E.ON und RWE machten am Montag satte Kurssprünge, während sunways, Solarworld, Plambeck, Nordex und wie sie alle heißen herbe Verluste einstecken mußten. Offensichtlich ist für viele Marktteilnehmer ausgemachte Sache, daß Rot-Grün bei der für September avisierten, vorgezogenen Bundestagswahl abgewählt werden wird. Und daß eine bürgerliche Regierung den Atomausstieg teilweise rückgängig und die Förderung alternativer Energien abbauen werde. Beide Wechsel auf die Zukunft sind aber bei weitem noch nicht gedeckt. Bisweilen wird auch der, der zu früh kommt, im Leben bestraft.

Wahlkampf bedeutet Zuspitzung, und eine Frage darf schon jetzt mit dem gebotenen Maß an Polarisierung formuliert werden: Ist Deutschland wirklich reif, eine Bundeskanzlerin Merkel zu wählen? Nicht nur die an Peinlichkeit und Dilettantismus nicht zu überbietende Vorstellung Angela Merkels in der Frage der deutschen Rolle im Irak-Konflikt läßt Zweifel erwachsen.

Doch selbst im Falle eines Regierungswechsels bestände kein Grund zur Annahme, die Betreiber der Atomkraftwerke der Bundesrepublik könnten schöne Extra-Gewinne einstreichen. In einem sind sich die großen Volksparteien einig: Der Schlüssel zur wirtschaftlichen Gesundung der Republik liegt in der Stimulation der Binnenkonjunktur. Wenn eine andere Bundesregierung ideologisch keine Probleme hätte, die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, so hätte sie keine andere Wahl, als diese Verhandlungsmasse dafür einzusetzen, die Energieriesen in einschlägigen Verhandlungen dazu zu bewegen, die Energiepreise mit Hilfe der Atomeinnahmen zu senken. Denn die Nebenkosten, die sogenannte zweite Miete, schöpfen durch hohe Gas, Strom- und Wasserpreise immense Kaufkraft ab.

Alternative Energien, besonders die Photovoltaik, gehören zu den wenigen Wachstumsbranchen im Land. Hier sind Zehntausende von Arbeitsplätze entstanden. Auch einer bürgerlichen Regierung wird im Zweifel die arbeitsmarktpolitische Jacke näher sein als das energieideologische Hemd. Von daher sind einschneidende Maßnahmen wenig wahrscheinlich und wären abzuwarten.

Bleibt eine Erkenntnis: Gerade Photovoltaik-Aktien sind in der Vergangenheit sehr gut gelaufen. Sollten sie nun einige Tage zurückkommen, könnten sich interessante Einstiegsgelegenheiten ergeben. Denn diese Energie bleibt unabhängig von der Regierung sexy.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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