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Mit exklusiven Heimtextilien und Wohnaccessoires will Urbanara den E-Commerce- Markt erobern. Foto: Urbanara
Mit exklusiven Heimtextilien und Wohnaccessoires will Urbanara den E-Commerce-
Markt erobern. Foto: Urbanara

Die elektronische Handelsplattform „Bergfürst“ dürfte nur eingefleischten Wagniskapitalexperten ein Begriff sein. Vielleicht nicht mal denen, denn das IPO des Online-Shops Urbanara soll die Ouvertüre bilden. Die Zeichnungsfrist für Urbanara-Anteile läuft noch bis maximal 4. Oktober.

Emissionsdetails

Start der Zeichnungsphase war der 12. September. Bis maximal 4. Oktober können die vinkulierten Namensaktien der Urbanara Home AG in einer Spanne von 10 bis 12,50 EUR gezeichnet werden, die Mindestanlage beträgt 250 EUR. Angeboten werden knapp 0,3 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung, womit sich ein Emissionsvolumen von bis zu 3,7 Mio. EUR ergibt. Handelsstart soll der 10. Oktober sein. Interessenten müssen bei der elektronischen Handelsplattform registriert sein – Bergfürst ist derzeit die einzige solche Plattform mit BaFin-Lizenz. Parallel zum Crowdinvest-IPO findet eine Finanzierung durch die Altgesellschafter in Höhe von 0,8 Mio. EUR zu gleichen Konditionen statt.

Unternehmen

Die Urbanara Home AG fungiert als Holding, die einen Anteil von 14,8% an der Urbanara Holding GmbH hält, zu der drei operative Gesellschaften zu jeweils 100% gehören. Urbanara wurde 2010 von Claire Davidson, Benjamin Esser und Martin von Wenckstern gegründet, die auch Vorstände der Urbanara Home AG sind. Altgesellschafter von Urbanara sind Blumberg Capital (15%), Grazia Equity (14%), b-to-v Partners (15%), Taishan Invest (11%) sowie mehrere Business Angels und das Management- und Gründerteam. Die Alteigner haben sich nach Angaben von Urbanara dazu verpflichtet, noch mindestens drei Jahre an Bord zu bleiben. Sollten sie sich danach zu einem Komplettverkauf des Unternehmens entscheiden, müssen die Aktionäre der AG ihre Anteile ebenfalls verkaufen.

Sitz des über 40 Mitarbeiter starken Online-Shops, der sich auf Wohntextilien und Accessoires spezialisiert hat, ist Berlin. Urbanara schaltet Zwischenhändler aus und bezieht alle Produkte direkt von Herstellern. Ein Team von erfahrenen Scouts in Berlin und Shanghai analysiert dabei kontinuierlich Innovationen am Markt. So verfügt Urbanara heute über ein globales Netzwerk von über 150 Herstellern und Partnermanufakturen in über 25 Ländern und vier Kontinenten, die für das Unternehmen produzieren. Urbanara verkauft ausschließlich über eigene Vertriebskanäle, Drittmarken werden nicht angeboten. 80% der Kunden befinden sich in Deutschland, 20% in Großbritannien. Kernzielgruppe sind nach eigener Definition 25- bis 55-jährige Onliner.

Urbanara EmissionsparameterWettbewerb

Zumindest in Deutschland sucht man ein vergleichbares Geschäftsmodell vergeblich. Die größten Wettbewerber für Urbanara sind deshalb derzeit (noch) im stationären Einzelhandel zu sehen. Neben bekannten Handelsketten wie Kaufhof oder Ikea zählen dazu einige zuletzt erfolgreiche Eigenmarken wie Zara Home, Butler’s und Strauss Innovation. Online sind die Hauptkonkurrenten bekannte Marktplätze wie Amazon oder Zalando, die aber wesentlich weniger spezialisiert sind.

Verwendung des Emissionserlöses

Das frische Kapital soll in die Bereiche Marketing und Vertrieb, Produktportfolio, IT sowie Internationalisierung fließen. Der Großteil des Emissionserlöses soll dabei in den Markenaufbau gesteckt werden, was übersetzt heißt, die Marke schlichtweg bekannter zu machen. Weiterhin seien zwei bis drei „Pop-up Stores“ in deutschen Großstädten und London geplant, um den Vertrieb der Produkte zu stärken.

Zahlen & Bewertung

Vorausgeschickt werden sollte, dass die veröffentlichten Dokumente von Urbanara (Prospekt, Factsheet, Q&As, Bild-Interviews mit den Gründern u.v.m.) am „richtigen“ Kapitalmarkt bei einem Going Public Ihresgleichen suchen. Urbanara hat eine Ertragsplanung bis einschließlich 2015 publiziert mit Details bis auf die Einerstelle: So soll beispielsweise der Umsatz 2015 (der Muttergesellschaft) bei 26.802.849 EUR liegen. Für das vierte Quartal 2014 prognostiziert das Management das Erreichen der Gewinnschwelle. Bei einem „richtigen IPO“ hätten Juristen derartige Aussagen aus Haftungsgründen sicherlich unterbunden. Bei von Urbanara kalkulierten Emissionskosten von ca. 0,3 Mio. EUR wären wenige Tausend Euro zusätzlich für eine unabhängige Research-Coverage womöglich eine Überlegung wert gewesen. Ferner hat das Unternehmen angedeutet, bereits im Frühjahr nächsten Jahres eine weitere Finanzierungsrunde über 2 Mio. EUR bewerkstelligen zu wollen.

*) in Mio., sämtliche Angaben in EUR; Quelle: Unternehmensangaben und GoingPublic Research
*) in Mio., sämtliche Angaben in EUR; Quelle: Unternehmensangaben und
GoingPublic Research

Die Bewertung wirkt selbst für ein wachstumsstarkes Unternehmen zunächst ambitioniert: Bei einer Platzierung am unteren Ende der Preisspanne wird die „Marktkapitalisierung“ der Urbanara Home AG bei 3 Mio. EUR liegen. Für das Gesamtunternehmen errechnet sich demnach eine Bewertung von über 20 Mio. EUR, bei einem für dieses Jahr erwarteten Umsatz von 4,3 Mio. EUR. Üblicherweise wird das 2- bis 3-Fache der Erlöse angesetzt. Die Pre-Money-Bewertung (Bewertung vor der Kapitalerhöhung) der Wirtschaftsprüfer liegt nach Unternehmensangaben nach Discount bereits bei rund 16 Mio. EUR. Urbanara-Gründer und CEO Benjamin Esser führt die Emissionsbewertung im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin auf die Brutto-Marge von 60% zurück. Zudem werde das Unternehmen bereits bei einem Umsatz von 9 Mio. EUR die Gewinnschwelle erreichen, so Esser.

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