„Man muß etwas unternehmen, wenn es einem gut geht.“
(Hilmar Kopper, Vorstandssprecher der Deutschen Bank)

Die Vehemenz, mit der Versicherungen in den letzten paar Jahren aus ihren Profitabilitätsträumen gerissen wurden, sucht ihresgleichen. Gleichgültig ob nun an erster Stelle die spätestens alle paar Jahre auftretenden „Jahrhundert“-Ereignisse zu nennen sind oder der einmal in Gang gesetzte „War on Terror“. Vor drei Jahren verfügten die Versicherer weltweit über 700 Mrd. US-$ Risikokapital, davon wurden 30 % allein in den letzten beiden Jahren vernichtet – eben durch die bekannten Events, zu denen auch der Börsencrash zählt, auf dessen Konto allein 150 Mrd. US-$ gehen. Als Folge ist die Kapitalbasis heute drastisch reduziert, und die Beteuerungen der Versicherungsbranche, daß alles bestens sei und sich niemand Sorgen machen müsse, wirken angesichts der hochfrequenziösen und massiven Kapitalerhöhungen (erst Allianz, dann auch Münchener Rück) doch etwas verkrampft.

„Die Allianz hat einen Schuß frei gehabt, den hat sie jetzt gesetzt"
(Brancheninsider anläßlich der umfangreichen Kapitalerhöhung der Allianz im Frühsommer)

„Die Einführung einer Versicherungspflicht ist mit verfassungsrechtlichen Problemen verbunden. Dabei ist allerdings Grundvoraussetzung, daß der Staat als Rückversicherer beteiligt ist.“
(Ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu Plänen einer Versicherungspflicht gegen Schäden aus Naturkatastrophen)

Der Staat solle sich möglichst aus allem raushalten, vieles könne privatwirtschaftlich besser und effizienter geregelt werden. Vergessen scheint bereits der September 2001: Plötzlich wurde deutlich, daß die Assekuranzen (zeitweise) nicht einmal die Fluggesellschaften versichern konnten und der Staat als „Lender of last resort“ einspringen muß, wenn es hart auf hart kommt. Selbst die als Reaktion im Oktober 2002 eigens für Schwerstfälle gegründete „Extremus“ bekommt schon nach der dritten Milliarde Schadenssumme Beistand von Seiten des Staats. Den Unternehmen wiederum sind die Prämien zu hoch, die sie berappen sollen – kein Wunder, wissen sie doch, auf wen sie sich im Zweifel verlassen können…

„Die Versicherung von Windkraftanlagen ist mit den bisherigen Modellen nicht profitabel“
(Stephan Zilkens, Leiter Firmenkunden Sachversicherungen bei der Gothaer Versicherung, bei der rund 25 % aller Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen versichert sind)

Verlassen von allen guten Geistern schienen in den Boomjahren die hauseigenen Prognostiker der Windenergiebranche: Die technischen Herausforderungen auch bei den hochkomplexen Offshore-Anlagen seien gelöst. Heute wissen wir: Nichts ist gelöst. Die Versicherungen reagieren prompt mit Änderungskündigungen auf die Störanfälligkeiten der Komponenten. Die Allianz beispielsweise hat ihre Prämien verdoppelt, die Selbstbeteiligung erhöht und neue Revisionsklauseln verabschiedet. Auch Anleger der in Mode gekommenen Windkraftfonds sind gegen derartige „Strömungsabrisse“ der Windparkbetreiber nicht gefeit.

Dieser Beitrag ist auch im aktuellen Smart Investor Magazin 12/2003 erschienen.

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