Wenn es ein besonders schönes Beispiel für die Innovationsstärke des deutschen Mittelstandes gibt, dann ist das die Schwanhäußer Industrieholding. In fünfter Generation im Familienbesitz kann das Unternehmen für sich verbuchen, 1927 den ersten Schminkstift für Augenbrauen entwickelt und auf den Markt gebracht zu haben. Der Leuchtmarkierer „Stabilo Boss“, 1971 eingeführt, ist bis heute der weltweit meistverkaufte Stift seiner Art. In 150 Jahren wuchs ein internationales Unternehmen heran, das im abgelaufenen Geschäftsjahr (30.6.) 560 Mio. EUR umsetzte.

Klassische Wachstumsgeschichte aus kleinsten Anfängen heraus

1855 wurde Schwan-Stabilo mit Genehmigung des bayrischen Königs Maximilian II. in Nürnberg als Bleistift Manufaktur gegründet, 1865 akquirierte der 25-jährige Gustav Schwanhäußer die Firma Großberger & Kurz. Diese Firma hatte in die industrielle Produktion investiert, eine große Dampfmaschine angeschaft, sich dabei aber überschuldet. Seit diesen Anfängen wurde aus der ehemaligen ‚Schwan-Bleistift-Fabrik‘ ein weltweit erfolgreicher Konzern. Die Umwandlung des Einheitsunternehmens Schwan-STABILO Schwanhäußer GmbH & Co.KG in eine moderne Holdingstruktur erfolgte 1996. In den vergangenen 20 Jahren wuchs das Unternehmen überproportional: Wurden 2006/07 mit 3.300 Mitarbeitern 340 Mio. Euro umgesetzt, legte der Umsatz bis heute auch dank erfolgreicher Akquisitionen fast um 70% zu.

„Von jeher stand das Interesse an innovativen Produkten und Herstellungsverfahren im Vordergrund“, lässt das Unternehmen im Portrait wissen. Und weiter: „Einige schon legendäre Beispiele sind der erstmals farbig schreibende Kopierstift, der 1875 auf den Markt kam. 1927 war die Geburtsstunde für Kosmetik, denn der erste Schminkstift für Augenbrauen fand reißenden Absatz bei den Damen. Ebenso aufsehenerregend war die Einführung des Leuchtmarkierers.“

Der Mix ist erfolgreich: Kosmetik, Stifte, Outdoor

Die Unternehmensgruppe wuchs im Geschäftsjahr 2013/14 (30.6.) um 4,8% (Vorjahr: 533,8 Mio. EUR). „Für ein Konsumgüterunternehmen sind knapp 5% Wachstum ein tolles Ergebnis. Alle Bereiche tragen zu diesem gesunden und soliden Wachstum bei“, ließ der geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Schwanhäußer bei Vorlage der Jahreszahlen wissen. Offensichtlich funktioniert der Produktmix.

Da man das Unternehmen vor allem als Stiftehersteller kennt überrascht, dass der Bereich Schwan Cosmetics mit 297,3 Mio. EUR den größten Umsatzanteil generiert. Die Investitionsrate liegt ziemlich konstant bei etwa 7%. Investitionen flossen vor allem in die Entwicklung von Neuprodukten und Kapazitätserweiterung im In- und Ausland. Mit einem weltweit einzigartigen Puderstift hat Schwan Stabilo erneut ein völlig neuartiges Produkt mit Alleinstellungsmerkmal auf den Markt gebracht. Dass der „German Mittelstand“ global denkt zeigt sich am Engagement in den USA: „Schwan Cosmetics legte im März den Grundstein für einen Hightech-Standort im US-Bundesstaat Tennessee. 2015 verschmelzen dort die beiden bisherigen US-Produktionsstätten in den Bereichen Entwicklung, Produktion sowie Verkauf. In Mittelamerika wurde ein hoch moderner Produktionsstandort in der Nähe von Mexico City in Betrieb genommen“, ließ das Unternehmen wissen. Neben der eigenen Produktlinie produziert Schwan Cosmetics auch für zahlreiche internationale Markenartikler.

Schreibgeräte sorgten für Umsatz in Höhe von 164,3 Mio. EUR, wobei Deutschland und Frankreich die dominierenden Märkte sind. Der Teilkonzern Outdoor erzielte zuletzt das größte Umsatzwachstum, nämlich um 13,5% auf 97,4 Mio. EUR. Die Produkte der beiden Marken Deuter und Ortovox wurden gleich mehrfach ausgezeichnet. Die Outdoormarke Deuter, 2006 vom Schwan-Stabilo akquiriert, die sich zunehmend auch als Marke für Schulranzen etabliert, wuchs ebenso wie die Marke Ortovox. Deuter setzte mit der Einführung des OnTop Lawinenrucksacks Akzente im Bereich Lawinenrucksäcke. Ortovox kommt mit einer Kollektion, die Wolle mit High-Tec-Stoffen kombiniert und jugendlichen Farben gerade bei der jüngeren Skitourengeneration sehr gut an und entwickelt sich zu einer Kultmarke.

Gemischte Führungsstruktur: Familie und externe Manager

Das Unternehmen wird von zwei externene Managern sowie Sebastian Schwanhäußer als Familienmitglied geführt. Über die Profitabilität berichtet das Unternehmen traditionell nicht. Die hohe Eigenkapitalquote von leicht über 50% deutet darauf hin, dass die Profitabilität durchaus zufriedenstellend ist. Jegliche Fragen zu Wachstumsfinanzierung oder Zukunftspläne blieben vom Unternehmen ohne Antwort.

Fazit

Die Schwanhäußer Holding besitzt international wertige Marken und eine hohe Wertschöpfungstiefe und würde damit vor allem Value-Investoren ansprechen. Doch wie viele erfolgreiche Familienunternehmen hat Schwan Stabilo über die Jahrzehnte sehr ansehnliches Eigenkapital gebildet. So muss, trotz erheblicher Investitionen in neue Fabriken und den Hauptsitz mit Shop, der Kapitalmarkt nicht angezapft werden. Und es sieht nicht so aus, als ob sich das in den kommenden Jahren ändert.

Kurzprofil Schwanhäußer Industrie Holding GmbH & Co. KG:
Gründungsjahr: 1855
Branche: Kosmetik, Schreibbedarf, Outdoor
Unternehmenssitz: Heroldsberg
Mitarbeiter 2013/14: 4.474
Konzernumsatz 2013/14 (30.6.): 560 Mio. EUR
Gewinn: k.A.

Stefan Preuß

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.