtwirkungsgrad der Anlage entscheidend verbessert. Da sich dieses aber nicht an allen Standorten realisieren lässt, empfiehlt MT-Energie eine zentrale Verstromung am Ort des Verbrauchs, um neben dem Strom auch die Wärme optimal nutzen zu können. Als Transportmedium bietet sich das Erdgasnetz an. Damit das Biogas aber die Qualität von Erdgas erreicht, muss es aufbereitet werden. Genau hier setzt die Biogasaufbereitungstechnologie des verbundenen Unternehmens MT-Biomethan GmbH an, das Lizenzrechte für den Bau und Vertrieb von Anlagen nach dem BCM-Verfahren der drucklosen Aminwäsche von der DGE GmbH Wittenberg erworben hat und als Lizenznehmer auftritt. Dank dieser Zusammenarbeit ist gewährleistet, dass die MT-Gruppe ihren Kunden in sich geschlossene Biogasprojekte anbieten kann.

Fazit
Mit anerkannt guter Technologie hat sich MT-Energie fest im Markt etabliert und einen beeindruckenden Track Record vorzuweisen. Ein IPO, um die Internationalisierung zu finanzieren, dürfte auf sehr großes Interesse am Kapitalmarkt stoßen.

Stefan Preuß

 

Kurzprofil MT-Energie GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 2001
Branche: Biogasanlagen
Unternehmenssitz: Zeven (Niedersachsen)
Mitarbeiter 2010: 400
Konzernumsatz 2010e: mehr als 130 Mio. EUR
EBITDA (2010e): 13 Mio. EUR
Gewinn (2010e): 7,5 Mio. EUR

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 10/2010.