Markus Wittmann, Geschäftsführer, CQLT SaarGummi Deutschland GmbH
Markus Wittmann, Geschäftsführer, CQLT SaarGummi Deutschland GmbH

Der Automobilzulieferer SaarGummi hatte eine schwere Zeit hinter sich, als er mit der chinesischen CQLT-Gruppe einen neuen Besitzer bekam. Über die Erfahrungen des deutsch-luxemburgischen Unternehmens mit dem chinesischen Eigentümer berichtet Geschäftsführer Dr. Markus Wittmann. 

Herr Wittmann, SaarGummi war eines der ersten europäischen Unternehmen der Automobilzuliefererbranche, das von einem chinesischen strategischen Investor übernommen wurde. Wie kam es zu dieser Transaktion?

Wittman: Beide Unternehmen verbindet eine langjährige Geschäftsbeziehung und Partnerschaft. Bereits 2006 wurden die Aktivitäten von SaarGummi in einem gemeinsamen Joint Venture mit einem anderen Unternehmen der CQLT-Gruppe gebündelt, der CQ Jiaxuan, ebenfalls ein Hersteller von Automotive-Dichtungen.

Trotz der vorangegangenen Insolvenz gelang es, nach der Übernahme durch CQLT, den Standort Büschfeld und einen großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten. Wie reagierte die Belegschaft auf die Übernahme?

Natürlich reagierte die Belegschaft zunächst mit großer Skepsis. Was nach den Erfahrungen mit den beiden vorangegangen Investoren auch nicht weiter verwunderlich war. Meldungen in der Presse, die zu dieser Zeit vielfältig von der „gelben Gefahr“ und „hungrigen Drachen auf Einkaufstour“ berichteten, haben die Situation ebenfalls nicht einfacher gemacht. Betriebsrat und Mitarbeiter demonstrierten noch kurz vor der Übernahme am 1. Mai mit dem Slogan „Patente geh‘n ins Chinaland, Belegschaft geht aufs Arbeitsamt“. Eine Aussage, die sich glücklicherweise nicht bewahrheitet hat. Ganz im Gegenteil – der chinesische Mutterkonzern CQLT, dem anfangs so viele mit großen Vorbehalten begegnet sind, hat SaarGummi als strategischer Investor finanziell und operativ unterstützt und investiert stetig in Modernisierungen. Das sichert letztendlich Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze. Sowohl Kunden, aber auch Mitarbeiter haben bald nach der Übernahme Vertrauen in den neuen Investor bekommen.

Übernahmen durch chinesische Investoren gingen früher häufig mit der Angst einher, dass das Know-how aus Deutschland abfließt. Hat sich diese Einstellung inzwischen grundsätzlich geändert? Wie ist hierzu Ihr Resümee nach zwei Jahren?

Sicher dienen Zukäufe den chinesischen Unternehmen dazu, eigene Produktpaletten um neue Technologien zu erweitern, gleichzeitig bedeutet eine Übernahme in den meisten Fällen aber auch die Sicherung einer guten Ausgangsposition für die Märkte in Europa bzw. Deutschland. In der Regel ziehen chinesische Investoren gekaufte Technologien auch nicht ab, sondern setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit den übernommenen Unternehmen. Diese Erfahrung haben wir auch gemacht. Die Chinesen schätzen unser Know-how und unsere Technologien, sie brauchen bei dem stetig wachsenden Bedarf an Autos unsere Innovationen. Durch unsere beiden eigenen Standorte in China findet natürlich ein gewisser Technologietransfer nach China statt, die Entwicklung neuer Technologien verbleibt jedoch in Deutschland. Unsere Kunden in Asien sollen genau den gleichen hohen technologischen Standard bei unseren Produkten erhalten wie in Europa. Dies sichert uns weitere Aufträge – auch an unseren anderen Standorten – und damit die Zukunft unseres gesamten Unternehmens. SaarGummi schaut mit großem Optimismus der Zukunft und der weiteren Zusammenarbeit mit CQLT entgegen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der Geschäftsführung von SaarGummi mit dem Mutterunternehmen?

Die Zusammenarbeit basiert auf einer vertrauensvollen partnerschaftlichen Grundlage.

Wo liegen für SaarGummi die Vorteile, nun zu einer großen chinesischen Unternehmensgruppe zu gehören?

Ein Investor mit einem so starken finanziellen Hintergrund wie die CQLT hat uns in erster Linie den Vorteil gebracht, durch langfristige Investitionen auch einen langfristigen Erfolg zu ermöglichen. Durch die bisherigen Investitionen hat die Gruppe stabile Perspektiven erhalten und ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangt. Großaufträge in hohem Umfang von den großen Automobilherstellern sprechen für sich. Investitionen wurden am Standort Büschfeld z.B. in Form einer neuen Lackieranlage getätigt, Maschinen wurden generell erneuert und eine neue Hallenbelüftung finanziert. Ferner war es uns durch die Übernahme leichter möglich, den asiatischen Markt weiter zu erschließen. Wir besitzen heute in China zwei Produktionsstandorte – in Chongqing und Yantai. Weitere Werke in Huechan und Shenyang sind geplant. Auch in Indien werden wir expandieren und Korea wird ebenfalls ein zunehmend interessanter Markt für die Automobilzulieferindustrie. Natürlich dürfen wir bei all unseren Aktivitäten im asiatischen Raum die anderen Märkte nicht aus den Augen verlieren, vor allem in Nordamerika und den BRIC-Staaten wollen wir in den nächsten Jahren investieren. So werden wir beispielsweise in Michigan im September die Eröffnung unseres neuen Tech Centers für Nordamerika feiern. Ziel ist es vor allem, Innovationsführer zu bleiben und weltweit marktführend zu werden. Was den Standort Büschfeld angeht, so haben wir von CQLT seinerzeit bei der Übernahmen die Zusage bekommen, möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten und Investitionen in Höhe von 15 Mio. EUR zu tätigen. Ein Versprechen, das bisher eingehalten wurde.

Herr Wittmann, vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten!
Das Interview ist im Verlagsspecial M&A China/Deutschland erschienen. Hier geht es zu den E-Papers.

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