Die IPO-Aktivität innerhalb Europas steigt wieder an. Laut der Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) lag das Transaktionsvolumen mit 13 Mrd. EUR 2013 wieder innerhalb des 10-Jahres-Durchschnitts. Das Revival wird durch Dienstleistungsgesellschaften und konsumorientierte Unternehmen, die überwiegend Private-Equity-finanziert sind, angeführt. Finanzinvestoren sehen aufgrund steigender Wirtschaftsleistung nun die Möglichkeit, Exits zu realisieren. Auch für dieses Jahr rechnet die Ratingagentur mit einem weiteren Anstieg der IPO-Aktivitäten, bereits 14 Private-Equity-geführte Unternehmen fassen für 2014 einen Börsengang ins Auge. Dennoch ist der europäische IPO-Markt weit davon entfernt, das 10-Jahres-Hoch mit einem Volumen von 36 Mrd. EUR von 2007 zu erreichen, denn im Gegensatz zu damals kommen mittlerweile 80% der Börsengänge von Private-Equity-Unternehmen (2003-2008: 36%).

Diverse Gründe für Aufwärtstrend der IPO-Aktivität

Ein Grund für den Anstieg der Transaktionen liegt S&P zufolge in steigenden Unternehmenswerten, die vor allem durch gute Zukunftsperspektiven in fast allen Sektoren zustande kommen. Klare Aufwärtstrends zeichnen sich beispielweise für den Einzelhandel ab. Obwohl die Rezession diesem Sektor große Schwierigkeiten bereitet hat, konnten einige Unternehmen trotzdem Umsatzwachstum generieren und streben nun den Gang an die Börse an.

Auch die aufgestauten Exit-Entscheidungen, die aufgrund der zuletzt schlechten Bedingungen nicht realisiert werden konnten, sind nun treibende Kraft für die Erholung der IPO-Märkte. Durch steigende Unternehmenswerte bietet die momentane Lage einen guten Zeitpunkt, neuen Investoren-Nachfragen nachzugehen und alte Unternehmensanteile zu veräußern.

Der verbreitete Optimismus, dass sich die europäische Wirtschaft von der Rezession erholt, ist ein weiterer Anstoß, der mehr Unternehmen dazu veranlasst, in Richtung Expansion zu streben. S&P prognostiziert dabei eine Erhöhung des realen BIP um 0,9% für 2014.

Geringeres Bonitätsrisiko nach Börsengang

Durch eine vorhersehbarere Finanzpolitik können Unternehmen nach einem IPO mit Upgrades bezüglich ihres Kreditrisikos rechnen. Von 18 Unternehmen, die öffentlich geratet sind und innerhalb der letzten zehn Jahre einen Börsengang getätigt haben, erhielten zehn anschließend eine bessere Bonitätseinstufung. Die restlichen acht hatten im Vorhinein ohnehin schon gute Ratings und wurden nochmals auf dem gleichen Level eingestuft.

Aus der S&P-Studie geht hervor, dass seit 2003 nur 55% der Unternehmen bereits zum Zeitpunkt des IPOs geratet waren, im Zeitraum von Januar 2013 bis Januar 2014 waren es 86%. Die Nachfrage der Investoren nach Unternehmen, die positive Performance-Trends aufweisen und sich nicht scheuen, das eigene Kreditrisiko offenzulegen, steigt deutlich.

Reduzierung des Private-Equity-Anteils wirkt positiv aufs Kreditprofil

Der Ratingmethodologie von S&P zufolge spricht man dann von einem Unternehmen das in Besitz von Investoren ist, wenn 40% oder mehr des Eigenkapitals von höchstens drei externen Geldgebern stammt. Die Ratingagentur sieht Investoren als Einheiten, die einer aggressiven Finanzstrategie folgen und demnach rein opportunistisch handeln, um die Renditen auf die eigenen Anteile zu maximieren. Demnach führt ein Rückgang des Private-Equity-Anteils im Unternehmen tendenziell zu einem besseren Kreditprofil, wie sich am Beispiel von Merlin Entertainments zeigt. Aufgrund der Auffassung, dass das Unternehmen eine moderatere Finanzpolitik als ein öffentliches Unternehmen verfolgt, wurde Merlin nach dem Börsengang im Februar von B+ auf BB gestuft.

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