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Andreas John, Bereichsleiter Kapitalmärkte Aktienkunden, DZ BANK AG

Die Finanzmärkte waren im Jahr 2012 – wie selten zuvor – den Auswirkungen politischer Entscheidungen ausgesetzt und befanden sich damit in einem Wechselbad von Hoffnung und Ernüchterung.

Die Wirtschaft in Deutschland hat sich dabei im Jahresverlauf als stabiler Wachstumsmotor erwiesen. Der positive Beitrag aus dem starken Außenhandel, der im laufenden Jahr die Konjunktur noch maßgeblich beeinflusst hat, dürfte allerdings in den kommenden Quartalen geringer ausfallen. Die auch im ifo-Geschäftsklimaindex abzulesende Verunsicherung der Unternehmen wird die Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen bis auf weiteres bremsen. Somit wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland im Winterhalbjahr 2012/2013 wahrscheinlich erlahmen.

Die deutsche Konjunktur wird jedoch trotz der Belastungen durch die Eurokrise auf niedrigerem Niveau stabil bleiben. Dazu trägt auch der private Konsum bei; bereits im vergangenen Jahr haben sich die Verbraucher in ihrem Ausgabeverhalten nicht beirren lassen, und wahrscheinlich bleibt dies auch in den kommenden Quartalen unverändert. Daneben garantiert die Hausse bei „Beton-Gold“ eine ausgesprochen lebhafte Konjunktur im Wohnungsbau. Im Jahresverlauf 2013 wird sich dann auch das internationale konjunkturelle Umfeld verbessern und das Wachstum bei uns beleben.

Rückblick: der Euro im Fokus
In der Rückschau war das erste Quartal 2012 geprägt von den positiven Effekten der von der EZB im Vorjahr bereitgestellten, dreijährigen Geldmarkttender. Insgesamt wurden dem Bankensystem mehr als 1.000 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt, was nicht nur eine zeitweise Entspannung der europäischen Schuldenkrise zur Folge hatte – die Anleiherenditen der Euro-Problemländer fielen deutlich –, sondern über eine sinkende Risikoaversion auch eine starke Liquiditätshausse an den Aktienmärkten bewirkte.

Der DAX und andere Aktienindizes erlebten 2012 den besten Jahresauftakt ihrer Geschichte. Nach einem turbulenten zweiten Quartal, gekennzeichnet durch die Folgen der Euro-Krise, stabilisierten sich die Märkte wieder zur Mitte des Jahres. Die Aussage von EZB-Chef Mario Draghi, „alles für den Euro zu tun“, führte zu einer deutlichen Entspannung der Schuldenkrise. An den Anleihemärkten sanken die Renditeaufschläge für Spanien und Italien kräftig, der Euro konnte sich erholen. Auch die Aktienmärkte tendierten seitdem wieder nach oben, wobei der DAX wie auch der S&P 500 ihre alten Jahreshochs vom Frühjahr 2012 überspringen konnten. Für weitere Stabilität an den Kapitalmärkten sorgte der im Herbst verabschiedete dauerhafte europäische Rettungsschirm „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ (ESM) sowie das von der EZB beschlossene „Outright Monetary Transactions“ (OMT), welches ein unbegrenztes, im Einzelfall an Bedingungen geknüpftes Ankaufprogramm für Euro-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren ermöglicht.

 

Quelle: DZ BANK

 

Aktienemissionsjahr 2012 durch Kursvolatilität getrübt
Die zu Anfang des Jahres noch sehr positive Stimmung in puncto IPOs wurde leider schnell getrübt. Bis zur Jahresmitte wurden Börsengänge bekannter Unternehmen wie Evonik, KSPG und Osram aus Marktgründen abgesagt. Die fehlende Stabilität im politischen Umfeld der Euro-Schuldenkrise führte zu erheblicher Unsicherheit bei den Marktteilnehmern und lässt sich an dem starken Anstieg des Volatilitätsindex VDAX im zweiten Quartal ablesen.

Im dritten Quartal des Jahres sank die erwartete Volatilität gemessen am VDAX deutlich: Während die Volatilität deutscher Bluechip-Werte noch vor einem Jahr bei 40% lag, sank sie zwischenzeitlich auf ein Niveau von 20% und zuletzt auf 16%. Da sich eine geringe Volatilität positiv auf das Emissionsgeschehen auswirkt, konnte dieser signifikante Rückgang der Preisschwankungen die Grundlage für erhöhte Aktivitäten am Primärmarkt schaffen.

Im Zusammenwirken mit einem zeitweise weniger auf die Eurokrise fokussierten Blick resultierte daraus schließlich eine leichte Aufhellung am Primärmarkt. In den letzten Monaten wagten – mit einem Emissionsvolumen von insgesamt 2,3 Mrd. EUR – u.a. Talanx, Hess und Telefónica Deutschland Holding den Schritt auf das Börsenparkett. Obwohl diese Neuemissionen letztlich erfolgreich waren, bleibt anzumerken, dass sowohl die Erlöse als auch die Emissionspreise unter den ursprünglichen Vorstellungen der Emittenten lagen. Das Underpricing – die Differenz zwischen Emissionspreis und erstem Börsenpreis – ist jedoch 2012 von -5,2 auf -4,8% nur marginal gestiegen und bewegt sich weiterhin nahe seinem historischen Tiefpunkt. Auf das Gesamtjahr gesehen dominierten volumenseitig Wandelanleihen und Kapitalerhöhungen das Geschehen. Sie profitierten von den günstigen Rahmenbedingungen der Märkte und der – im Vergleich zum IPO – schnelleren Projektdurchführung.

Trotz der gebesserten Stimmung am Markt ist das Sentiment leider immer noch eher verhalten, da die im Spiegel der Unsicherheit agierende Nachfrageseite am Primärmarkt weiterhin stärkeres Gewicht hat.

 

 

Aktiensekundärmarkt ebenfalls schwach
Auch der Aktiensekundärmarkt war im Jahr 2012 hauptsächlich von der Eurokrise geprägt. Der Gesamtmarkt war sehr volatil bei insgesamt geringen Volumina. So sind die Xetra-Umsätze teilweise um 50% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Privatanleger halten sich weiterhin mit Aktieninvestments zurück. Die institutionellen Anlegerinteressen waren sehr selektiv auf Unternehmen mit guten Ergebnissen fokussiert. Deutsche Gesellschaften schnitten hierbei, aufgrund der besseren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Stabilität in Deutschland, gegenüber europäischen Unternehmen besser ab.

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