Börsengang
Vom 13. bis 21. Januar werden die Aktien privaten Investoren in Deutschland und Luxemburg öffentlich angeboten. Zudem gibt es Privatplatzierungen in anderen Ländern. Den endgültige Angebotspreis ermittelt ein Bookbuilding-Verfahren. Bis zu 52,7 Mio. Wertpapiere will der Kabelnetzbetreiber bei seinem Börsengang anpreisen. Das sind auf jeden Fall 15,2 Mio. Papiere der Beteiligungsgesellschaft Columbus S.à r.l., die indirekt von den Eigentümern gehalten wird. Der Umfang der Kapitalerhöhung ist dagegen variabel: Mindestens 300 Mio. EUR sollen erlöst werden, bis zu 37,5 Mio. Aktien könnten dafür angeboten werden. Außerdem stehen den beteiligten Banken bis zu 3,7 Mio. Aktien der Tele Columbus S.à r.l. für eine Mehrzuteilung zur Verfügung. Das Emissionsvolumen könnte damit bis zu 530 Mio. EUR (inkl. Greenshoe) betragen. Der Freefloat soll künftig zwischen 65 und 92% liegen. Das Unternehmen wäre dann über 700 Mio. EUR wert.

Mittelverwendung
Mit dem Geld aus dem Börsengang will der Kabelnetzbetreiber seine Schulden senken sowie seine Kabelnetze ausbauen und modernisieren. Rund 250 Mio. EUR aus der Kapitalerhöhung soll in den Schuldenabbau fließen. „Der Börsengang wird uns die zusätzliche finanzielle Flexibilität verschaffen, unsere erfolgreich initiierte Wachstumsstrategie in den nächsten Jahren umzusetzen“, sagt Ronny Verhelst, Vorstandsvorsitzender von Tele Columbus.

Unternehmen
Hinter Kabel Deutschland und Unitymedia ist Tele Columbus mit rund 1,7 Mio. Haushalten die Nummer drei der Kabelnetzanbieter in Deutschland. Das Kerngebiet ist Ostdeutschland, die wichtigen Regionen sind Berlin-Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Sachsen-Anhalt hatte das Unternehmen im Jahr 2013 einen Marktanteil von zwei Dritteln, in Berlin-Brandenburg von rund 40%. Die Kabelnetzbetreiber mischen seit Jahren den Markt für Internet-Anschlüsse auf, da sie im Vergleich zu den Telekom-Konzernen, die auf die DSL-Technologie setzen, höhere Geschwindigkeiten anbieten. Tele Columbus etwa schaltet derzeit die ersten Internet-Zugänge mit Datenraten von 400 Mbit/s auf – DSL-Anbieter kommen zumeist noch auf weniger als 100 Mbit/s. Tele Columbus gehört seit 2009 seinen ehemaligen Gläubigern, darunter mehreren Hedgefonds. Über einen Börsengang oder Verkauf wurde seit längerer Zeit spekuliert. 2013 hatte das Bundeskartellamt eine Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland für gut 600 Mio. EUR wegen Wettbewerbsbedenken verhindert. Das Unternehmen wollte bereits im Herbst 2014 an die Börse gehen, verschob seine Pläne wegen der Unsicherheiten an den globalen Aktienmärkten jedoch wieder.

Tele Columbus AG
2011 2012 2013 2014e
Umsatz 204,7 205,3 206,2 207,5
Nettoergebnis* -21,6 -20,5 -8,6 -18,0
EpS -0,38 -0,36 -0,15 -0,31
KGV neg. neg. neg. neg.
*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research

Geschäftszahlen
Der Kabelnetzbetreiber ist in den vergangenen Jahren nur geringfügig gewachsen. Wegen der hohen Verschuldung fiel 2013 bei einem Umsatz von 206 Mio. EUR ein Verlust von minus 8,6 Mio. EUR an. Seit 2011 gingen die Verluste allerdings zurück – im Geschäftsjahr 2014 sind sie nach 9 Monaten gegenüber dem Vorjahr wieder von minus 12,8 Mio. auf minus 14,3 Mio. EUR gestiegen. Zum 30. September 2014 betrug das Eigenkapitaldefizit 15%. Die Finanzverbindlichkeiten lagen bei 630 Mio. EUR, 94% der Bilanzsumme. Das operative Geschäft konnte hingegen verbessert werden. Im 3. Quartal 2014 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,5% auf 53,9 Mio. EUR. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag mit 25,7 Mio. EUR sogar um 10% höher. Tele Columbus gelingt es zunehmend, seinen Kabelkunden andere Produkte wie Telefon oder Internetzugang zu verkaufen. So konnte der Umsatz je Kunde von 13,30 auf 14 EUR verbessert werden. Hier ist noch viel Luft nach oben: Kabel Deutschland nimmt je Kunde im Schnitt 18,16 EUR ein, Unitymedia Kabel BW sogar 21,62 EUR.

Fazit
Die Kabelnetzanbieter wachsen durch das Internet-Geschäft, wobei der Trend zu mobilen Endgeräten geht. Durch immer höhere Datenraten können die Gesellschaften auch höhere Einnahmen pro Kunde erzielen. Allerdings ist dieses Geschäftsmodell mit beträchtlichen Investitionen in neue Technologien und die Kundengewinnung verbunden. Niemand kann deshalb vorhersagen, wann Tele Columbus unter dem Strich Gewinne erzielt und an seine Aktionäre ausschütten wird. Von Nachteil ist zudem, dass sich die Altaktionäre durch den IPO von einem Großteil ihrer Aktien trennen wollen. Kursphantasie besteht darin, dass Tele Columbus wie Konkurrent Kabel Deutschland ein Übernahmeobjekt werden könnte. Der Ausgabepreis sollte aber nicht über 10 EUR liegen, damit noch genügend Spielraum für einen guten Börsenstart bleibt.

Tele Columbus AG – Emissionsparameter
WKN TCAG17
Zeichnungsfrist 13. bis 21. Januar
Erstnotiz 23. Januar
Preisspanne 8 bis 12 EUR
MarketCap 488 bis 732 Mio. EUR
Marktsegment Frankfurt/Main (Prime Standard)
Emissionsprospekt ja
Emissionsvolumen 422 bis 530 Mio. EUR
Konsortium Goldman Sachs International, J.P. Morgan, BofA Merrill Lynch, Berenberg
Free Float 65 bis 92 %

 

 

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