Die These vom effizienten Markt führt dummerweise zu einer Feedback-Schleife: Je effizienter der Markt, desto härter arbeiten die Börsianer daran, sich einen Informations- und damit Investmentvorsprung herauszuarbeiten. Der effizienteste Markt ergibt sich demnach, wenn sämtliche Preise nur noch zufällig zustande kommen und nicht mehr aufgrund von Informationsvorsprüngen der Marktteilnehmer. Ein zufallsgenerierter Markt wäre allerdings nicht mehr prognostizierbar und damit für alle Anwesenden sehr unfruchtbar.

Wie Didier Sornette, Geophysik-Professor in Los Angeles und zugleich Börsenbuchautor – offenbar kein Widerspruch in sich – feststellt, ergibt sich eine interessante Analogie zur menschlichen DNA. Es gibt kodierende und nicht-kodierende Sektionen auf den Bausteinen menschlichen Lebens. Während die nicht-kodierenden eine weite Korrelation aufweisen, ist dies bei kodierenden nicht der Fall, sie verfügen über keine oder allenfalls über kurzreichende Korrelationen. Das heißt im Klartext: Informationen führen zu Beliebigkeit, Mangel an Informationen dagegen zu Regularitäten. Kodierende Sektionen müssen zufällig erscheinen, sie enthalten ja bereits alle notwendigen Informationen. Eine Korrelation würde bedeuten, daß eine Dekodierung bereits mit weniger Sequenzen möglich wäre (sofern man die bildende Gesetzmäßigkeit ausfindig macht).

Also je härter die Investoren an ihrer vermeintlichen Outperformance laborieren, desto zufallsgetriebener muß sich die Börse präsentieren. Jedes Mal, wenn Tennis-Eigenbrötler Ivan Lendl ein Spiel verlor, zog er sich zurück und trainierte noch härter. Bei der nächsten Niederlage war der Frust dann nur noch größer. Trauriger Höhepunkt war sicherlich die Finalniederlage in Paris gegen den damaligen Noname Michael Chang, der Lendl sogar mit einem Ass durch Aufschlag von unten (!) demontierte. Soweit zu Parallelen zwischen Börse und dem sich doch nicht anders präsentierenden Außenleben.

Fazit von der Geschichte ist, daß viele erfolgreiche Börsenteilnehmer „ihren“ Erfolg oftmals nur dem Zufall verdanken. Dessen sind sie sich leider nur sehr selten bewußt. In der Regel schreiben sie dann ein Buch über eben jenen Erfolg mit dieser oder jener Trading-Strategie. Sehen Sie es also als ernstes Warnzeichen, wenn sich ein vermeintlicher Börsenguru für eine zurückliegende Outperformance auf die eigene Schulter klopft und seine Weisheiten in ein Buch verpackt. Die meisten Autoren wissen es einfach nicht besser oder vielleicht doch, und genau deshalb schreiben sie dann auch ein Buch. Der Unterschied zu „echten“ Investmentgrößen liegt zwischen aktiv und passiv: Über Buffett (und andere) werden Bücher geschrieben, aber nicht von ihnen selbst. Im Gegenteil: Buffett versucht seine Geheimnisse für sich zu behalten und ist an einer Nachahmung nicht mal interessiert.

Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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