1. Setze auf die richtigen Pferde!
Das A und O jedes Börsengangs ist die richtige Story. Themen wie CRM-Software, IT-Dienstleistungen und Internet ISPs sind generell „out“. Modebranchen wie Biotechnologie, B2B-Software oder alternative Energien ziehen aber noch ganz gut. Und Logistiker sind noch voll „in“. Sieh also zu, daß Du Dir rechtzeitig die richtigen Kandidaten sicherst und nicht auf Ladenhüter setzt.

2. Verpacke die Story richtig!
Der beste Börsenkandidat taugt nichts, wenn die „Equity Story“ nicht stimmt. Herkömmliche „Brick & Mortar Companys“ will keiner mehr. Sieh also zu, daß Du Deine Story dementsprechend gut verpackst und Deinen Kandidaten zur Not neu einkleidest! Ein neuer Firmenname und ein gelaunchter Marketing-Auftritt wirken hier oft schon Wunder. Wichtig sind hier auch Deine „Testimonials“, also die richtigen Werbepartner. Promis kommen dabei immer gut an – nur Vorsicht, daß sie eine reine Weste haben und bis in die Haarspitze clean sind, sonst geht der Schuß eventuell nach hinten los!

3. Vergiß Deine Freunde nicht!
Die besten Freunde des Konsortialbankers sind die institutionellen Investoren. Diese müssen gehegt und gepflegt werden. Am besten, man holt die wichtigsten schon in der letzten Finanzierungsrunde vor dem IPO mit ins Boot – nur dann haben sie auch in einem schwierigen Marktumfeld noch nach dem ersten Handelstag Freude an der Aktie und äußern diese auch öffentlich. So entsteht ein positives Umfeld für die Aktie, das auch weiterhin für steigende Kurse sorgt. Und selbst wenn der Kurs gegenüber dem Emissionspreis erst mal absäuft, liegen die wichtigsten Partner immer noch im Geld.

4. Pricing, Pricing und nochmals Pricing!
Das Pricing ist der entscheidende Erfolgsfaktor für alle Beteiligten: Das betreute Unternehmen strebt einen möglichst hohen Emissionserlös an, damit der Cash nachher in der Kasse klingelt. Die VCs, Altaktionäre sowie „friends & family“ wollen beim Exit nach der lästigen „Lock-up“ ebenfalls einen guten Schnitt machen, und die eigene transaction fee berechnet sich ja schließlich auch aus dem Erlös. Also sieh zu, daß Deine Analysten bei der Bewertung saubere Arbeit leisten!

5. Sei kreativ!
Um ein hohes Pricing zu begründen, sind mehrere Faktoren erforderlich: Zunächst einmal ein einzigartiges Geschäftsmodell, ein riesiger Markt, eine gut begründbare Marktstellung und nicht zuletzt exorbitante Wachstumsraten. Die beiden ersten Punkte darzustellen ist nicht so schwer – es gibt genügend komplizierte Geschäftsmodelle, die kein Mensch versteht, und einen Bedarf zu konstruieren, fällt auch nicht so schwer. Hier ist lediglich etwas Spürsinn und Kreativität gefragt. Und selbst wenn Du den einhundert-xten IT-Dienstleister plazieren willst, dann läßt sich immer noch begründen, warum gerade dieses Unternehmen so „unique“ und einzigartig gut aufgestellt ist. Damit lassen sich dann auch leicht Wachstumsraten weit über dem Marktdurchschnitt begründen (auch wenn das Unternehmen in den letzten fünf Jahren vor dem IPO nicht annähernd so stark gewachsen ist).

