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Vorstände und Aufsichtsräte bekommen auf Hauptversammlungen zunehmend Gegenwind zu spüren. Das liegt vor allem an den Stimmrechtsberatern, deren Dienste von immer mehr professionellen Anlegern geschätzt werden. Bei Vergütungsfragen und Managerverfehlungen haben sie großen Einfluss auf die Unternehmen. Da weltweit nur zwei große Player den Markt beherrschen, ist die Rolle der Stimmrechtsberater jedoch nicht unumstritten.

Mehr kundenspezifische ­Analysen

Allerdings entscheiden sich immer mehr professionelle Investoren zu einem ­kundenspezifischen Research, bei dem sie selbst die Abstimmungsrichtlinien festlegen. „Bei diesen Analysen haben wir keinen besonderen Einfluss, da sich der Investor quasi selber Empfehlungen gibt“, behauptet von Oehsen. „2018 ­haben über 80% unserer Top-100-Kunden einen solchen Custom Research bezogen.“ Diesen Trend bestätigt Anke Zschorn, Director of Research bei IVOX Glass Lewis, Nummer zwei der Stimmrechtsberater: „Bei Glass Lewis machen diese Kunden weltweit 60% aus, bei uns sieht es ähnlich aus.“


„Frühzeitiger und offener Austausch“
Fragen an Patrick Kofler, Teamlead Investor Relations, Zalando

Sind Stimmrechtsberater in den letzten Jahren mächtiger geworden?

Kofler: Ja, ihr Einfluss ist sicherlich gestiegen. Investoren sind stärker an Abstimmungen auf HVs interessiert und achten bei ihrem Stimmverhalten neben den eigenen Richtlinien verstärkt auf die Empfehlungen der Aktionärsberater.

Welche Strategie verfolgen Sie im Umgang mit Stimmrechtsberatern bei negativen Empfehlungen auf der HV?

Kofler: Im Idealfall findet bereits vor der Veröffentlichung der Empfehlungen ein frühzeitiger und offener Austausch mit ihnen sowie den Governance-Teams der größten Investoren des Unternehmens statt.


Meinungsbildung der Investoren

Dazu müssen sie sich oft mit dem Alltagsgeschäft der Unternehmen befassen. Hier tragen Stimmrechtsberater immer mehr zur Meinungsbildung der Investoren bei. Dass viele von ihnen mittlerweile die Boni in deutschen Konzernen kritisch sehen, ist ­sicherlich eine Folge der „Barrikadenkämpfe“ der Aktionärsberater. Das kommt nicht ­zuletzt Privatanlegern zugute. In seinen „Voting Guidelines“ fordert Glass Lewis, dass mindestens die Hälfte der Aufsichtsräte der Kapitalseite „keine finanziellen, ­familiären oder anderen Verbindungen zum Unternehmen“ hat. ISS drängt sogar auf zwei Drittel. Sehr empfindlich reagieren Stimmrechtsberater außerdem auf Managerfehler und Skandale.


„Stimmrechtsberater bewegen bereits 30% der Stimmen weltweit“
Frage an Dr. Götz Schlegtendal, Partner, Kirchhoff Consult

Ist der Einfluss der Stimmrechtsberater auf HV-Abstimmungen in den letzten ein bis zwei Jahren weiter gestiegen?

Schlegtendal: Definitiv, vor allem wegen der weltweit stark gestiegenen Volumina passiver Investments wie ETFs. Experten schätzen, dass sie mittlerweile etwa 30% der Stimmen weltweit bewegen können. Wir ­sehen es auch bei der Vorbereitung von HVs für unsere Kunden und den Abstimmungsergebnissen; heutzutage ist es bei einigen Themen überaus schwierig, qualifizierte Mehrheiten auf einer HV zu erzielen, ohne zuvor Stimmrechtsberater einzubinden bzw. deren Kriterien im Vorfeld zu berücksichtigen. Ein Grund dafür ist, dass bei institutionellen Investoren das Thema HV nicht zu den Top-Prioritäten zählt. Entsprechend schwach sind teilweise deren Governance-Abteilungen aufgestellt, vor allem bei kleineren Investmentgesellschaften.


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