Bildnachweis: Singulus.

Singulus hat die noch ungeprüften Geschäftszahlen vorgelegt. Die Mitte des Jahres fällige Anleihe des Spezialanlagenbauers muss in die Verlängerung gehen. Die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2020 lagen bei nur 33 bis 34 Mio. EUR. Daher erwarte das Unternehmen aus Kahl am Main einen Verlust von bis zu 33,5 Mio. EUR.

Hinzu kommen Wertminderungseffekte von weiteren bis zu 6 Mio. EUR. Mit knapp 10 Mio. EUR an liquiden Mitteln habe Singulus hinreichend Spielraum zur Finanzierung des laufenden Geschäfts, eine planmäßige Rückzahlung der Ende Juli fälligen Anleihe Singulus 2016/21 im Volumen von 12 Mio. EUR falle jedoch flach. Mit über einem Viertel der Anleihegläubiger habe Singulus schon Einigung über eine Laufzeitverlängerung um neuerliche fünf Jahre sowie eine Reduzierung des Kupons erzielt.

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Der Weg dahin ist allerdings noch uneben: So wird mindestens eine Anleihegläubiger-Versammlung (AGV) nötig, bei der die Hälfte des Anleihekapitals vertreten sein muss, im zweiten Versuch ein Viertel. Bei beiden muss eine entsprechende Mehrheit den Änderungen zustimmen, die dann für alle Bond-Holder gelten.

Das Gute immerhin: Singulus hat Erfahrung damit. Im Rahmen der Restrukturierung 2016 hat der Maschinenbauer erfolgreich seine ursprüngliche Anleihe Singulus 2011/16 in eine Eigenkapitalbeteiligung überführt (sog. Debt-to-Equity-Swap) sowie eine ‚Rest-Anleihe‘ 2016/21 mit nur geringem Volumen.

Mit dem Gläubiger des vorrangig besicherten Darlehens über 4,0 Mio. EUR konnte bereits eine Vereinbarung zur Verlängerung der Darlehenslaufzeit erzielt werden.

Die Erteilung des Testats und damit die Feststellung und Veröffentlichung des endgültigen Jahresabschlusses 2020 für den Konzern und die Aktiengesellschaft werde sich wegen der laufenden Verhandlungen über die Refinanzierung oder die Verlängerung der langfristigen Finanzverbindlichkeiten über den 31. März 2021 hinaus verzögern.

Die Singulus Technologies AG reagierte zeitnah auf die Coronavirus-Krise vor einem Jahr und fuhr ihre Kapazitäten herunter: Vor dem Hintergrund der Verbreitung des SARS-COV-2 Erregers und der einhergehenden Einschränkungen sind die Arbeitsabläufe an den deutschen Standorten seinerzeit nicht mehr in vollem Umfang wirtschaftlich sinnvoll. An den beiden deutschen Standorten wurde danach ab dem 1.April letzten Jahres für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet.

Die Singulus-Aktie hat in Folge der Veröffentlichung der Geschäftszahlen deutlich verloren und büste mehr als 7% ein. Das Papier steht aktuell bei 5,44 EUR. Singulus hat damit eine Marktkapitalisierung von 48,4 Mio. EUR.

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)