6. Nutze den Überraschungseffekt!
Damit das richtige Interesse bei allen Anlegern angeheizt wird und unabhängige Analysten möglichst wenig Zeit haben, die Story zu recherchieren, sollte das IPO möglichst kurzfristig über die Bühne gebracht werden. Insbesondere in hektischen Börsenphasen ist der Überraschungseffekt nicht zu unterschätzen: Kündige den Börsengang Deines Kandidaten daher am besten erst eine Woche vor Beginn der Zeichnungsfrist an, lade die Presse idealerweise erst Freitag nachmittag zur Emissions-Pressekonferenz ein, die dann Montag morgen stattfindet und halte vor allem die Zeichnungsfrist kurz. Verlängern kann man sie dann notfalls ja immer noch (sh. Punkt 8).

7. Stelle unabhängige Analysten ruhig!
Insbesondere bei größeren Börsengängen ist es ab und zu schon mal sehr lästig zu hören, wer alles seinen Senf zu Börsengängen abgibt, die ihn eigentlich gar nichts angehen. Das beste Mittel ist, alle in Frage kommenden Arbeitgeber als „Selling Agents“ oder „Subcontractors“ mit ins Boot zu ziehen. Damit kann man auch noch den letzten unangenehmen Kritiker innerhalb der Analystenzunft ruhig stellen! Mit den Vertretern der schreibenden Zunft ist es da schon etwas schwieriger – die lassen sich meist nicht so leicht mit geschönten Zahlen und wohlklingenden Phrasen abspeisen. Meist wollen die Schreiberlinge dann neben dem (oft unvollständigen) Verkaufsprospekt auch noch eine Unternehmensstudie haben, um in dieser dann nach den Krümeln zu suchen! Hier gibt es mehrere Möglichkeiten des Abwimmelns: Auf internationale Usancen verweisen, die eine Verbreitung der Studie in der Öffentlichkeit verbieten. Die sogenannte „Black-out-period“ bietet sich ebenfalls als eine effiziente Begründung an, das Research nicht auszuhändigen. Oder man strebt gleich ein Parallel-Listing an der NASDAQ an, dann braucht man erst gar keine Studie erstellen (empfiehlt sich jedoch nur bedingt, da die SEC in der Regel oft noch unangenehmere Fragen stellt).

8. Was mache ich, wenn das Ding doch nicht unterzubringen ist?
Wenn das IPO trotz aller Bemühungen auf Teufel komm raus nicht durchzuführen ist, dann bleiben im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Verlängerung der Zeichnungsfrist, Verringerung des Emissionsvolumens und Absenken der Preisspanne! Aber paß auf, daß Du es nicht übertreibst – sonst merkt ja noch jeder blöde Privatanleger, daß das Pricing (sh. Punkt 5) von vorneherein völlig überzogen war. Die Goldene Regel muß daher lauten: Absenken um maximal ein Drittel ist erlaubt, danach mache ich mich unglaubwürdig!

9. Wenn Du schon einen Rückzieher machen mußt, dann begründe diesen stichhaltig!
Wenn alle Maßnahmen erfolglos waren und der Börsengang trotz Befolgen der Punkte 1 bis 8 nicht erfolgreich war, dann bleibt nur noch das Verschieben. Aufgeschoben ist schließlich nicht aufgehoben! Einen Punkt gibt es dabei allerdings unbedingt zu beachten: Egal ob die Absage, pardon: das Verschieben vor, während oder bereits nach Beendigung der Zeichnungsfrist bekannt gegeben wird: Schuld haben immer die anderen! Eigene Fehler bei der Bewertung oder bei der Plazierung einzugestehen, ist ein Sakrileg. Am besten eignet sich das schlechte Marktumfeld als Begründung.

10. Wie plaziere ich einen Kandidaten, der schon mal verschoben hat?
Um einen schon einmal verschobenen Börsengang doch noch irgendwann durchzuführen, bietet sich das Prinzip „Alter Wein in neuen Schläuchen“ an: Man benenne den Kandidaten um, verpasse ihm eine neue Equity-Story, und schon ist er bereit für den nächsten Anlauf!

Also liebe Konsorten, jetzt legt mal los. Viel Erfolg bei den nächsten Neuemissionen wünscht Euch Euer GoingPublic-Team!

Die GoingPublic- Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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