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Der digitale Mittelstandsfinanzierer creditshelf hat gestern Halbjahreszahlen für 2019 vorgelegt: In den ersten sechs Monaten des Jahres konnten die Frankfurter ihr Wachstum deutlich ankurbeln – und auch für den weiteren Jahresverlauf ist das börsennotierte Unternehmen zuversichtlich; wenngleich der Wettbewerbsdruck hoch ist und konjunkturelle Unsicherheiten zunehmen.

GoingPublic: Herr Brügmann, jüngst haben Sie Ihre Halbjahreszahlen 2019 veröffentlicht: Sie konnten Ihren Umsatz nahezu verdoppeln.  Auf was ist Ihr Umsatzwachstum zurückzuführen?

creditshelf ist im ersten Halbjahr 2019 stark gewachsen und steigerte die Umsatzerlöse signifikant auf 1.766 TEUR im Vergleich zu 766 TEUR im 1.HJ 2018. Wesentlicher Treiber für diese Entwicklung war das Volumen arrangierter Kredite. Hier verbuchten wir mit 35.800 TEUR ein deutliches Wachstum im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 mit 15.370 TEUR. Gleichzeitig haben wir durch die Kooperationen mit der Commerzbank und finleap wichtige Weichen in Richtung zukünftigen Wachstums gestellt.

Fabian Brügmann, CFO, creditshelf AG
Fabian Brügmann, CFO, creditshelf AG
Ihre Kunden sind überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Wie aufgeschlossen sind KMUs überhaupt hinsichtlich digitaler Plattformen?

Obwohl sich digitale Finanzierungsalternativen inzwischen gut im Markt etabliert haben, wendet sich der typische Mittelständler für einen Kredit traditionell immer noch zuerst an seine Hausbank. Das belegt eine Studie von Ebner Stolz Management Consultants und Wolff & Häcker Finanzconsulting: über 90% des Mittelstands setzen bei der Finanzierung weiterhin auf das klassische Bankgeschäft. In diesem Zusammenhang spielt mangelndes Wissen gegenüber digitalen Angeboten sowie Bedenken bezüglich der Seriosität und Rechtssicherheit eine zentrale Rolle. Viele Mittelständler regeln Finanzierungsthemen lieber von Angesicht zu Angesicht und vertrauen allein auf die dauerhafte Beziehung zwischen Bank und Firmenkunde. Wir sind uns dieser Themen bewusst. Indem wir die quantitative Kreditanalyse durch ein persönliches Gespräch unserer Vertriebs- und Risikoanalyse Kolleginnen und Kollegen ergänzen, bauen wir schnell eine persönliche Beziehung zu unseren Kunden auf. Unsere Notierung im Prime Standard, dem am strengsten reglementierten Segment der Frankfurter Wertpapierbörse, stärkt unsere Glaubwürdigkeit bei Anlegern, Kunden und Geschäftspartnern gleichermaßen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in den nächsten Monaten, besonders auch in Bezug auf einen möglichen konjunkturellen Abschwung und geopolitischer Krisen? Sind Unternehmen vorsichtiger geworden, was die Kreditaufnahme/Finanzierung betrifft?

Das konjunkturelle Umfeld ist von Krisen gekennzeichnet, was sich entsprechend auf die KMU in Deutschland und deren Geschäft auswirkt. Dies hat zur Konsequenz, dass die Conversion Rate bei Beibehaltung unserer strikten Risikostandards und unter Berücksichtigung der Renditeansprüche unserer Investoren dieses Jahr voraussichtlich unter dem unveränderten Mittelfristziel von rund 10% bleiben wird. Das liegt unter anderem aber auch an Kreditanfragen, die außerhalb unserer Mindestanforderungen (2,5 Mio. Jahresumsatz, drei Jahre Geschäftstätigkeit) liegen. Wir erleben täglich, dass im Mittelstand ein großer Bedarf an digitalen Krediten als Finanzierungsalternative zum Hausbankkredit besteht. Seit Start unserer Plattform im Jahr 2015 haben wir bis Ende Juni mehr als 138 Mio. Euro an Krediten arrangiert auf Basis eines vielfach höheren Anfragevolumens. Ein wichtiger Baustein für Betriebe sind flexible und schnelle Finanzierungsmodelle als Teil Ihres Finanzierungsmix, zum Beispiel in Situationen wo Mittel für Wachstum oder Digitalisierungsvorhaben notwendig werden und Liquiditätsengpässe da sind. Dies vorausgeschickt ist aber nicht zu verneinen, dass geopolitische Spannungen und Handelshemmnissen das Sentiment eingetrübt haben und Kreditentscheidungen vorsichtiger getroffen werden. Für uns als creditshelf heißt das, nicht von unseren strikten Risikostandards abzuweichen und die Renditeansprüche unserer Investoren zu berücksichtigen. Eine in konjunkturell schwierigen Zeiten zu beobachtende restriktivere Kreditvergabepolitik traditioneller Anbieter sehen wir aber durchaus auch als Chance.

Sie haben jüngst das Berliner FinTech Valendo erworben. Warum haben Sie sich für die Akquisition entschieden und sind in naher Zukunft weitere Zukäufe geplant für Ihr weiteres Wachstum?

Mit der Akquisition von Valendo und der Kooperation mit finleap erweitert creditshelf ihre Risikoanalyse-Tools und ihr bestehendes Produktangebot. Fortan können wir mittelständischen Unternehmen für bestehende und zukünftige Kreditanfragen mit besicherten Krediten eine weitere attraktive Finanzierungslösung anbieten. Die mit der Akquisition einhergehende Kooperation mit dem Fintech Ökosystem finleap bietet uns attraktive Möglichkeiten, von deren Netzwerk zu profitieren. Wir beobachten aktuell, dass Konsolidierungen auch vor FinTechs nicht Halt macht. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass der Markt einen gewissen Reifegrad erlangt hat indem sich erfolgreiche Geschäftsmodelle aus unterschiedlichen Gründen herauskristallisieren. Diese Trends verfolgen wir sehr genau.

Können Sie uns bereits eine kurze Prognose für Ihr Geschäftsjahr 2019 geben?

Wie im gestern veröffentlichten Halbjahresbericht dargelegt, ist das Management unverändert davon überzeugt, dass der Markt für digitale Mittelstandsfinanzierung in Deutschland stark an Bedeutung gewinnt und ein hohes Wachstumspotenzial bietet. Wir gehen davon aus, dass das arrangierte Kreditvolumen in der zweiten Jahreshälfte wie in den Vorjahren über dem der ersten sechs Monate liegen wird. Auch bei der Etablierung von Bankkooperationen sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Gleichzeitig ist aber festzustellen, dass der Wettbewerbsdruck gerade in den Segmenten mit Überschneidungen des Produktangebots zu anderen Marktteilnehmern zugenommen hat und die konjunkturelle Entwicklung berücksichtigt werden muss. In Summe haben wir unsere Umsatzerlösprognose auf rund 4,5 Mio. EUR für das Geschäftsjahr 2019 präzisiert.

GoingPublic: Herr Brügmann, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Svenja Liebig

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de