Raucher sollten zwar weiterhin während der allgemeinen Arbeitszeit rauchen dürfen, die Arbeitgeber aber diese Pausen nicht mehr bezahlen müssen. Das senke die Arbeitskosten, entlaste so die Unternehmen und führe zu mehr Wachstum, referierte der Volkswirt. Von der Verwunderung abgesehen, zu welchen Gedankenspielen der Mann auf seinem Posten offensichtlich Zeit hat, muß man feststellen: Das ist so weit gedacht wie Stevie Wonder gucken kann.

Würde dieser Vorschlag umgesetzt, könnten Millionen von Rauchern die Abkehr von den Glimmstengeln einleiten. Allein der Gedanke treibt Finanzminister Hans Eichel den Angstschweiß auf die Stirn. Milliardenlöcher an Steuerausfällen täten sich auf. Und wie finanzieren wir dann die innere Sicherheit? Schlimmer noch: Der Vorschlag befördert die sozialen Sicherungssysteme noch schneller an den Rand des Kollapses. Der Raucher als solcher zahlt ja brav in Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung ein und verscheidet dann in der Mehrzahl vor Auszahlung der ersten Rententranche und vor Inanspruchnahme teurer, weil langjähriger Behandlung von Alterskrankheiten. Da muß man jetzt mal den Walterschen Vorschlag mit dem gebotenen Maß an Zynismus zu Ende denken bitte.

Und wenn schon Entlastung für die Unternehmen: Was ist eigentlich mit den Dicken, die ständig während der Arbeitszeit, namentlich in den Bürotrakten, Kekse, Schokoriegel und Kuchen in sich reinstopfen? Deutschland, morgens um 10: Bitte erst die Stechuhr bedienen, dann das kleine Frühstück für zwischendurch öffnen? Und wie ist das eigentlich mit der Zigarette auf dem stillen Örtchen? Lohnabzug oder Menschenrecht? Man dürfte sich auf einen unterhaltsamen Musterprozeß freuen.

Man sollte meinen, daß an der Spitze der Volkswirte der Deutschen Bank ein Mitglied der deutschen Wirtschaftselite steht. Nach Lage der Dinge ist festzuhalten, daß der Elite angesichts der derzeitigen Situation offenbar nichts anderes einfällt, als Arbeitnehmerrechte zu beschneiden. Das ist die eigentliche Botschaft dieses Vorschlags und im Übrigen denkbar traurig.

Stefan Preuß

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