Werbung

Wie bereits berichtet, wagt der Kölner Buch- und Heftroman-Verlag nach der Anleiheemission nun den „richtigen“ Sprung an den Kapitalmarkt. Bis 1. Oktober stehen 5,3 Mio. Aktien in einer Preisspanne von 9 bis 11 EUR zur Zeichnung an. Novum bei diesem Börsengang: Ähnlich dem Verfahren bei Mittelstandsanleihen können erstmals Aktien aus einer Erstemission auch direkt über die Deutsche Börse gezeichnet werden. goingpublic.de sprach mit dem Gründer und Mehrheitseigner Stefan Lübbe.

Interview mit Stefan Lübbe, Generalbevollmächtigter und Hauptgesellschafter, Bastei Lübbe AG

GoingPublic: Herr Lübbe, als „GoingPublic“ Magazin begrüßen wir es sehr, dass Mittelständler über eine Anleihenemission „Kapitalmarktluft schnuppern“, und dann einen echten Börsengang „nachlegen“. Worauf dürfen sich Ihre neuen Miteigentümer besonders freuen?

Lübbe: Kurz und knapp: Auf eine attraktive Mischung. Die Bastei Lübbe AG hat in den vergangenen Jahren den Wandel von einem klassischen Verlag hin zu einem multidimensionalen Medienhaus vollzogen. Im klassischen, sehr stabilen Buchbereich blicken wir auf 60 Jahre Expertise in der Entwicklung von Inhalten und Stoffen und der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Autoren zurück. Darauf aufbauend haben wir in den vergangenen Jahren einen 360°-Verwertungsansatz forciert, der die vollumfängliche Verwertung aller bestehenden Inhalte und Marken, von Hardcover, Taschenbuch und Hörbuch über digitale Inhalte bis hin zu Merchandising- und Geschenkartikeln und der Lizenzvergabe für externe Kinofilme beinhaltet. Aufgrund des umfangreichen Bestands an eigenen und der Expertise in der Entwicklung neuer Stoffe und Inhalte konnten wir uns im Bereich der Digitalisierung von Inhalten und Marken eine Vorreiterrolle erarbeiten und in dem hochprofitablen Wachstumsfeld bereits erfolgreich Erfahrungen sammeln. Meine Miteigentümer dürfen sich somit auf ein nachhaltiges und ertragsstarkes Wachstumspotenzial in Verbindung mit einem konservativ stabilen Fundament freuen.

GoingPublic: Eine Frage zu Ihrem Kerngeschäft, die wir auch schon auf der IPO-Pressekonferenz stellten: Wie kann man die Erfolgsträchtigkeit von Autoren, und besonders von noch wenig bekannten, ermitteln?

Lübbe: Wir haben in der Beurteilung von Autoren und Inhalten eine jahrzehntelange Erfahrung und können recht zuverlässig das Potenzial von Autoren und ihren eingereichten Stoffen abschätzen. Bei etablierten Bestsellerautoren kann auf Basis der Verkaufszahlen vorheriger Titel eine sehr genaue wirtschaftliche Abwägung durchgeführt werden. Das wirtschaftliche Risiko ist somit minimiert. Bei der Beurteilung eines kommerziellen Erfolgs von Stoffen weniger bekannten Autoren übernimmt unser hervorragendes Lektorat eine große Verantwortung. So prüfen wir mögliche Garantiehonorare genau auf ihre wirtschaftliche Sinnhaftigkeit und haben ein sehr erfolgreiches System von fortlaufenden Vor- und Nachkalkulationen unter Berücksichtigung aller stoffbezogenen Kosten etabliert.

GoingPublic: Nicht wenige Verlage sind bei ihren Digitalisierungs-Strategien bereits gescheitert. Genau hier wollen Sie die Mittel aus dem Börsengang im Wesentlichen investieren. Wie sieht Ihre Strategie aus, was wollen Sie besser machen?

Lübbe: Mit der Digitalisierung wollen wir unseren strategischen 360°-Ansatz stärker ausbauen. Mit Hörbüchern, E-Books, selbst entwickelten digitalen Serien und Romanheften können wir hier nicht nur national, sondern insbesondere auch international margenstark wachsen. Wir wollen unsere Marktpositionierung als multidimensionales Medienhaus mit einem klaren digitalen Fokus weiter stärken. Ein klares Differenzierungsmerkmal gegenüber unseren Mitbewerbern stellt sicherlich der enorme Bestand an eigenen Inhalten, insbesondere im Bereich der Romanhefte, und die langjährige Expertise in der Entwicklung neuer eigener Inhalte dar. Mit der Entwicklung von Webnovels, einer digitalen Serie mit Texten, Filmszenen, Bildern und Illustrationen, Animationen, Hörspielen, Musik sowie interaktiven Web-Inhalten, haben wir eine klare Vorreiterrolle eingenommen und bereits Erfahrungen in diesem hochprofitablen Wachstumsfeld gesammelt. Der Launch der Webnovel „Apocalypsis“ in China hat innerhalb weniger Wochen bereits zu einer Million Downloads geführt und stellt erst den Beginn des internationalen Vertriebs eigener Inhalte dar.

GoingPublic: Führen die Investitionen nicht zu Anlaufverlusten, die die Dividendenfähigkeit beeinträchtigen könnten?

Lübbe: Wir wollen unsere Digitalisierungsstrategie im Bereich der Stofferstellung, Übersetzung und dem Aufbau von digitalen Vertriebspartnern durch zielgerichtete Maßnahmen umsetzen. Für die verstärkte Entwicklung eigener Inhalte und Marken sowie den Ausbau und die Internationalisierung digitaler Serien planen wir jeweils Investitionen von 3 bis 5 Mio. EUR. Da wir im digitalen Bereich Druck- und Vertriebskosten einsparen und margenstarke, weltweit skalierbare Umsätze generieren, erwarten wir, die investierten Mittel sehr schnell wieder einspielen zu können. Wir sehen hier einen wichtigen Baustein für eine zukünftig erhöhte Profitabilität.

Generell planen wir regelmäßige Dividendenzahlungen in Höhe von bis zu 50 % des Jahresüberschusses. Die verbleibenden Mittel sollen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und für die weitere Expansion unseres operativen Geschäfts genutzt werden.

GoingPublic: Zu möglichen Akquisitionsideen wurden auf der Analystenkonferenz schon einige Worte gesagt. In welche Richtung denken Sie? Wie könnte man hier Ihr Geschäftsmodell stärken?

Lübbe: Wir haben in der Vergangenheit bereits einige erfolgreiche Akquisitionen durchgeführt. Angefangen über die Kinder- und Jugendbuchverlage Baumhaus (2009), Boje (2010) über eine Beteiligung an der PMV GmbH im Rätselheftbereich, den Erwerb des Traditionsverlags Eichborn (beide 2011) bis hin zu Investitionen im Non-Book-Bereich durch die Mittel der Anleihe. Hierzu gehört die Übernahme des Geschenkartikel-Herstellers Hartmut Räder Wohnzubehör sowie die Beteiligung an der Werbeartikel-Fullservice-Agentur Präsenta Promotion International (beide 2012). Im laufenden Jahr haben wir mit der Übernahme der Bastei Media GmbH die Gruppe im Bereich Animation, Film und Fernsehen gestärkt.