Werbung

Klare Rollenverteilung

Wichtig ist hierbei, dass die Deutsche Börse nicht als Sanktionierer fungiert. Wenn es zu einem Pflichtverstoß kommt, geht der Fall an den Sanktionsausschuss, was im Börsengesetz festgelegt und damit verpflichtend ist. Der Sanktionssauschuss selbst ist ein unabhängiges Gremium und organisatorisch bei der Frankfurter Wertpapierbörse angesiedelt – dieser Ausschuss spricht eine entsprechende Strafe für den Emittenten aus. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt fünf solcher Sanktionsverfahren.

Zudem ersetzt die Deutsche Börse auch nicht Obliegenheiten der BaFin, die sich um sonstige Verstöße kümmert bzw. generell dafür sorgt, dass sich alle Finanzmarktteilnehmer an die einrahmenden Gesetze zu halten haben.

Doch nicht immer wird auch ein Verfahren eingeleitet: Manche Emittenten verstoßen mehr oder weniger bewusst gegen dieser oder jene Berichtspflichten, z.B. wenn bereits im Vorfeld feststeht, dass der Emittent bald nicht mehr den Anforderungen des Prime Standard entsprechen kann und sowieso aus dem Umfeld des regulierten Marktes ausscheiden wird – ein Disziplinarverfahren wäre in einem solchen Fall zwecklos. Denn eine Maßregelegung dient ja stets dazu, den Geahndeten für die Zukunft zu belehren.

Die Verfehlungen sind dabei kein Geheimnis für die Öffentlichkeit: So wird auf börsefrankfurt.de veröffentlicht, wenn ein entsprechender Verstoß stattgefunden hat. Dennoch ist es so, dass für die meisten institutionellen Investoren eine solche Bekanntmachung kaum von Relevanz ist – falls die entsprechenden Berichte nicht zum Stichtag vorliegen, ziehen die Investoren meist ihre eigenen Schlüsse. Bei Privatanlegern wäre dies laut Töke anders: denen falle schon eher auf, wenn Geschäftsberichte zum Stichtag XY nicht vorliegen; mit der Konsequenz, dass sie mitunter sogar bei der Deutschen Börse anrufen und nachhaken.

Festzuhalten ist, dass zwischen Emittent und Deutscher Börse selbst bei Pflichtverstößen ein kooperatives Miteinander gewünscht ist. Dass Fristen für Berichte überschritten werden, kann durchaus dem einen oder anderen Emittenten schon mal passieren. Dennoch: Ein börsennotiertes Unternehmen sollte wissen und verinnerlichen, dass eine Notiz am Kapitalmarkt eine Menge Verpflichtungen mit sich bringt – man befindet sich halt im ‚Schaufenster Börse‘.

„Als Emittent sollte man sich nicht erst am Tag der Erstnotiz Gedanken darüber machen, was für Pflichten auf Einen zukommen. Bereits vor dem IPO sollten sich Emittenten im Klaren darüber sein, welche Verpflichtungen ein Listing nach sich zieht“, so Töke.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de