Es fällt in diesen Tagen schwer, andere News als die mit dem großen „C“ in der Wirtschaftspresse zu vernehmen.

Umso erfreulicher, dass in den Wirren des COVID-19-Alltags doch noch die ein oder andere positive IPO-Nachricht auftaucht: Die Ankündigung des ersten deutschen Börsengangs 2020 durch Exasol vor wenigen Tagen kam einigermaßen überraschend – obwohl das erste Soft Announcement bereits im Februar bekannt gegeben wurde. So richtig glauben konnte aber keiner mehr, dass sich noch vor der zweiten Jahreshälfte auf dem hiesigen Börsenparkett etwas rührt.

Endlich wieder ein KMU an der Börse

Doch nicht nur die Umstände inmitten der Pandemie machen das Exasol-IPOs besonders – auch die Tatsache, dass sich ein KMU-Kandidat in diesen zugegebenermaßen alles andere als leichten Zeiten aufs Parkett wagt, sendet ein gutes Signal an die hiesige Aktienkultur. Bereits mehrmals beklagten wir uns in Kommentaren oder Editorials über die mangelnde Bereitschaft deutscher Investoren, in Small- und MidCaps zu investieren. Dass ein regionales Unternehmen jetzt sogar mit mehrfacher Überzeichnung und vorzeitiger Beendigung der Angebotsfrist den Sprung aufs Parkett zelebriert, zeigt doch Folgendes: In dieser fragilen Zeit wird offenbar eher heimischen statt globalen Großunternehmen Vertrauen entgegengebracht: eine Trendwende?

Ach ja – und noch etwas ist in diesem Jahr völlig anders: An Stelle der gewohnten Presse-Einladung zum IPO-Event auf dem Börsenparkett lädt die Deutsche Börse am Tag der Erstnotiz Medienvertreter zum Live-Stream kommenden Montag ein. Die neue Normalität im Jahr 2020.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.