Wie ein Sprecher des Unternehmens betonte, handelt es sich um einen echten Verzicht: So lange Gericom Verluste schreibt, wird Oberlehner kein Geld sehen. Es würde nach Erreichen des Break Even keine Nachzahlung geben, sondern erst dann wieder laufende Bezüge bezahlt.

Man könnte nun einwenden, daß mit einem dicken Aktienpaket und mutmaßlich gut gefülltem Bankkonto im Rücken die Einschränkungen im täglichen Leben überschaubar bleiben und die Aktion von daher eher symbolisch bis effektheischend ist. Dennoch: Die direkte Kopplung von Unternehmenserfolg und Vergütung darf als zukunftsweisend gelten. Für den Fall, daß dieses Beispiel Schule machen sollte.

Nicht erst die Diskussion über den Prozeß um die Abfindungszahlungen bei Mannesmann rücken diese Korrelation ins Rampenlicht. Die selbsternannte Wirtschaftselite, von anderer Seite auch schon mal als „Nieten in Nadelstreifen“ tituliert, wird zunehmend zur Kenntnis nehmen müssen, daß eine „Esser“-isierung der Gesellschaft nicht aufrecht erhalten werden kann bzw. das Normalmaß sein kann. Bei Tarifabschlüssen unterhalb des Inflationsausgleiches zieht auch das Totschlagargument der Neiddebatte nicht mehr.

Ob der gänzliche Verzicht auf Bezüge als Mittel der Wahl gelten sollte, steht noch dahin. Oberlehner verdient dennoch Anerkennung für einen mutigen Schritt, wohl auch, weil Gericom bei der Unternehmenskommunikation immer noch nicht den richtigen Dreh rauszuhaben scheint. Die Diskussion um überhöhte Vorstandsgehälter ist um eine Facette reicher geworden. Es wird interessant sein zu beobachten, wie Vorstände bei der Präsentation schlechter Zahlen künftig die Steigerung ihrer Bezüge erklären. Aktionärsvertreter können nun auf ein konkretes Beispiel verweisen: Verzicht ist machbar.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.